Von den Alandinseln bis Stockholm

Dienstag 07. bis Dienstag 14. August 2007

Es ist Dienstag, der 7. August, ein strahlend schöner Tag mit einem einzigen Schönheitsfehler: Es weht nicht das kleinste Lüftchen. Gern wären wir noch einige Tage geblieben, aber irgendwie fühlen wir uns schon wieder unter Zeitdruck. Wir stehen um 08:30 Uhr auf, Frühstücken im Cockpit und erblicken dann einige Plätze weiter die Carpe Diem, auf der wir in Ventspiels/Lettland einen so netten Abend verbracht hatten. Wir machen uns durch Klopfen bemerkbar, werden auch sofort wiedererkannt. An Bord sind diesmal der Skipper und seine Familie (Frau und zwei Enkelkinder). Wir berichten über unsere Fahrt nach St. Petersburg, tauschen uns noch über das woher und wohin aus, wie es unter Seglern üblich ist, und legen dann um 10:15 Uhr erst einmal zum Tanken (322 Liter Diesel) ab. Um 10:45 Uhr geht es dann endgültig los.

Die Alandsee am Leuchtturm Marhällan um 11:30 Uhr. Platt, wie ein Laken

Ab 15:30 Uhr (schwedische Zeit 14:30 Uhr) können wir wieder (vor dem Wind) mit ~ 3,5 Kn segeln

In den schwedischen Schären

Mit gemächlichen 3 kn kommen wir langsam voran. Hier wird schon das Abenessen vorbereitet

Im engen Schärenfahrwasser kommen uns nacheinander drei Luxusliner entgegen

Hier die Siljaline Stockholm - Helsinki

Unser abendlicher Ankerplatz Horsviken, ca. 20 sm vor Stockholm

Der Mittwoch, 08. August, beginnt wieder als strahlend schöner Tag. Nach dem morgendlichen frischen Bad (18,6°Celsius) frühstücken wir ausgiebig im Cockpit und segeln dann kurz nach 10:00 Uhr mit leichten achterlichen Winden weiter in Richtung Stockholm.

Gegen Mittag, zieht kurz vor der Festung Vaxholmen eine Gewitterfront mit Regenschauern auf

Bereits um 14:00 Uhr machen wir im Wasahafen von Stockholm fest. Inzwischen scheint wieder die Sonne, es ist schwülwarm. Telefonisch melden wir unsere Ankunft Ulrika, der Tochter meiner Cousine, und Dietrich, einem früheren Berliner Schulfreund an, die beide langjährig in Stockholm leben. Mit Ulrika verabreden wir bereits für den heutigen Nachmittag und für den morgigen Abend auf unserem Boot und zum Abendesen. Mit Dietrich werden wir uns dann am Freitag treffen. Wir beginnen unseren Stockholm-Aufenthalt mit einer Fahrradtour durch die uns sehr beeindruckende Stockholmer Innenstadt. Es ist zweifelsohne eine der schönsten europäischen Städte.

Da uns der Wasahafen zu unruhig ist und auch keinen Internetzugang vorhält, entscheiden wir uns für einen Wechsel in den einen guten Kilometer entfernten und idyllisch gelegenen Clubhafen Stockholm-Navishamnen. Ulrika regelt den für morgen geplanten Wechsel telefonisch von unserem Boot aus und tatsächlich zeigt am Folgetag ein großes Schild unseren Liegeplatz 164 "Reserviert für Aquamarin"  an.

Aquamarin in Stockholm-Navishamnen

Wenn es uns zu heiß wird, geht es direkt von der Badeplattform in "unseren" Privatsee

Freitag, 10. August: Wir treffen uns mit Schulfeund Dietrich Lange und machen einen ausgedehnten Stadtbummel

Im Herzen der Altstadt, dem Stororget-Platz lädt uns Dietrich zum Abendessen ein. Im Mittelalter fanden hier die wichtigen Versammlungen statt. Während der Krönungsfeier von Christian II. von Dänemark zum schwedischen König wurden hier gleichzeitig etwa hundert Personen aus politischen Gründen hingerichtet. Der Platz und die angrenzenden Straßen wurden mit den Köpfen und dem Blut der Hingerichteten förmlich überschwemmt. Das Ereignis ging später als das "Blutbad von Stockholm" in die Geschichtsbücher ein. Unser Essen war da weit weniger dramatisch: Es schmeckte uns ausgezeichnet.

Den späten Abend verbringen wir bei einer weiteren Flasche Wein in einem sehr schönen und bis auf den letzten Platz gefüllten Gartenlokal hoch über den Dächern der Stadt ...

... bevor es dann mit der Fähre zurück zu unserem Boot geht

 

Sonnabend 11. August 2007

Um 09:30 Uhr kommt Dietrich an Bord. Wir frühstücken gerade im Cockpit und genießen den sonnigen und warmen Morgen. Später macht er sich gemeinsam mit Bettina auf den Weg zu Lidl, die Möglichkeit zu einem Großeinkauf mit dem Auto möchten wir nicht ungenutzt vestreichen lassen. Ich bringe in der Zwischenzeit unsere Webseite auf den neuesten Stand. Gegen 12:00 Uhr kommen die beiden schwer bepackt zurück. Leider klappte der Gasflaschen-Tausch nicht. Dies ist nicht nur in Skandinavien ein Problem. Es gibt keine einheitliche Norm. Bleibt nur die Hoffnung, dass uns nicht noch vor der Rückkehr nach Deutschland unser Propanvorrat ausgeht.

Dietrich verabschiedet sich, um an seinem eigenen Motorboot herum zu basteln und wir machen uns per Fahrrad wieder auf den Weg in die Stadt.

Das Nordische Museem ähnelt einem Märchenschloss

Blick von der Djurgardsbrücke auf schwimmende Restaurants und ...

... und auf die Strandvägen, einer Prachtstraße mit wunderschönen Gebäuden der reichsten Stockholmer Familien

Östermalmtorg mit Markt und Saluhall (alte Markthalle)

Innenansicht der Markthalle

Kungsgatan mit den beiden Kungstornen (Königstürmen)

Der Hötorget (Heuplatz), heute ein Innenstadtmarkt

Die Einkaufsstraße Drottningg mit Blickrichtung Reichstag

Der königliche Opernpalast

Der schwedische Reichstag

Die Straßen Österlänggatan und Västerlänggatan in der Gamle Stan (Altsstadt)

Das Königliche Schloss

Blick Richtung Nationalmuseeum und Insel Skeppsholmen

Ein ständiges Kommen und Gehen: Fähren und Kreuzfahrtschiffe

Königsschloss von Skeppsholmen aus gesehen

Vergnügungspark Gröna Lund

Das Vasa Museeum

Hier ist das 68 m lange königliche Flaggschiff Vasa zu besichtigen, die auf ihrer Jungfernfahrt im Jahr 1628 aufgrund von Übergewicht und konstruktiver Fehler gesunken ist. Sie wurde 300 Jahre später gefunden, geborgen und komplett wieder aufgebaut. Die Rekonstruktion dauerte viele Jahre und zusätzlich musste die Galeere mehr als 20 Jahre lang mit einer speziellen Flüssigkeit konserviert werden. Seit 1990 ist sie überbaut und von allen Seiten und auch von Innen zu besichtigen.

Strandvägen

Prachtbau am Strandvägen

Nybroplan

Das dramatische Theater

Abendlicher Spaziergang Navishamn-Valdemarsudde

Die Kanadagänse fressen einem aus der Hand

Blick auf den Danvikskanal, der Zugang zum Mälarensee

Die Villa Prinz Eugens

 

Sonntag 12. August 2007

Bettina schmort nach dem Frühstück schon mal das Gulasch für den Abend vor, als auf einmal mit einer kleinen Verpuffung auch unsere zweite und letzte Propangasflasche ihren Geist aufgibt. Befürchtet hatten wir dies bereits seit einigen Tagen. Ich mache mich gegen Mittag mit dem Fahrrad auf den Weg zum Touristoffice in der Innenstadt und kann dort nach einer längeren Wartezeit mein Gasflaschenproblem, deutsche und schwedische Flaschen sind nicht kompatibel, vorbringen. Ich bekomme einen Firmennamen (OK) und eine Adresse und mache mich auf den Weg Richtung Freihafen. Dort angekommen suche ich über eine Stunde, spreche auch mehrmals Passanten an, alles vergebens. Zurück im Navishamnen suche ich zusammen mit dem Hafenmeister die mir vom Touristoffice genannte Firma und finde sie unter einer gänzlich anderen Adresse. Bei sommerlichen Temperaturen mache ich mich diesmal mit Bettina gemeinsam auf den Weg. Angekommen stellt sich die Firma als Tankstelle heraus, die (natürlich) nur schwedische Gasflaschen vertreibt. Man ist dort zwar sehr hilfsbereit, aber letzten Endes findet sich doch keine Lösung. Die gesamte Gasflaschenaktion hat bisher vier Stunden gedauert! Wir geben erst einmal auf und machen einen Fahrradausflug quer durch die Stadt und suchen sicherheitshalber in den auch am Sonntag geöffneten Innenstadtgeschäften und Kaufhäusern (und dort ist der Bär los!) schon mal nach einem geeigneten Spirituskocher. Später fahren wir noch auf die Insel Skepps-Holmen und sehen von dort aus im Wasahafen eine Reinke 13M liegen. Auf dem Rückweg schauen wir uns dieses unter schweizer Flagge fahrende Schwesterschiff von Aquamarin an und unterhalten uns auch eine Weile mit dem Eigner.

Beim Verlassen des Hafens spreche ich eher beiläufig den Hafenmeister auf unser Gasflaschenproblem an und erhalte die Auskunft, dass er immer einige deutsche Flaschen zum Tausch bereit hält. Ich hole blitzschnell eine meiner leeren Flaschen von Bord und erledige das uns größte Sorgen bereitende Problem durch Tausch und Zahlung von umgerechnet etwa 27 Euro (mein letzter Flaschentausch auf Fehmarn hatte mich 7.- Euro gekostet). Egal, der Tag ist damit doch noch gerettet.

Monntag 13. August 2007

Vormittags bereiten wir unsere für morgen geplante Weiterfahrt vor, baden zwischendurch und besuchen dann den unweit unserer Marina gelegenen Freizeitpark Skansen, von dem aus wir direkt zu meinem früheren Schulkameraden Dietrich Lange nach Danderyt fahren wollen. Skansen ist eine Mischung aus Tierpark und historischen Dörfern und Gebäuden aus den letzten drei Jahrhunderten.

Als wir uns im Skansen eine sich suhlende Vierzentnersau anschauen, konnte Bettina gerade noch sagen, dass sie lieber außer Reichweite sein möchte, wenn diese Sau sich schüttelt und da war es dann auch schon passiert.

Wir kehren deshalb zum Kleiderwechsel nochmals zum Boot zurück, machen dort eine kurze Kaffeepause und erhalten Besuch von einer frechen Nebelkrähe, die sich gern an unserem Kuchen beteiligt hätte, sich dann aber auch mit Brot zufrieden gibt.

 

Gern hätten wir der schlauen Krähe noch einige Kunststücke beigebracht, aber wir müssen weiter nach Danderyt. Dort erwartet uns Dietrich zum Abendessen in seinem Haus.

Es ist unser letzter Abend in Stockholm. Es werden sehr schöne und entspannte Stunden. Herzlichen Dank, Dietrich!

 

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