Ausflug ins Kurische Haff, nach Nida (Litauen)

07. Juni 2007

Heute geht es für mindestens zwei Tage nach Nida (früher das deutsche Nidden) auf die Kurische Nehrung, bereits in Preußen eines der beliebtesten Seebäder (Thomas Mann hatte dort z.B. sein Sommerdomiziel).

Wir starten gemeinsam mit einer uns bereits seit Leba/Polen bekannten Yacht um 9:50 Uhr, es ist eine durchweg ausgetonnte Strecke, das Haff ist streckenweise unter 2 Meter tief. Für Aquamarin, mit 1,40 m Tiefgang kein Problem. Um kurz nach 14:00 Uhr legt Bettina nach insgesamt 27,5 gemotorten Seemeilen in Nidden bravourös an (Mooring). Ein englisch sprechender äußerst netter und zuvorkommender Hafenmeister begrüßt uns herzlich! Es geht also doch! Unmittelbar nach dem Anlegemanöver sitzen wir (es ist unmenschlich heiß) bereits in der Hafenbar und genießen den Blick auf die Marina und die benachbarte große Sanddüne.

Ich habe eine sehr persönliche Beziehung zu Nida: Als ich 1967 meine ersten Leichtathletik-Länderkämpfe absolvierte, und ab und zu in der überegionalen Presse namentlich erwähnt wurde, schrieb mich ein Rechtsanwalt und Notar Dr. Hans-Joachim Perk aus Bad Homburg an, er hätte von mir in der Zeitung gelesen und (damals gab es noch kein Internet) meine Anschrift von einem befreundeten Oberpostdirektor erhalten. Er hat immer gern verwandschaftliche Beziehungen gepflegt, stammt väterlicherseits aus Nidden, seinem Vater gehörte dort ein großes Gut, seinem Onkel ebenfalls usw. und ob ich eventuell auch aus dieser Linie stammen würde. Zu meinem großen Bedauern konnte ich meine Vorfahren nur über zwei Generationen in Berlin nachvollziehen und denen gehörte (leider) maximal ein Kleingarten. Gern hätte ich neue verwandtschaftliche Beziehungen genüpft, aber nach meiner ernüchternden Mitteilung war Herr Doktor wohl nicht mehr an einer Vertiefung eventueller verwandschaftlicher Beziehungen zu einer solch verarmten Seitenlinie interressiert. Das war ein großer Fehler, Herr Doktor Hans-Joachim Perk, sagt Bettina.

Hier haben wir einige erste Fotos vom heutigen Tag eingestellt. Wir geht es erst einmal an den Ostseestrand!

Unsere Reisebekanntschaft Giesela und Wolfgang Kroog mit Vrijheyd ebenfalls auf dem Weg nach Nida

Kleine Klettertour in den Mast. Die neuen Stufen bewähren sich!

Das Haff ist platt wie ein Laken, segeln nicht möglich.

Riesige Dünenlandschaften aus dem Mast fotografiert

Nach 25 sm: Nida in Sicht

Die erste Kneipe ist unsere

Noch am selben Nachmittag ist Anbaden in der 14° Celsius kalten Ostsee angesagt

Bettina versucht sich zusätzlich im warmen Haff und hat Pech: Sie reißt sich an alten Wellenbrechern das linke Schienbein auf. Ein Blutspur begleitet sie bis aufs Boot.

Beim Abendessen ist dann alles wieder gut!

 

08. Juni 2007

"Die Kurische Nehrung muss man gesehen haben, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll."

Wilhelm von Humboldt, im Oktober 1809

Dieser Aussage können wir uneingeschränkt zustimmen. Und auch der Ort Nida ist ein wahres Kleinod.

Es ist auch heute wieder sehr heiß, der Himmel strahlend (baltisch) blau. Der Wetterbericht sagt uns eine weitere schöne Woche voraus. Wir gammeln ein wenig herum und machen uns dann per Fahrrad auf den Weg zur ca. 1,5 km entfernten großen Düne, die immer noch pro Jahr um etwa 10 Meter wandert. 14 Dörfer sind auf der Kurischen Nehrung in den letzten drei Jahrhunderten -nachdem in der russischen Besatzungszeit Mitte des 17. Jahrhunderts die Wälder kahlgeschlagen wurden- von Sanddünen verschlungen worden. Wir sind sehr beeindruckt. Anschließend fahren wir auf gut ausgebauten Radfahrwegen Richtung Norden und erleben Natur pur, sowohl direkt am Haff, als auch den herrlichen Wälder des Weltkulturerbes Nationalpark Kurische Nehrung. Ein kleiner Zwischenfall drückt zeitweise ein wenig die Stimmung: Bettina stürzt auf einem Schotterstück und schlägt sich die Beine auf. Nach meinem schweren Sturz in Kolberg (mit Maximalgeschindigkeit in eine Straßenbahnschiene geraten) unser zweite Fahrradunfall; wir müssen besser aufpassen. Am Ende haben wir weiter fast 40 km auf dem Tacho.

Nachmittags tauche ich Aquamarin ab und kann zum Glück keine Schäden an Rumpf, Welle und Schraube finden. Allerdings ist die Sicht im 22,5° Celsius warmen Haffwasser fast Null. Ich war deshalb mehr auf meine "feinfühlig tastenden Hände" angewiesen. Bin nach dem Zwischenfall bei der Anreise nach Klaipeda erst einmal beruhigt.

Gern würden wir in Nida noch einige weitere Tage verbringen, aber unser Zeitlimit für die Weiterreise nach St. Petersburg müssen wir einhalten, da auch Starkwindtage von uns einzuplanen sind. Deshalb heißt es morgen (leider) leinen los und erst einmal zurück nach Klaipeda. Dort kann dann am Sonntag aus Litauen ausklariert und unser nächstes Ziel Lettland angesteuert werden.

Nida und Hafen

Lieber 'ne große Düne, als 'ne kleine Dicke

Auf dem Weg

Überbleibsel einer zurückliegenden Zeit, am Rande des Haffs

Keinen Perk auf diesem alten Waldfriedhof gefunden

Das schönste im Leben sind die Pausen

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