Auf dem Weg von Tallinn nach St. Petersburg

23. Juni 2007

Wir stehen um 07:00 Uhr auf und bereiten unser Auslaufen aus dem Yachtafen Tallinn vor. Wir werden in wenigen Minuten ausklarieren und anschließend nochmals Diesel tanken. Gestern haben wir uns am späten Abend noch verproviantiert und dann zum Start entschieden. Wir wählen für das etwa 220 sm lange letzte Teilstück den Weg über Finnland. Das Barometer ist gefallen, die Sonne strahlt jedoch unverändert von einem wolkenlos blauen Himmel. Wir haben im Hafen einen leichten Ostwind, der DWD hat Ost bis Nordost 5 Bft langsam abflauend vorausgesagt. Uns erwartet ein schöner Segeltag.

Um 10:10 Uhr sind wir auf der Ostsee und legen für die ersten ca. 8 sm einen Kurs von 340°, parallel zur Küstenlinie und außerhalb der Schifffahrtsrouten an. Mit allem was wir haben machen wir eine Fahrt von um die 7,5 kn über Grund, liegen aber recht stark "auf der Backe". Unser ursprüngliches Ziel, mit Kurs 50-60° etliche Seemeilen Ost zu gewinnen, müssen wir uns wohl abschminken. Mehr als 10° und das bereits hart am Wind sind nicht möglich. Damit kommt allenfalls noch Helsinki infrage. Da der Wind auch immer stärker auffrischt, bei der Hitze an Land vermutlich eine überlagerte Thermik, reffen wir das Groß und wechseln von der Genua zur Fock. Wegen etlicher Verkehrstrennungsgebiete ist dann auch ein längerer Kreuzschlag notwendig. Leicht zurückdrehender Wind um die 18 kn aus ENE ermöglicht uns später, einen Kurs von 22° und damit genau den Leuchtturm Helsinki anzulegen. Dort beginnt dann auch der Zwangsweg für Sportschiffe, der direkt zum Einklarierungshafen vor Helsinki führt. Das Schiffsaufkommen erfordert immer wieder unsere Aufmerksamkeit. Insbesondere die 35 kn schnellen Fähren, die aus allen Richtungen an uns vorbeischießen, müssen wir im Auge behalten. Unser AIS-System warnt häufig vor bevorstehenden Kollisionen. Mindestens einmal sind wir nicht sicher, ob man uns auf der Brücke eines quer laufenden Schiffes überhaupt gesehen hat. AIS gibt eine Kollisions-Dauerwarnung und der Frachter hält genau auf uns zu. Er läuft letzten Endes knapp 100 m hinter uns durch. Wir nehmen an, das er dies auf seinem Plotter genau vorhergesagt bekommen hat. Mulmig war uns schon! Nachfolgend einige der zur "Beweissicherung" gemachten Fotos. Aufnahmen von weitereren ca. 120 unterschiedlichen Frachtern, Fähren und Passagierschiffen musste ich auf Anordnung meiner Cheffin wieder von der Homepage nehmen: Die Fotos würden langweilen!

 

Hier werden auf unserem Plotter gerade 33,9 kn des vorbeirauschenden Supersacat III gezeigt! Die Dreiecke mit Vorausstrich (Kurs) sind weitere Schiffe, die uns an dieser Stelle fast umzingelt haben. Zwischen Tallinn und Helsinki gibt es ein Verkehrsaufkommen, wie auf dem Kuhdamm in Berlin! Wir möchten diese Strecke -trotz AIS und Radar an Bord- nicht im Nebel fahren müssen.

 

 

Wir sind nach 55,9 sm, einschließlich einiger Kreuzschläge, in Helsinki angelangt, klarieren um 18:00 Uhr ohne Probleme ein und fahren dann direkt weiter zum Nyländska Jaktklubben, der auf der hübschen Schäre Blekholmen, unmittelbar vor dem Südhafen und der City von Helsinki seine Steganlagen und sein Clubhaus hat. Uns zu Ehren wird im Hafen die deutsche Fahne gehisst.

Neben unserer Flagge flattern derzeit eine englische und eine schweizer Nationale. Nach einem Abendspaziergang über die kleine Schäre und dem anschließenden ausgiebigen Abendessen (Lachs) geht es noch gemeinsam ab in die Sauna. Ein wunderschöner Tag mit vielen neuen Eindrücken geht zu Ende!

Die Vorderleinen werden klar gemacht

Rechts im Vordergrund ist Blekholmen bereits zu sehen

Hier folgen noch einige Bilder unseres Hafens, des Clubhauses und seiner Umgebung

 

 

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