Stockholm bis Visby/Gotland

Dienstag 14. August 2007

Es ist ein strahlend schöner Tag, als wir uns gegen 11:00 Uhr endgültig und später als gedacht von Stockholm verabschieden. Vorher haben wir nochmals Besuch von unserer Krähe bekommen, die sich bereits am frühen Morgen mit unserem Cockpit und den in den Schwalbennestern versteckten Leckereien bekannt gemacht hatte. Ein selten schlauer Vogel!

Wi wählen den Weg durch die südlichen Stockholmer Schären. Die ursprünglich geplante kürzere Fahrt durch den Mälarensee und den Södertälje-Kanal zur Ostsee, mit zwei Schleusungen und vier Klappbrücken von geringer Höhe, heben wir uns für unsere nächste Reise auf, mir fehlte der Kartensatz für den Mälaren und allein auf den Plotter wollte ich mich doch nicht verlassen.

Enge Fahrwasser im Naturschutzgebiet südlich von Stockholm

Nach knapp sechs Stunden und 33,3 Seemeilen lassen wir um 16:50 Uhr den Anker auf 10,5 m Wassertiefe im Varnisfjärd, 59°02'061N und 018°21'166E, fallen. Das Barometer ist zwar leicht gesunken, es bleibt jedoch sonnig und warm. Wir erleben einen schönen Abend im Cockpit und eine sehr ruhige Nacht.

Mittwoch 15. August 2007

Der Tag beginnt wieder strahlend. Wir stehen um 8:30 Uhr auf und holen direkt nach dem Frühstück, um 10:00 Uhr, den Anker auf. Das Großsegel haben wir noch auf dem Ankerplatz aufgezogen und starten damit segelnd, erst einmal vor dem Wind. Die Wettervorhersage vom Vortag lautete vormittags SE 3 mit Böen 60km/h, später süddrehend und zunehmend. Deshalb unsere Eile. Als wir unsere geschützte Ankerbucht verlassen, müssen wir mit 45° zum Wind segeln. Bei 4 Windstärken mit starken Böen ziehen wir nachträglich zwei Reffs ins Groß ein und reffen auch die Fock leicht. Mit den so verkleinerten Segeln schaffen wir die ersten 17 Seemeilen in genau zweieinhalb Stunden.

Da der Wind zunehmend auf Süd dreht und wir auch unmittelbar vor sehr engen Schärenpassagen stehen, motoren wir ab Nynäshamn

Einen solch engen Schärenweg, wie wir ihn hier im Naturreservat südlich Nynäshamn durchfahren, haben wir in unserem Seglerleben noch nicht erlebt

Und noch ein Blick zurück

Um 14:45 Uhr erreichen wir nach 28,2 Seemeilen unser Tagesziel, den kleinen Fischerhafen Ankarudden, 58°48'021N, 017°49'940E. Wir lassen etwa 1,5 Kabellängen W-lich des Hafens auf 3,4 Meter Wassertiefe unseren Anker fallen. Das Barometer ist seit gestern um 10hP auf 1002,9hP gefallen. Da der Wind immer stärker auffrischt und bereits laut in den Wanten heult, stecke ich 35 Meter Kette. Der Himmel bezieht sich, es wird ungemütlich.

Donnerstag 16. August 2007

Die Nacht über hat es geregnet, der Wind sich erst etwas beruhigt, gegen morgen dann aber wieder zugenommen. In dem gut geschützten Naturhafen Ankarudden haben wir die Nacht jedoch gut und sicher verbracht.

Der Wetterbericht sagt böige südliche Winde der Stärke 6-7 Bft voraus. Wir haben vorsorglich wieder zwei Reffs im Groß vorgesehen, als wir um 11:00 Uhr Ankarudden verlassen. Draußen erwartet uns mit dem angekündigten Wind eine gut zwei Meter hohe Welle. Mit ebenfalls gereffter Fock und mit 15-20° Schräglage segeln wir die ersten 16 Seemeilen bei einem Kurs um 250° nie unter sieben Knoten! Dann verlassen wir das offene Seestück und tauchen wieder in die Schärenwelt ein. Schlagartig verringert sich die Wellenhöhe, während der Wind unter einer großen schwarzen Wolke noch böiger wird. Wir müssen ständig den Kurs ändern und holen deshalb die Segel ein. Als wir uns unserem Tagesziel Oxelösund nähern, kommt die Sonne wieder zum vorschein. Um 15:22 Uhr machen wir dort nach knapp 30 Seemeilen im Hafen Badhusviken an einer Heckboie fest.

Oxelösund: So nett wurden wir nicht immer begrüßt

Besuch eines Freiluftkonzerts im Stadtpark

Oxelösund besitzt einen großen Industriehafen und zwei große Sportboothäfen in einer schöner Umgebung

Ein Hackepeter mit Heckplattform als Nachbarboot

Da der Wind am Freitag, 17. August, immer noch in Böen mit 6-7 Bft weht, bleiben wir noch einen weiteren Tag in Oxelösund, genießen das ansonsten schöne Wetter und planen unsere nächsten Tage. Am Sonnabend wollen wir uns dann 30 Seemeilen weiter nach Süden bewegen, innerhalb der Schären eine Nacht ankern und dann voraussichtlich am Sonntag die 60 Seemeilen nach Visby auf Gotland in Angriff nehmen.

Sonnabend 18. August 2007

Bei schönstem Wetter können wir heute wieder einmal im Cockpit frühstücken. Dann schieben sich allerdings Wolken vor die Sonne und als wir um 11:20 Uhr in Oxelösund ablegen, ist der Himmel bedeckt und der Wind weht mit fünf Bft. böig aus südlichen Richtungen. Gerefft und hoch am Wind segelnd können wir unseren Kurs auf dem Fairway nicht halten, holen deshalb die Fock wieder ein und gehen erst einmal unter Motor gegenan. Links und rechts von uns zeigen brechende Wellen die dicht unter der Wasseroberfläche lauernden Felsen an. Letzten Endes können wir dann doch noch etwa 50% unserer Tagesstrecke von 30,5 Seemeilen segeln. In der letzten Stunde kommt dann auch wieder die Sonne hervor und als wir unseren Anker in einer Bucht der Insel Harstena auf 58°16,244N und 017°01,912E fallen lassen, ist unsere Welt, jedenfalls was das Wetter angeht, wieder vollkommen in Ordnung.

Unser Ankerplatz liegt innerhalb eines Naturreservats in einer ursprünglichen und fast unberührten Landschaft

 

Sonntag 19. August 2007

Wir verbringen eine ruhige Nacht, stehen um kurz nach 08:00 Uhr auf, baden (17° Celsius), frühstücken und verlassen dann um 9:40 Uhr unsere paradiesische Ankerbucht. Die Sonne lacht, der Wind weht mit 4-5 Bft aus Süd und bald sind die Segel gesetzt. Eine hohe und brechende Welle bremst Aquamarin hoch am Wind stark aus und nach einer guten Stunde wechseln wir die Genua gegen die Fock und ziehen ein Reff ins Groß. Danach wird die Schräglage erträglicher und wir bewegen uns mit 5-5,5 kn und 133° in Richtung Visby. Die Einstellungen werden anschließend nicht ein einziges Mal mehr geändert und nach zehneinhalb Stunden und 58,5 Seemeilen machen wir im Gästehafen von Visby fest.

 

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