Von Gotland nach Öland

Donnerstag 23. August 2007

Heute wollen wir die knapp 50 Seemeilen nach Byxelkrok auf der Insel Öland in Angriff nehmen. Die Insel Gotland und ihre Hauptstadt Visby haben uns gut gefallen und wir werden gern wiederkommen. Um genau 10:00 Uhr legen wir ab, setzen noch im Vorhafen die Segel und ... kommen wegen des kaum spürbaren Windes aus NE nur extrem langsam voran. Die Sonne scheint hinter einem Schleier und nach einer halben Stunde (Motor) umgibt uns Seenebel mit einer Sichtweite von ziemlich genau 0,5 Seemeilen. Wir verfolgen auf dem Radarschirm und dem Plotter die Bewegungen  anderer und insbesondere größerer Schiffe und sind dann nicht überrascht, wenn genau vor uns plötzlich ein Frachter aus der Nebelwand auftaucht, den wir schon lange "auf dem Schirm" hatten. Zwischenzeitlich versuchen wir es nochmals mit segeln, geben aber bei einem achterlichen Wind von (scheinbar) 1-2 Knoten nach 2,5 Seemeilen schnell wieder auf. Als wir um 16:30 Uhr die Nordspitze Ölands erreichen, verdichtet sich der Nebel und die Sichtweite beträgt nicht wesentlich über eine Bootslänge.

Unsere diesjährigen Neuinvestitionen Plotter und Radar bekommen ihre Bewährungsprobe. Absolut problemlos navigieren wir im Blindflug die letzten 3,5 Seemeilen durch die Nebelküche bis in den Hafen von Byxelkrok, wo sich dann der Nebel etwas lichtet. Dort werden unsere Leinen von einem hilfsbereiten Dänen übernommen. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er gebürtiger Deutscher ist und der Liebe wegen seit über 40 Jahre in Dänemark lebt. Als seine Frau hinzukommt, laden wir beide für den Abend auf unser Boot ein.

Aquamarin im Hafen von Byxelkrok

Wenig später kommen wir mit einer deutschen Familie aus Bremen ins Gespräch, die mit ihren beiden Töchtern Urlaub in Schweden machen und heute vom Festland kommend einen Ausflug nach Öland unternommen haben. Die jüngere Tochter, Lotta, träumt seit längerem von einer beruflichen Karriere als Kapitänin. Da zur Zeit gar nicht so viele Nautiker ausgebildet werden können, wie der Markt benötigt, wäre dies sicherlich keine schlechte Berufswahl. Da Lotta an allem, was mit Booten zu tun hat, sehr interessiert ist, war es keine Frage, dass sie sich unser Boot ansehen kann. Während der Führung kommt dann noch ihr Vater hinzu und wenig später, auf der Suche nach den beiden, auch noch die ältere Schwester Ida. Der Besuch der beiden außerordentlich netten jungen Damen macht uns viel Spaß, gern hätten wir sie noch zu einer kleinen Bootspartie eingeladen.

Die netten jungen Damen Ida und Lotta aus Bremen, die wir herzlich grüßen

Abends kommen dann Petrea und Gerhard Jürgensen zu uns an Bord. Das dänische Segler-Ehepaar hat mit ihrer SY Pernille bereits viele aufregende Segeltouren auf der Nord- und Ostsee (bis Haparanda) erlebt. Wir haben uns bis nach Mitternacht viel zu erzählen. Petrea geht sehr professionel mit ihrem Laptop und dem Internet um, was mir natürlich sehr imponiert. Es ist ein sehr vergnüglicher gemeinsamer Abend. Schön, dass wir die beiden noch vor unserem Törnende kennengelernt haben.

Bettina, Petrea und Gerhard bei uns an Bord

Freitag, 24. August 2007

Der Nebel hat sich gelichtet, die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel. Wir möchten noch ein bis zwei Tage in Byxelkrok an der nördlichen Spitze Ölands bleiben. Es gefällt uns hier, der kombinierte Fähr-, Fischer- und Gasthafen hat Charme. Der Ort ist Touristenzentrum mit vielen Hotels und Restaurants, allerdings merkt man auch hier, dass die Saison bereits vorbei ist.

Seit einigen Tagen haben wir Wasser in der Bilge, dessen Herkunft uns nicht klar ist. Nach dem Frühstück will ich den Dingen auf den Grund gehen, suche die Ursache und räume dabei den halben Salon aus. Alle Möglichkeiten werden erwogen und nach mehr als zwei Stunden schweißtreibender Arbeit glaube ich, die Herkunft geklärt zu haben. Ein Schlauch am Einfüllstutzen des Backbord-Wassertanks ist undicht. Bei vollem Tank und zusätzlich Schräglage, sucht sich das Wasser seinen Wegaus dem Tank direkt in die Bilge. Ich bin zufrieden mit diesem Ergebnis.

Am Nachmittag sitzen wir gemeinsam mit Petrea und Gerhard Jürgensen im Cockpit ihrer SY Pernille beim Kaffee. Auch jetzt vergeht die Zeit bei anregenden Gesprächen wie im Fluge.

Sonnabend, 25. August 2007

Um 04:00 Uhr, am frühen Morgen, weckt mich zunehmender Wind. Der Windmesser zeigt bereits 13m/s aus Süd bis Südwest an, das sind 6 Windstärken, die sich auch akustisch bemerkbar machen. Ich stehe gewohnheitsmäßig auf, kontrolliere die Festmacherleinen und stecke auf der Luvseite vorn und achtern jeweils noch eine Hilfsleine. Sicher ist sicher! Ich schaue dann noch im Internet nach, was uns unter Umständen noch erwartet, lese eine "near gale-Warnung" und lege mich dann wieder aufs Ohr. Um kurz nach 05:00 Uhr lassen kurz hintereinander kleinere Erschütterungen das Boot erzittern und mich und kurz darauf Bettina senkrecht in unseren Betten stehen. Der Wind hat nochmals etwas zugelegt und unsere achterliche Festmacherboje kann unser schweres Boot nicht halten. Wir setzen mit dem Vorsteven auf den Betonschwimmsteg auf. Außerdem liegt Aquamarin schräg zum Steg und gefährlich nahe an einem Nachbarboot. Jetzt geht alles schnell: Ich starte die Maschine und lege den Rückwärtsgang ein, Bettina löst die von mir vor einer Stunde gesteckte Hilfsvorleine sowie den vorderen Leefestmacher, ich löse die achterliche Hilfsleine und ziehe eine Leine auf Slip durch die Öse der Boje und entferne dann den Patenthaken, der uns bisher am Heck gehalten gehalten hat. Inzwischen kam uns auch ein schwedischer Bootsnachbar zu Hilfe, der bei seinem eigenen Schiff die Leinen kontrolliert hatte. Er hielt unser Boot vom Steg ab und, weit wichtiger, entfernte unser Landstromkabel aus dem Schaltkasten. Das hätten wir in der Eile beinahe vergessen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können. 

Wir lösen dann gleichzeitig die noch verbliebene Vor- und die Achterleine, ich gebe Vollgas rückwärts und wir befreien uns aus der misslichen und durchaus auch bedrohlichen Lage. Alles weitere ist Routine. Bettina macht auf der Steuerbordseite eine neue Achterleine klar, bringt Fender aus und kurze Zeit später legen wir seitlich an der westlichen Hafenkaimauer an. Danach sind wir hellwach und früstücken ausgiebig, bevor uns der entgangene Schlaf doch noch einmal in die Federn treibt.

Um 10:00 Uhr stehen wir dann nochmals auf, erledigen dies und das, schnacken noch mit den Nachbarn, telefonieren mit Göttingen und gehen dann einkaufen. Nach dem Mittagessen (für uns eher ungewöhnlich) beginnen wir eine 35 km lange Radtour zur Nordspitze Ölands und an die Ostküste, von der wir erst um 19:00 Uhr zurückkommen.

Blick vom 32 Meter hohen Leuchtturm Ölands Norra Udde

Nach kurzer Unterbrechung lacht uns auch hier die Sonne wieder an

Einkehr und Pause in einem romantischen Gartencaffee

Unsere Selbstauslöserversuche machen immer wieder Spaß

Auf der Ostseite Ölands

Nach der Fahrt ist vor der Fahrt, notwendige Reparaturen werden sofort erledigt
(Bettina wurde von mir die letzten 10 km wegen eines Kettendefekts geschoben)

 

 

 

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