Von Ventspils in Lettland nach Kuressaare/Estland

17. Juni 2007

Heute ist der Himmel verhangen und es ist kühl, um 17° Celsius. Wir stehen um 07:00 Uhr auf, duschen und frühstücken anschließend, holen beim Hafenmeister mehrere Internet-Windprognosen ein, klarieren aus und starten schließlich um 8:30 Uhr Richtung Estland. Die Windvorhersage lautet 5, verstärkend 6 Bft, aus Süd später Südwest. Gleich nach der Hafenausfahrt empfängt uns eine hohe Welle und der etwas westlicher als Süd einfallende böige Wind kommt auf unserem Kurs bis zur Irbenstraße am Eingang der Rigabucht punktgenau von achtern. Wir motoren deshalb die ersten Seemeilen und setzen erst etwas später eine gereffte Genua, was für durchnittlich 7 kn Fahrt über Grund ausreicht. Ich hatte vorher auf dem Plotter die gesamte, knapp 65 sm lange Route eingeben und so ist das Navigieren ein Kinderspiel. Der Wind ist deutlich stärker als vorhergesagt, wir messen den achterlichen Wind in Spitzen immer mal wieder mit 30 Knoten. Bei sieben Knoten Fahrt entspricht dies einem wahren Wind von gut 35 Knoten, das sind acht Bft. Die unter uns durchlaufenden Wellen sind mit drei bis vier Meter Höhe auch nicht zu verachten.

Bereits um 18:00 machen wir in Kuressaare (58°15'N, 022°28'E), dem nach Aussagen von Fachleuten schönsten und am besten ausgestatteten Hafen Lettlands fest. Der englisch sprechende Hafenmeister weist uns einen Liegeplatz zu, übernimmt unsere Leinen beim Anlegemanöver und begrüßt uns sehr herzlich. Im Hafen wird für uns die deutsche Flagge gehisst, die schweizer und die holländische Flagge flattern bereits im Wind, der wartende Grenzschutz nimmt die Einklarierung vor und nach der anstrengenden Überfahrt ist die Welt für uns wieder in Ordnung. Wir sind jetzt froh, das wir trotz einiger Bedenken heute gestartet sind.

 

18. Juni 2007

Wir stehen gegen 09:00 Uhr auf und machen nach dem Frühstück (ausführlich und mit Internet GT) eine erste Besichtigungsfahrt durch Kuressaare, besuchen den Markt, wechseln Geld und kaufen ein. Anschließend bringen wir unsere Schätze aufs Boot. Ich beschäftige mich mit unserer Homepage und dann machen wir eine Schloss-/Burgbesichtigung. In der Burg ist das Kuressaare-Museum untergebracht, das sich mit dem Leben auf Saaremaa in verschiedenen Epochen befasst. Die Besetzung durch die Nazisab ab 1939, später durch die Rote Armee und nachfolgend die einverleibung in den Sowjetstaat mit massenhaften Deportationen (auch von Kindern) nach Sibirien, wird eindrucksvoll dargestellt. Für diese Ausstellung, ihre Exponate, Fotos und Viedeofilme haben wir uns viel Zeit genommen.

Kuressaare ist mit über 15.000 Einwohnern die Hauptstadt der Insel Saaremaa. Sie hat ihren Ursprung als Markt- und Handelsplatz. Kopfsteingepflasterte Straßen führen auch heute noch an jahrhunderte alten Häusern vorbei. Es sind traditionelle estnische Holzhäuser, das Rathaus aus dem 17. Jhd., das Schloß und natürlich die Festung. Kuressaare bietet uns eine warme und freundliche Atmosphäre mit viel Geschichte.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist das Schloss von Kuressaare (unmittelbar neben dem neugebauten Hafen). In der Mitte des Schloßparks liegt majestätisch die alte Burg. Es ist die einzige als Ganzes erhaltene Burg im Baltikum und ein Meisterwerk der Spätgotik. Dort befindet sich heute das Saaremaa-Museum, in dem auch Kunstausstellungenn, Konzerte, Sängerfeste, sowohl in der Burg als auch im Burghof stattfinden.

Nach der Eroberung der Insel durch die deutschen Kreuzfahrer im Jahre 1227 wurde diese Burg erbaut, die bis 1918 den Namen Arensburg führte. 1559 wurden die Besitztümer an den dänischen König verkauft, 1645 begann die schwedische Herrschaft, die bis 1710 dauerte, nach dem Nordischen Krieg Anfang des 18. Jhd. begann die russische Zeit, die 1917 endete und 1940 kamen dann die Sowjets, die als erstes der Stadt den Namen des russischen Kommunisten Kingissepp gaben (diese Vollidioten). In der sowjetischen Besatzungszeit wuden viele Menschen gezwungen, vom Land in die Stadt zu ziehen. Die Insel Saaremaa wurde zur Grenzzone erklärt, die auch Esten nur mit schriftlicher Einladung örtlicher Bewohner besuchen durften. Nach dem Abzug der Sowjets bekam Kuressaare am 23. Juni 1988 seinen historischen Namen zurück. Soweit die historischen Daten zur Insel. Gern würden wir noch bleiben und unsere Eindrücke vertiefen, aber die Zeit drängt. Dem aufmerksamen Besucher unserer Homepage ist vielleicht aufgefallen, dass wir -und wir haben lange mit uns gerungen- bereits aus Zeitgründen Riga auslassen mussten. Wir hätten neben der Zeit für Riga einen Umweg von gut 130 sm machen müssen, der bei den Windverhältnissen in den letzten Wochen einfach nicht möglich war.

Morgen soll es -sofern die Winde (richtig) wehen- 50 sm weiter in das wohl etwas dröge Virtsu gehen, dem voraussichtlich vorletzten Zwischenstop vor Tallinn, dem früheren Reval.

 

 

 

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