Von Byxelkrok nach Borgholm

Sonntag, 26. bis Mittwoch 29. August 2007

Nach freundlichem Beginn bringt uns der Sonntag neben kräftigem Wind aus West in einer Stärke von 12-13 m/s erst einmal reichlich Regen. Trotzdem verlassen nach und nach mehrere Segelyachten Byxelkrok mit Kurs Süd. Als sich gegen 11:00 Uhr auch noch Petrea und Gerhard Jürgensen mit denen wir uns in hier angefreundet haben verabschieden, um mit ihrer SY Pernille in das 50 Seemeilen entfernte auf dem schwedische Festland gelegene Kalmar aufzubrechen, bleiben wir mit einer einzigen weiteren Segelyacht an der Nordspitze Ölands zurück. Als sich kurz vor 12.00 Uhr die Sonne wieder hervor wagt, packt auch uns -entgegen unserer Planung- das Reisefieber. Wir bereiten in Ruhe das Schiff vor und setzen abschließend bereits auf unserem Liegeplatz das Großsegel, vorsichtshalber mit zwei Reffs. Um 13:10 Uhr verlassen wir dann ebenfalls den jetzt fast vollständig leeren Hafen Byxelkrok. Unser Tagesziel ist Borgholm, die größte Stadt und gleichzeitig Touristenzentrum Ölands, etwa 33 Seemeilen entfernt.

Draußen segeln wir die ersten Stunden bei Sonnenschein und westlichem Wind der Stärke 10-13 m/s mit leichter Schrägläge und Kurs 203° unserem Ziel entgegen. Dann schläft der Wind ein, wir reffen aus und setzen die Genua um sie nach knapp 10 Minuten bei erneut anziehendem Wind wieder gegen die Fock zu tauschen. Außer Spesen, nichts gewesen. Das Groß verkleinern wir nach weiteren 30 Minuten ebenfalls wieder. Am Himmel ziehen Wolken auf und im Westen verdunkelt er sich sogar mit einer Gewitterfront sehr bedrohlich. Wir hoffen, dass uns das Gewitter verschont. Der Wind schläft auf einmal ein und dreht auf Süd, wir überlegen noch, was wir mit den Segeln machen, als uns ohne jede Vorwarnung ein Böe wie mit einem Hammerschlag trifft. Ich sehe kurz 25 m/s, entsprechend 9 Bft, auf dem Windmesser, habe dann jedoch besseres zu tun, als den Windmesser zu beobachten. Das Boot legt sich extrem auf die Seite, die Baumnock schleift durchs Wasser, die Schoten schlagen wie peitschend durch die Gegend. Aquamarin richtet sich dann anluvend wieder auf, ich ändere den Kurs von 200° auf 280° und starte den Motor. Es bedarf großer Anstrengungen, die Fock aufzurollen. Danach normalisiert sich die Lage schnell und wenig später haben wir wieder normale Windverhältnisse.

Borgholm erreichen wir um 18:10 Uhr, legen problemlos an und treffen dort alle Segler wieder, mit denen wir die letzten Tage in Byxelkrok verbracht haben. Jeden hat diese aus dem Nichts kommende Böe getroffen und die meisten dann auch bewogen auf die letzten 16 Seemeilen bis Kalmar zu verzichten. Auch Petrea und Gerhard Jürgensen haben mit zerrissenem Vorsegel Kurs auf Borgholm genommen. Von Petrea habe ich die nachfolgenden Fotos, die von ihr unmittelbar vor der Böe gemacht wurden.

Blicke nach achtern ...

... und ein Blick voraus

Ansteuerung Borgholms

Sonnenuntergang in Borgholm, als wäre nichts gewesen

Den Abend verbringen wir gemeinsam mit Petrea und Gerhard auf ihrer SY Pernille.

Montag, 27. August 2007

Der Wind pendelt immer noch um 13 m/s, in Böen deutlich darüber. Wir bleiben noch in Borgholm, klönen mit Petrea, Gerhard und anderen deutschen Seglern, gehen einkaufen, treffen uns zum Kaffee dann wieder auf unserem Boot, lesen und irgendwie ist der Tag auch schon wieder vorbei. Nachts frischt der Wind stürmisch auf.

 

Dienstag, 28. August 2007

Der Wind bläst unverändert stark aus West. Da wir nicht unter Zeitdruck stehen, machen wir uns mit unseren Fahrrädern auf zur Schloßruine Borgholm und zum benachbarten Schloß Solliden, dem Sommerschloß der schwedischen Königsfamilie.

Das Borgholmer Schloss ist aus einem Wehrturm des 12. Jahrhunderts entstanden und wurde mit seiner strategischen Bedeutung in den Kriegen der Schweden gegen die Dänen ständig erweitert. Aus der ursprünglichen Burg entwickelte sich in der Renaissance ein wehrhaftes Schloss mit mehreren Flügeln. Im 17. Jahrhundert wurde das Schloss zu einer bedeutenden Barockanlage umgebaut. Die bis dahin zum Teil solitär stehenden Gebäudeteile wurden zu vier großen Flügeln ausgeweitet und unter ein gemeinsames mächtiges Dach gestellt, die Ecktürme mit kuppelartigen Hauben bedeckt. Diese Erweiterungen wurden jedoch nicht vollständig abgeschlossen, der Ost- und der Südflügel wurden zwar überdacht, aber nicht ausgebaut. Der Wehrturm wurde im Laufe der Umbauarbeiten abgetragen, im Inneren des Schlosshofs ist sein Grundriss in den Boden eingelassen. Seit Anfang des18. Jahrhunderts verlor das Schloss an Bedeutung. Die Grenze zu Dänemark, die ehemals durchs südliche Schweden verlief, war an die Südküste der skandinavischen Halbinsel verlagert und die Festung hatte keinen strategischen Nutzen mehr. Zudem entstanden um und in Stockholm neue, modernere Schlösser und die alte Borgholmer Burg verlor für das Königshaus an Reiz. Das Schloss verfiel, nachdem nur noch eine Wachmannschaft die Gebäude bevölkerte. Der letzte Gottesdienst in der Schlosskapelle wurde 1772 abgehalten. In die unbenutzten Säle zog 1803 ein Kleiderfabrikant mit seinem Unternehmen ein. Im Oktober 1806 brach ein Brand aus und zerstörte das Schloß vollständig, nur die mächtigen Mauern überstanden das Feuer.

Die Ruine ist bis heute erhalten und für Besucher auf verschiedenen Ebenen zugänglich. Im Inneren des Schlosses erkennt man noch heute die Lage der ehemaligen Festsäle, der früheren Zimmerfluchten und auch das mächtige Treppenhaus ist erhalten und benutzbar. In den Überresten des Schlosses ist ein Museum untergebracht, welches der Geschichte des Gebäudes gewidmet ist. Im Innenhof werden zudem Konzerte, Theateraufführungen und ähnliche Veranstaltungen abgehalten, so hat die schwedische Popgruppe Roxette hier eines ihrer Musikvideos gedreht.

Luftaufnahme der Schloßruine ...

... und Modell des Schlosses von 1806

 

Blick von der Schloßruine auf den Hafen Borgholm

Ganz in der Nähe der Ruine liegen die bedeutenden Gartenanlagen von Schloß Solliden. Diese nach italienischen Vorbildern gestaltete Villa wurde 1906 auf Veranlassung Königin Victorias errichtet. Das Gebäude dient heute als Sommersitz der schwedischen Königsfamilie, die Gärten sind jedoch für Besucher zugänglich. Der üppige Park mit seinen Wasserspielen bietet einen reizvollen Kontrast zu der benachbarten, von der öländischen Steppe umgebenen Ruine.

Das märchenhafte Spielhaus

Mittwoch, 29. August 2007

Wir starten nach Kalmar!

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