Start nach Kolberg/Polen

 

12. bis 19. Mai 2007 -Letzte Arbeiten an Aquamarin-

Nach wochenlangen Vorbereitungen, mit vielen anstrengenden Arbeitstagen und diversen kleinen und großen Verbesserungen, wird es am Sonnabend, dem 12. Mai 2007 ernst: Wir nehmen für mehrere Monate Abschied von Göttingen und machen uns mit unserem bis unters Dach voll gepackten Kombi auf den Weg nach Fehmarn. Dort stehen dann in den Folgetagen die letzten Restarbeiten an, um Aquamarin an den Kran und ins Wasser bringen zu können. 35 Maststufen sind an den Mast anzunieten, die Radarantenne zu installieren, Leitungen durch den Mast zu ziehen, ein Kugellager für eine der beiden Rollreffanlagen auszutauschen (kostete allein bereits einen halben Tag), drei neue und jeweils über 70 kg schwere AGM-Batterien einzubauen und elektrisch zu integrieren. Zusätzlich zu den vielen kleineren ebenfalls anfallenden Nebenarbeiten ist noch der nackte Mast wieder aufzuriggen.

Wie üblich, dauern die Arbeiten länger als vorhergesehen, so dass täglich mehr als 12 Stunden, teilweise bis zur Erschöpfung, gewerkelt werden muß. Am Mittwoch, dem 16. Mai, kann das Schiff dann doch noch im geplanten Zeitrahmen zu Wasser gelassen werden. Das heißt natürlich nicht, Leinen los und ab nach Polen. Der Mast muß verstagt und die drei schweren Segel müssen angebracht werden, und … und … und. Netterweise geht uns dabei Werner Opitz aus der Hackepeter-Crew zur Hand. Zur Belohnung geht es nach getaner Arbeit (einmal mehr) abends ins Lotsenhus, wo bei vorzüglichem Essen und reichlich Bier die Strapazen der letzten Tage schnell vergessen werden.

Der Chef der SY-Hackepeter, Hartmut Brückner

Der Bruder des Chefs, Reiner Brückner (brachte unseren Pkw nach Göttingen zurück)

 

Werner Opitz, unser freundlicher Helfer beim Auftakeln

Klaus Vogeler und Bettina

 

20. Mai 2007 -Start mit Hindernissen-

Dann folgt der große Augenblick: Am Sonntag, dem 20. Mai, heißt es um 09:20 Uhr endlich Leinen los und Start zur 1. Segeletappe nach Kolberg in Polen. Der Himmel ist strahlend blau, der Wind jedoch zu schwach zum Segeln. Erst einmal ist motoren angesagt, allerdings noch Hoffnung vorhanden, dass nach der Rundung des Kap Arkona, auf neuem Kurs und in der Nacht, wenigsten die zweite Hälfte der ca. 170 sm langen Strecke segeln möglich sein wird. Diese Hoffnung trügt leider. Mit einer so langen Motorfahrt hatten wir nicht gerechnet: Es zeichnet sich ab, dass unser Dieselvorrat von 150 Litern im 1.000-Liter-Tank (ohne Sumpf können die letzten 100 Liter nicht genutzt werden!) nicht ausreichen wird. Tatsächlich zieht die Maschine während eines Segelversuchs am Kap Luft und gibt den Geist auf. Die Situation ist wenig spaßig und wäre letzten Endes ohne den vor einem Jahr installierten Tagestank zum ernsten Problem geworden. Dass dann auch noch ein Temperaturfühler den Geist aufgibt, der dadurch ausgelöste Pfeifton ist schon sehr irritierend, und dann auch zusätzlich, aller guten Dinge sind drei, auf einmal eine Ölleitung am Wärmetauscher des Vetus-Deutz stark zu lecken anfängt, läßt in der dunklen Nacht das Gefühl einer sich bedrohlich zuspitzenden Kettenreaktion aufkommen. Unsere Pläne sind auf einmal Makulatur und der (Not-) Hafen von Sassnitz unser neues Ziel. Nachts um 01:30 Uhr machen wir dort fest und um kurz vor 03:00 Uhr sind wir dann endlich in der Koje.

 

21. bis 22. Mai 2007 -Zwischenstopp in Sassnitz-

Der nächste Tag bringt wieder reichlich Aufregungen: Viele Telefonate, Werkstattsuche und –besuche stehen noch unausgeschlafen bereits ab 07:00 Uhr auf dem Plan. Eine mit den Verschraubungen verpresste Hochdruckleitung für den Wärmetauscher muß beschafft werden, ist jedoch in Sassnitz nicht zu bekommen. Allerdings wird uns die Firma Hansa Flex im 35 km entfernten Samtens/Rügen empfohlen. Dorthin macht sich der Skipper per Zug und mitsamt Fahrrad auf den Weg. Nach der Anfertigung des Ersatzteils geht es sofort mit dem Fahrrad und dann mit dem Zug zurück nach Sassnitz und dann weiter an Bord. Das neue Teil wird eingebaut und anschließend der Motor (zwischenzeitlich waren 500 Liter Diesel getankt worden) gestartet. Ein entsetzter Schrei aus dem Motorraum läßt jedoch nichts Gutes ahnen. Öl schießt wie eine Fontäne aus dem Überwurf der neuen Leitung. Die Schrauben werden nochmals bis in den Grenzbereich nachgezogen –nach zu fest kommt meisten zu lose- und ein zweiter Versuch gestartet. Wieder das selbe Ergebnis: Der Motorraum ist mit Öl verschmiert, eine fürchterliche Schweinerei, die über eine Stunde Putzarbeit nach sich zieht.

Nächste Aktion ist ein Anruf bei Herrn Boeck von Hansa-Flex. Der sagt netterweise spontan zu, am nächsten Morgen an Bord vorbeizuschauen. Das ist mehr als Kundenfreundlichkeit. Am anderen Morgen überascht uns der Hafenmeister bereits mit einem neuen Teil. Hansa-Flex hatte das alte beschädigte Muster nochmals in Augenschein genommen und bemerkt, dass ein Gewindeübergang mit einer falschen Gewindesteigung gewählt wurde. Bei der Übergabe durch den Hafenmeister fällt, wie in einem Dick und Doof-Film genau dieses Gewindeteil ins Hafenbecken. Nochmals ein Anruf bei Hansa-Flex: Der Chef kommt selbst vorbei und bringt mit fachmännischer Hand und einer Nachbearbeitung in einer benachbarten Werkstatt alles in Ordnung. Eine schwierige Geburt. Vielen Dank an diese nette Firma und ihren Herrn Boeck.

Aquamarin in Sassnitz/Rügen

 

23. bis 24. Mai 2007 -Ankunft in Kolberg/Polen-

Eigentlich hatten wir vor, erst am Mittwoch den 80 sm langen Schlag nach Kolberg zu starten. Bettina möchte jedoch den angebrochenen Abend und das ruhige Wetter zu einer Nachtfahrt nutzen. So geschieht es dann auch: Wir legen pünktlich um 20.00 Uhr, bei strahlendem Wetter aber schwachen Winden ab. In der ersten Stunde schaffen wir bei 2-3 m/sec Wind ganze zwei Seemeilen, starten darauf hin den Motor und sind nach knapp 12 Stunden am Mittwoch-Morgen bei schönstem Sommerwetter in Kolberg, heute Kolobrzeg, angekommen.

Kurze Einklarierung beim Grenzschutz/Zoll sowie anschließend im Yachthafen und um 9:00 Uhr geht es erst einmal für zwei Stunden in die Kojen. Um 12.00 Uhr fahren wir mit den Rädern in die Stadt bzw. das, was davon nach der völligen Zerstörung in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges übrig geblieben ist. Eine gewachsene Stadtstruktur mit alten Gebäuden ist kaum noch zu erkennen. Der Charme des Sozialismus hat dann für den Rest gesorgt. Allerdings ist überall zu spüren, dass sich die Stadt im Aufbruch befindet. Das zeigt sich besonders bei den neuen Kureinrichtungen, die offensichtlich überwiegend von Deutschen frequentiert werden, die zu rechnen wissen und die Freundlichkeit bei den Dienstleistungen schätzen.

Wie überhaupt die Freundlichkeit der Menschen auffällt. Die berühmten weißen Strände Pommerns beeindrucken ebenfalls. In den Lokalen - wir besuchten das Pod Winogronami - gibt es eine wirklich gute und preiswerte Speisekarte und das Personal ist sehr gut geschult. Der Kaffee, den wir dort bekommen und die sehr leckere Schokoladentorte überzeugen uns so sehr, dass wir auch abends dort einkehren.

Den nächsten Tag wollen wir eigentlich noch in Kolberg bleiben. Nach ausführlichem Frühstück und Duschen werfen wir diesen Plan jedoch am Donnerstag kurzfristig um, da die militärischen Sperrgebiete 6, 6a und 6b von 22:00 an passiert werden können, was nach drei wöchiger Sperrung für kurze unbestimmte Zeit etwa 35 bis 50 sm Umweg ersparen würde. Es kommt hinzu, dass das Wetter so vielversprechend und der Wind so angenehm ist, dass wir um 10.30 Uhr beim Hafenkapitän über Funk Kanal 12 "SY-Aquamarin will leave Kolberg, um Erlaubnis fragten, den Hafen verlassen zu können und um 11:00 Uhr dann "SY-Aquamarin is ready to leave, 2 Persons, next harbor Darlowo" melden.

Aquamarin im Yachthafen von Kolberg

Müßiggang ist aller Laster Anfang: Cappuccinopause in Kolberg

 

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