Ausflug nach Malbork und Thorn

01. Juni 2007

Der erste trübe Tag. Das hatten wir nach 14 ausschließlich sonnigen Tagen nicht mehr erwartet. Nach dem Frühstück wird uns pünktlich um 10:00 Uhr unser Opel Astra übergeben und wenig später starten wir zur Marienburg in Malbork, ungefähr 50 km von Danzig entfernt. Schon von weitem sehen wir dieses mächtige Bauwerk, eine Gründung des Deutschen Ordens aus dem 13. Jahrhundert, vom 13. bis zum 15. Jahrhundert die größte und mächtigste Ritterburg in Europa und der Welt und seinerzeit sowohl ökonomisch als auch politisch einer der wichtigsten Orte Europas. Die Gesamtfläche betrug seinerzeit 21 ha, was der Größe einer durchschnittlichen mittelalterlichen Stadt entsprach! Durch ihre Mächtigkeit machte die Anlage die vielen Ritter, die über Jahrhunderte von überall her zu Besuch kamen, völlig sprachlos. Und dies war es wohl auch, worum es ging: Autorität, damals noch mehr als heute, Kraft, Macht und provokant zur Schau getragenen Stolz und Größe, die den Glanz und die Glorie des deutschen Ordens überall im Abendland verbreiten sollte. Die Marienburg ist untrennbar sowohl mit der deutschen, als auch mit der polnischen Geschichte verbunden.

Zu unserem Besuch: Wir haben leider zu wenige Fotos geschossen. Die nachfolgende Wiedergabe des Zustands der Marienburg nach dem 2. Weltkrieg, als sich kurz vor dem Ende die Wehrmacht hier verschanzte und die Rote Armee zu Bombardierungen und letzten Endes zur fast vollständigen Zerstörung der Burg herausforderte, zeigt die große und fast unbegreifliche Leistung der polnischen Restauratoren, die heute das Ausmaß der Verwüstung auch nicht ansatzweise erahnen lassen, wie unsere wenigen Fotos bereits zeigen:

 

 

Die Marienburg heute

 

 

Um 13:30 Uhr fahren wir von Malbork aus nochmals 150 km weiter nach Thorn an der Weichsel. Hier hat Hans-Joachim Ende der 70-iger Jahre bis 1987 fast jährlich im Rahmen des Städtepartnerschaft Göttingen-Thorn in offizieller Mission zu tun gehabt. Insgesamt fällt diese Städteour etwas enttäuschend aus. Hatten uns mehr erhofft. Gegenüber der Vorwendezeit scheint sich bis auf die jetzt vorhandene Vielzahl an Geschäften, Restaurants etc., wenigstens in der Innenstadt, nichts gravierendes getan zu haben. Viele Gebäude hätten eine Fassadenrenovierung bitter nötig. Vielleicht ist es aber auch einfach der Vergleich mit Danzig, dem diese Stadt nicht gewachsen sein kann.

Die sachlichen Dinge sind von H.-J. bereits wie immer perfekt abgehandelt worden. Warum, fragt sich der geneigte Leser vielleicht, fotografieren wir einen Real-Markt in Thorn? Nun, natürlich muß unsere Bordküche von Zeit zu Zeit aufgefüllt werden und es kommt sonst nicht vor, daß wir über ein Auto verfügen und in großem Stil einkaufen können. Daher der Besuch in diesem Etablissement. Und was für ein Einkaufstempel. Großzügig, pieksauber, übersichtlich, von allem alles und toppfrisch. Wie habe ich die polnischen Hausfrauen beneidet. Leider saß mir H.-J. im Nacken, so daß ich nicht in aller Seelenruhe schauen und vergleichen konnte. Aber die Zeit reichte immerhin, meine aufgewühlte Seele wieder etwas ins Gleichgewicht zu bringen. Denn wer einmal über die Landstraßen Polens gefahren ist weiß, wovon ich spreche. Jede Menge Lastwagen, dazwischen jugendliche Raser, übertroffen noch von BMW- oder Mercedesfahrern, die offensichtlich der Meinung anhängen, diese Wagen und ihre Insassen seien unverwundbar. Und was allem die Krone aufsetzt, während des eigenen Überholvorgangs werden wir mehrfach ebenfalls, auf dem Seitenstreifen der Gegenfahrbahn, überholt, also eine Dreierformation im Angesicht des heranrasenden Gegenverkehrs. Und meine Vorstellung von Polen war doch eine ganz andere. Panjewagen, gezogen von kleinen zotteligen Pferdchen, Bauern mit Pfeife im Mund, Frauen mit Kopftuch und langen Röcken - Pustekuchen. Ein Land im Aufbruch, Umbruch, an jeder Ecke wird gebaut, alles scheint vor Energie zu flirren. Auch wenn das Umland der Städte sehr zersiedelt ist, Polen nähert sich dem Westen mit Riesenschritten und es ist spannend, davon einen Eindruck zu erhalten.

Nach knapp 400 km sind wir um 21:30 Uhr in Danzig und auf unserem Boot zurück.

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