Kristianopel bis Karlskrona

Sonnabend, 01. September 2007

Um 09:25 Uhr sind wir in Kalmar zu unserem heutigen Tagesziel Kristianopel gestartet. Nachdem wir das Fahrwasser des Kalmarsunds erreicht haben, setzen wir das Groß und unsere 76 m²-Genua und gleiten bei leichten achterlichen Winden mit 4 bis 4,5 Knoten Fahrt nach Süden. Nach einer halben Stunden und knapp zwei gesegelten Seemeilen hat sich unsere Geschwindigkeit bei nachlassendem Wind auf lediglich noch 2-2,5 Knoten verringert, wir werfen den Motor an und überholen eine weitere halbe Stunde später unsere dänischen Segelfreunde Petrea und Gerhard mit ihrer Segelyacht Pernille, die früher als wir gestartet waren und zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Geduld verloren hatten. Wir photographieren unsere Boote gegenseitig und verlieren uns dann erst einmal aus den Augen.

Die dänische 36 Fuß-Yacht Pernille ...

... und unsere Aquamarin

Nach 27,3 Seemeilen machen wir als erste Gastyacht des Tages um 13:45 Uhr im niedlichen Hafen von Kristianopel fest. Bis zum Abend kommen dann noch weitere sechs Segelyachten, darunter auch Pernille. Während der schwedischen Sommerferien hätte es hier Kämpfe um einen Liegeplatz gegeben, jetzt ist der Hafen fast leer, eben Nachsaison!

Wir setzen uns sofort nach unserer Ankunft mit unseren Fahrrädern in Bewegung, um die Gegend zu erkunden. Nach fünf Minuten endet unser Fahrradausflug jedoch, meine Kette rutscht permanent vom Zahnkranz. Zurück am Boot, finde ich die Ursache: Ein Kettenglied ist gebrochen. Ersatz nicht vorhanden. Als Bettina wenig später im Hafenmeisterbüro von unserem Pech erzählt, bietet ihr ein seit 1974 in Schweden lebender Berliner seine Hilfe an. Er nimmt die Kette, fährt zu einer 10 km entfernten Fahrradwerkstatt, läßt dort das defekte Glied heraustrennen und kommt nach einer halben Stunde mit Kette und neuem Kettenschloss zurück. Für seine Hilfe möchte er nichts bekommen, wir sollen dafür in der Göttinger Fußgängerzone einem armen Menschen zwei Euro geben. Wird gemacht und vielen Dank auch auf diesem Wege.

Sonntag, 02. September 2007

Heute pfeift der Wind mit 14 m/s aus Südwest. Nicht unbedingt ein Segeltag. Jedenfalls dann nicht, wenn man nach Südwest will. Wir bleiben im Hafen. Bettina veranstaltet einen Waschtag und später besichtigen wir die Kirche, die nicht nur als Ansteuerungshilfe für Segler dient, sondern auch einen Besuch lohnt. Drinnen kann man durch Knopfdruck einen etwa 10-minütigen Vortrag über die Geschichte dieser Kirche in deutscher Sprache aufrufen. Vor dem Altar steht ein Schwede in stiller Andacht versunken. Bettina drückt den Knopf ... und im nächsten Moment ist hier Andacht nicht mehr möglich: Der Vortrag beschallt über Lautsprecher die gesamte Kirche, wahrscheinlich ist er noch im Nachbarort zu hören gewesen. Ich tue deshalb so, als kenne ich Bettina überhaupt nicht, als der schwedische Kirchänger eilig die Kirche verläßt.

Abends kommen unsere Segelfreunde aus Dänemark in unser Bierzelt (Kuchenbude auf dänisch). Mit Petroleumlampe und kurzzeitiger Nachhilfe durch unseren Heizlüfter wird es einmal mehr ein richtig gemütlicher Abend.

Montag, 03. September 2007

Um 09:55 Uhr sind wir startklar. Im Hafen von Kristianopel herrscht allgemeines Aufbruchfieber. Der Wetterbericht sagt Wind aus West mit 10 bis 14 m/s voraus. Wir reffen das Groß und drehen auch von der Fock ein wenig ein. Mit Kurs 200° am Wind und einem Kreuzschlag legen wir bis 12:30 Uhr 13,5 Seemeilen zurück. Dann nehmen wir mit Motorunterstützung, etwa auf der Höhe von Sandham, direkt und gegen den den Wind Kurs auf eine sehr enge Passage zwischen den Inseln Ungskär und Utlängan, für die ich zwei Meter Mindestwassertiefe aus meinen Karten entnommen habe. Den direkten Weg nach Karlskrona, der etwa fünf Seemeilen sparen würde, können wir nicht nehmen, da eine 18 Meter hohe Brücke im Wege steht und Aquamarin 18,60 Meter plus Antenne misst. Der in diesem Fall übliche Weg führt südlich um Utlängan herum, was gegenüber dem unüblichen und von mir gewählten Schleichweg zu weiteren fünf Seemeilen Weg führen würde. Die Passage wird abenteuerlich. Zwischen den Inseln trifft uns voll und ungeschützt der Westwind aus der Hanöbucht (der Ostsee-Biskaya) mit 14m/s, entsprechend Windstärke 6-7 Bft, es steht eine mehr als zwei Meter hohe Welle, überall um uns herum brechen Seen, es gibt sichtbare Felsen und Untiefen ohne Ende. Wir mogeln uns mit Hilfe unseres Plotters durch. Als der Tiefenmesser nur noch 1,5 Meter anzeigt (Aquamarin hat 1,40 Meter Tiefgang) wird uns mehr als mulmig.

Wir kommen ohne Grundberührung davon und kämpfen uns gegen die ruppige See langsam und immer wieder sehr hart einsetzend voran. Zwei Seemeilen nach der Passage setzten wir wieder Segel und nehmen durch einen unausgetonnten Schärenweg mit 310° Kurs auf Karlskrona. Bevor wir das offizielle Fahrwasser erreichen, segeln wir zwischen Unterwasserhindernissen hindurch, die links und rechts von uns in jeweils weniger als 100 Meter Abstand die Wellen mit donnerndem Getöse brechen lassen. Unsere Anspannung ist entsprechend groß und die Erleichterung fast hörbar, als wir uns endlich im offiziellen Fahrwasser befinden. Ohne Plotter wäre ich diese Risiko nicht eingegangen! Um 15:40 Uhr steuern wir wieder zwischen größeren Inseln, der Wellengang nimmt deutlich ab, auch der böige Wind wird etwas ausgebremst. Wir haben es geschafft!

Festungsinsel vor Karlskrona

Karlskrona in Sicht

Als wir um 16:15 Uhr nach 36 sm unmittelbar vor dem Hafen das Groß fallen lassen wollen, erleben wir nochmals einen spannenden Augenblick. Der Rutscher des Kopfbretts klemmt, das Segel kommt uns ein oder zwei Meter entgegen und dann rührt sich nichts mehr. Wir sind gezwungen, mit dem Großsegeln anzulegen, was jedoch gegen den Wind und bei leerem Kai kein Problem wird. Unmittelbar nach dem Anlegemanöver enter ich auf meinen neuen Maststufen in den Mast und bekomme den beschädigten Rutscher frei. Petrea hat mir dazu die nachfolgen Fotos zur Verfügung gestellt.

Ende gut, alles gut. Aquamarin im Hafen von Karlskrona

Dienstag, 04. September 2007

Wir bleiben heute noch in Karlskrona, machen einen Großeinkauf bei Lidl, besichtigen die sehr interessante, auf 33 Inseln gelegene Stadt. Sie gilt als marinehistorisches Weltkulturerbe und wird auch "Klein Stockholm" genannt. Nachmittags gehen wir ins Marine-Museum (großartig) telefonieren mit meinem Bruder Peter, der heute 70 wird und mit unserem Sohn Robert. Das Gespräch ändert unsere Planungen, wir müssen nach Göttingen zurück. Telefonisch besprechen wir die neue Situation mit Hartmut Brückner. Er wird unser Auto am 14.9. nach Fehmarn bringen.

Anschließend werden von mir noch Reparaturen an unserem Druckwassersystem vorgenommen und diverse Kunststoffgleiter an den Großsegelrutschern ausgetauscht. So kriegt man jeden Tag schnell herum.

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