Von Kuressaare nach Virtsu

19. Juni 2007

Wie angekündigt, starten wir nach dem Frühstück unsere nächste Etappe. Es ist heute wieder strahlend schön, die Temperaturen sind bereits am frühen Morgen angenehm, in der Sonne ist es richtig warm. Um 9:40 Uhr heißt es Leinen los. Bei leichten Winden aus NE geht es erst einmal unter Motor und nach Tonnensicht über die vielen vor Kuressaare liegenden Flachs.

Die Windvorhersage lautet 3-4, später 5 Bft etwas zunehmend. Nach der Passage der Flachs geht es unter Großsegel und Genua mit Kurs 54° und halbem Wind bei gut sechs Knoten Fahrt in gebührendem Abstand an der Südostküste Saaremaas entlang.

Wir bekommen Besuch

Der Wind weht anfangs konstant um die 12 Knoten und steigert sich dann langsam über 15 und 18 kn am Eingang der Suur-Straße (dem nördlichen Ausgang der Riga Bucht) gegen 15:30 Uhr bis auf 20 kn. Wir haben rechtzeitig die Genua gegen die Kreuzfock getauscht und auch ein Reff in das Großsegel eingezogen. Auf neuem Kurs 24° liegen wir trotzdem stark "auf der Backe". Eine plötzliche Winddrehung um etwa 30° und eine weitere Zunahme der Windstärke läßt uns kurzzeitig den Motor zur Hilfe nehmen. Danach wird nochmals eine knappe Stunde mit starker Schräglage "hart am Wind auf Kurs 45° gesegelt und abschließend die lezten 5 sm gegenan der Motor genutzt.

Wir legen um exakt 17:30 Uhr, nach 52,6 sm, in Virtsu an einem offenen Schwimmsteg und auf Legerwall an! Inzwischen messen wir über 30 kn Windgeschwindigkeit, gute 7 Bft! Große Vorsicht ist nicht nur wegen des starken Windes geboten: Direkt an der schmalen Einfahrt liegen große Steine, die teilweise auch überspült sind. Bei starken N-NW Winden besteht die Gefahr, dass man auf diese Untiefen versetzt wird. Wir schaffen das Manöver und fendern mit vier großen Bällen den starken Winddruck ab. Unsere größte Sorge ist allerdings gewesen, dass die beiden einzigen Anlegemöglichkeiten für 14-Meterboote bereits belegt sind. Als Alternative wäre uns mangels Häfen in erreichbarer Entfernung nur das Ankern im Schutz einer ca. 4 sm entfernten Insel geblieben. In dieser Steinwüste (unter Wasser) und mit ungenauen Karten keine verlockende Aussicht! Gott sei Dank sind wir jedoch erst einmal allein.

28 Knoten Wind auf dem Windmesser sogar im Hafen

Allerdings, das ist kein Hafen, sondern ein hinter einem Fähranleger gelegener, den Nord- und Nordostwinden vollständig ausgelieferter Schwimmsteg und allenfalls als Notanleger akzeptabel. Wir müssen uns damit abfinden und gehen nachdem alles gesichert und das Schiff vernünftig vertäut und abgefendert ist, erst einmal einkaufen. Anschießend wird im Internet per Datenkarte recherchiert, wie lange der Spuk wohl noch dauern wird. Der DWD sagt langsam abflauende Winde, später schwachwindig voraus. Wir essen erst einmal, bevor wir Seekarten wälzen und die Möglichkeiten für morgen prüfen. Es soll mindestes bis Haapsalu (58°57,773' N, 023°31,671' E) gehen, vielleicht auch noch 20 sm weiter, nach Dirhami.

 

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