Sonnabend, 21. Juli 2007

Um 11:30 Uhr sind wir in Helsinki aufgebrochen. Wie wir es auch anstellen, der Wind kommt mit um die vier Windstärken aus West und das heißt für uns wieder einmal mehr motoren. Zwar sehen wir ortskundige Finnen, die auch in diesem verwirrenden Schärengarten aufkreuzen, dazu fehlt uns, trotz des Plotters, angesichts der überall lauernden Unterwasserfelsen jedoch der Mut. Wir wollen kein Risiko eingehen. Obwohl die Sonne lacht, haben wir bis zum späten Nachmittag das Gefühl, ständig unter der einzig sichtbaren grauen Quellwolke zu fahren. Die Landschaft ist einmalig schön. Die Fahrt führt uns durch Gewässer voller bewaldeter Felseninseln, die sich immer wieder so verengen, dass man fast meint, die Zweige der Bäume berühren zu können. Unser Tagesziel ist die Insel Flakholmen, in deren Schutz wir gegen 19:00 Uhr und nach 49,2 sm auf 7 Meter Wassertiefe den Anker fallen lassen. Hier verbringen wir, umgeben von Natur pur, einen schönen Abend im Cockpit und eine ruhige Nacht.

Ankerplatz Flakholmen

Sonntag, 22. Juli 2007

Wir beginnen den Tag mit einem erfrischenden Bad, die Wassertemperatur beträgt hier 17,6 ° Grad. Es folgt das Frühstück im Cockpit, es ist ein außerordentlich schöner Tag. Das schöne und warme Wetter nutzen wir zum ... Hausputz. Bettina nimmt sich das Innenschiff vor und ich säubere das Deck mit Hilfe von Supercleaner und (natürlich alles biologisch abbaubar) Lackreiniger. Insgesamt drei Stunden toben wir uns aus, es war allerdings auch mal notwendig. In der Sonne glänzt Aquamarin anschließend wieder wie neu. Zum Entfernen der nach der letzten Reinigung zurück gekommenen Gilbflächen an der Bordwand, hervorgerufen durch Algen, habe ich dann jedoch keine Lust mehr.

Erst um 15:00 Uhr hole ich den Anker hoch, unser Tagesziel Flagalandet Langskär liegt mit 17 sm nur knapp drei Stunden entfernt, auf halber Strecke zum nächsten Etappenziel Hankö. Dessen ständig überfüllter Hafen sollte, wenn man einen Liegeplatz bekommen will, nach Möglichkeit bis zum Nachmittag angelaufen werden. Mit unserer Planung wollen wir auf der sicheren Seite liegen. Durch das letzte kurze Teilstück werden wir Hankö morgen bereits gegen Mittag erreichen. Da für Montag Ostwind in Sturmstärke angekündigt wird, möchten wir zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall einen Hafenliegeplatz bekommen.

Heute genießen wir jedoch erst einmal in vollen Zügen das Traumwetter. Bereits um 18:00 Uhr machen wir unser Schiff mit Heckanker sowie zwei an Bäume geknoteter Vorleinen direkt an einem Felsen fest. Einen Knoten befestigt ein hilfsbereiter finnischer Nachbar, mit dem wir uns anschließend noch sehr lange unterhalten. Das Barometer beginnt bereits zu fallen, aber dieser Abend wird noch einer der schönsten unserer bisherigen Reise.

Die nachfolgenden Fotos bedürfen wohl keines Kommentars

Montag, 23. Juli 2007

In der Nacht frischt es immer mehr auf, wir liegen jedoch sicher, wie in Abrahams Schoß. Um 6:30 Uhr weckt uns unser Nachbar, dessen Anker durch den zunehmenden Ostwind zu rutschen begonnen hat und dessen Boot an die Felsen gedrückt wird. Er startet deshalb zwei Stunden früher als ursprünglich geplant nach Hankö, verfolgt im übrigen, was den Hafenliegeplatz anbelangt, die gleiche Taktik wie wir. Wir legen uns nochmals hin, da wir angesichts der kurzen Strecke von lediglich 18 sm bis Hankö und eines in jedem Fall achterlich einfallenden Schiebewinds keinen Grund zu einem sofortigen Aufbruch sehen. Die Sonne scheint ungebrochen, so dass man den Wetterberichten, die alle einen kurz bevorstehenden Sturm ankündigen, kaum trauen mag.

Um 09:25 Uhr lösen wir dann die zurvor auf Slip gelegten Vorleinen von den Bäumen, starten rückwärts und ... hängen an unserem Heckanker fest. Alle Versuche, ihn auszubrechen scheitern vorerst! Die Ankerleine zieht senkrecht nach unten, der Anker bewegt sich nicht einen Millimeter. Die Situation ist nicht dramatisch, wir sind von allen Felsen frei und der Ostwind würde uns auch nicht mehr an die Felsen drücken. Das letzte Mittel, ein Kappen der Ankerleine will ich unserer Bordkasse jedoch nach Möglichkeit ersparen und nehme deshalb mit Hilfe unserer größten Winsch und mit Vollgasattacken vor und zurück den Kampf mit unserem offensichtlich in einer Felsspalte verklemmten Anker auf. Nach etwa 10-minütigem Ringen bleibe ich in diesem edlen Wettstreit Sieger. Ich kann wohl schlecht verlieren. Der schwere Anker ist lädiert, eine Flunke total verbogen. Man sieht die Kräfte, die hier zum Wirken kamen. Aber das wird sich hoffentlich richten lassen.

Mit dem Motor geht es erst eine halbe Seemeile zurück. Dann mogeln wir Aquamarin durch ein Felsenlabyrinth in einen der äußeren Schärenwege, wo zwar der Seegang schon eine größere Höhe erreicht, wo uns jedoch andererseits ein stabilerer Vorwindkurs erwartet. Wir ziehen die Genua halb heraus und segeln trotz der Vorwindschaukelei recht entspannt mit 6-7 Knoten Fahrt in Richtung Hankö. Der Wind nimmt permanent zu, so dass wir die Genua nochmals etwas verkleinern. Insgesamt immer noch ein schönes Segeln.

Kurz vor Hankö verschwindet die Sonne hinter Schleierwolken. Als wir den erstaunlich ungeschützen Hafen erreichen, hat der Wind bereits auf gute 7 Windstärken zugelegt. Da nicht klar war, welche Anlegemöglichkeiten geboten werden, haben wir erst innerhalb des Hafens die Leinen und Fender klar gemacht. Recht unpassend kamen in dieser angespannten Situation zwei Geburtstagsanrufe für Bettina an, die ich jeweils nur mit dem einzigen rüden Satz "ruft später nochmals an" sofort beendtet. Dieser kleine Zeitverluste reichte bereits aus, um uns einen anvisierten und bereits angesteuerten Anlegeplatz doch noch wegzuschnappen. Hier gilt das Recht des Schnelleren. Auf der Suche nach einer neuen Möglichkeit bemerkten wir Achim von der SY Bummler, der uns rufend und winkend auf einen entfernteren Liegeplatz hinweist und dann im Laufschritt auch zur Leinenübernahme startet. Immer noch mit unseren Leinen beschäftigt, bemerkte ich, wie ein weiteres Boot plötzlich Fahrt in Richtung des von Achim angezeigten Platzes aufnimmt, was mich sofort meine Leinen hinwerfen läßt. Ein Sprung zum Gashebel, ein Zuruf an Bettina, Vollgas und ab geht die Post. Ohne aufgeklarte Heckleinen fahre ich einfach in die Box, gegen den Wind sicher kein großes Risiko, jedoch eher ungewöhnlich. Um eine knappe Bootslänge hatten wir den Wettbewerb um diesen Liegeplatz mit Achims Hilfe gewonnen! Noch während wir das Boot ordentlich vertäuen verstärkt sich der Wind deutlich. Wir sind keine Minute zu früh in Hankö angekommen.

Wir klaren das Boot auf und gehen dann erst einmal zum Hafenrestaurant, um ein finnisch-teures Anlegebier zu trinken. Dort treffen wir Bummlers und da es stark zu regnen beginnt, bleibt es dort nicht nur bei einem Bier. Als wir zurückkommen sehe ich am Voltmeter, dass es ein Ladeproblem gibt, das ich zunächst jedoch nicht einordnen kann. Wenig später höre ich ein Gurgeln und Zischen, das mich misstrauisch macht und und dessen Ursache ich in den Batteriebänken finde. Eine der drei nagelneuen 250 Ah/h AGM-Batterien kocht! Ich trenne sofort das Netz, baue den Salontisch aus, löse alle Kabelverbingen zwischen den drei Batterien und messe deren Spannung einzeln. Ergebnis: Zwei Batterien zeigen exakt 12,91 V an, eine 11,05 V. Die letztere hat damit nur noch Schrottwert. Ich hatte sofort nach dem Einbau im Mai bemerkt, dass etwas nicht stimmt und deshalb mehrfach mit der Lieferfirma SVB-Bremen telefoniert. Habe mich dann im Grunde einlullen lassen, das Unwohlsein ist jedoch immer geblieben. Vermutlich hatte die jetzt ausgefallene Batterie von Anfang an einen Defekt (z.B. Plattenschluss o.ä.) den ich jedoch innerhalb der Parallelschaltung nicht mehr zielgenau messen konnte. Ich verbinde die scheinbar unbeschädigten Batterien erneut und hoffe nun, dass sie nicht auch schon eine Macke bekommen haben. Das ganze Batteriemanöver kostete vier Stunden intensive Arbeit, unterbrochen von einem kleinen Geburtstagsessen in der Hafenpizzeria. Bin jetzt sehr gespannt, wie SVB mit meiner Reklamation umgehen wird.

 

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