29. Juni bis 5. Juli 2006

Karibische Tage in Meck-Pomm

Am Donnerstag, dem 29. Juni 2006, starteten wir gegen 19.00 Uhr in Göttingen zu einem verlängerten Wochenende nach Lübeck auf unser Segelboot Aquamarin. Bereits um 21:30 Uhr wurden wir dort mit Freudengebell vom Nachbarboot SY-Baramundi empfangen (nicht die Nachbarn bellten, sondern deren zwei Dackel). Nachdem wir aus- und eingeräumt hatten, verbrachten wir einen netten Abend im Deckshaus unserer Stegnachbarn Heidi und Michael.

Der nächste Morgen enttäuschte wettermäßig ein wenig, da eigentlich Sonne und Hitze angesagt waren. Wir legten daher nicht, wie eigentlich geplant, bereits am Freitag ab. Dafür werkelte der fleißige Kapitän an Bord, da bekanntermaßen an einem Schiff immer etwas zu tun ist. Abends wurde auf dem Bordlaptop via Digitalfernsehen das Fußball-WM-Spiel Deutschland : Argentinien gesehen. Der Sieg der deutschen Mannschaft wurde natürlich gebührend gefeiert.

Sonnabend ging es dann um 8:30 Uhr aus der Koje. Hartmut von der SY-Hackepeter, am späten Vorabend aus Göttingen „eingeflogen“, zeigte sich als wahrer Freund und bringt Brötchen an Bord. Es war ein Tag, wie aus dem Bilderbuch. Wolkenloser Himmel, Sonne, Hitze, Wind um 15 Kn aus NE. Wassertemperatur zu diesem Zeitpunkt 17° Celsius. Um 10:55 Uhr legten wir ab, bis zur Travemünder Enge unter Motor, ging es anschließend mit Großsegel und Fock auf Kreuzkurs Richtung Wismar-Bucht. Gegen 15:30 Uhr hatte der Wind auf 25 bis 30 Kn zugelegt, was uns zu Reffs in Groß und Fock veranlasste. Um 17:10 Uhr fiel dann südlich des Faulen Sees/Insel Poel der Anker auf ca. 4 Meter Wassertiefe. Da die Wassertemperatur zu diesem Zeitpunkt bereits die 19°-Marke knapp erreicht hatte, war ein erstes Bad in der Ostsee angesagt. Mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen bewaffnet ging der Skipper dabei auch gleich dem Unterwasserschiff zu Leibe. Nach einer Stunde meldete er Vollzug: Das Schiff war unterhalb der Wasserlinie wieder bewuchsfrei! Zur Belohnung stand dann ein sehr leckeres Abendessen auf dem Programm. Der strahlend schöne (Segel-) Tag klang dann gemütlich im Cockpit mit Lesen, Gesprächen und mit (mindestens) einer Flasche Rotwein gegen Mitternacht aus.

Am Sonntag hatten wir uns um 10:00 Uhr in Wismar mit Freunden aus Lübeck verabredet. Deshalb war Frühstück, bei strahlend schönem Wetter natürlich im Cockpit, bereits um kurz nach 8:00 Uhr und nach einem Morgenbad in der Ostsee angesagt. Um 9:20 Uhr hieß es „Anker auf“ und um Punkt 10:00 Uhr liefen wir in den Stadthafen von Wismar ein, wo im gleichen Augenblick auch Katharina und Gunter zu einem Tagestörn eintrafen. Ein kurzes Anlegemanöver und schon waren die beiden neuen Passagiere an Bord. Bei hochsommerlichen Temperaturen ließ der Wind zu wünschen übrig, so dass wir anfangs nur mit der Genua und gemächlichen 3 Kn Richtung Insel Poel zurück segelten.

Eine SM südwestlich von Timmendorf/Poel machten wir mit einem etwa einstündigen Anker- und Badestop aus der „Windnot“ eine Tugend und erfrischten uns an diesem Tag bereits zum zweiten Mal in den Fluten, die jetzt bereits die 20°-Marke erreichten. Als sich gegen 12:40 Uhr der erwartete Seewind einstellte, starteten wir mit halbem Wind und nur mit Hilfe der Genua und mit 6-7 Kn zu einem dreistündigen Kurztrip, der in der Karibik auch nicht besser hätte ausfallen können. Zu unserer Freude leistete uns eine beringte Taube, die sich erschöpft auf unserem Boot niedergelassen hatte, sich anfassen und sich dankbar mit Wasser versorgen ließ, Gesellschaft. Sie begleitete uns annähernd eine Stunde lang, bevor sie gestärkt weiterflog.

Wegen der großen Hitze legten wir gegen 16:00 Uhr einen erneuten Badestopp ein und schwammen dabei auch alle Mann die ca. 300 Meter bis an den Strand, wo wir uns dann eine Zeit lang in den heißen Sand setzten konnten. Gegen 16.30 ging es unter Motor nach Wismar zurück, um dort mit unseren Freunden noch einen abschließenden gemeinsamen Bummel durch die wunderschöne Altstadt zu unternehmen.

Hans-Joachim und ich suchten dann ein nettes Gartenlokal direkt am Hafen auf, um gegen 20:35 Uhr, gestärkt und zufrieden mit uns und der Welt erneut zu unserem Ankerplatz vom Nachmittag zu starten. Dort fiel der Anker um 21:50 Uhr. Die erste Flasche Rotwein war noch nicht ganz leer, als sich ungebetener Besuch ankündigte: Die Wasserschutzpolizei erinnerte uns freundlich und sehr bestimmt an unsere Pflicht, unmittelbar nach Sonnenuntergang ein Ankerlicht zu setzen. Nur ausnahmsweise ging es diesmal noch ohne Bußgeld ab.

Eigentlich hatten wir beide vor, am Montag Abend den Kurzurlaub zu beenden. Das selten schöne Wetter ließ uns jedoch umdisponieren: Wir beschlossen deshalb –nach einigen Telefonaten- unseren Urlaub um zwei weitere Tage zu verlängern und erst am Mittwoch nach Hause zu fahren. Der Montag zeigte sich mit dem schon bekannten karibischen Wetter! Vor dem Frühstück wurde erst einmal im Wasser eine Runde um das Schiff gedreht, um dann erfrischt, vollkommen ohne Druck und völlig entspannt in diesen schönen Tag hinein zu leben. Schwimmen, sonnen, lesen, trödeln... Am frühen Nachmittag machten wir unser Beiboot mit Außenborder startklar, um einen Ausflug in den ca. 2 SM entfernten Hafen Timmendorf zu unternehmen, was mit unserem starken Motor gar kein Problem darstellte. Nach dem Anlegen war ein für mich ein leckerer Eisbecher und für Hans-Joachim ein Eiskaffee fällig, ein kleiner Spaziergang und einige Einkäufe folgten und nach etwa zwei Stunden war es Zeit, wieder zurückzufahren. Wir kletterten also in unser Boot und Hans-Joachim versuchte, den Motor anzuwerfen. Aber Pustekuchen. Er hielt die Startschnur in der Hand und nichts passierte. Interessierte Segler verfolgten das Bemühen, den Motor in Gang zu bringen. Alles vergeblich: Wir gingen wieder an Land und mein Gummibootkapitän rief einen Motortechniker an, der auch versprach in kürze zu kommen. Offenbar haben die Mecklenburger jedoch eine etwas andere Zeitrechnung als wir. Das wusste schon Bismarck, der sich bei einem bevorstehenden Weltuntergang dorthin zurückziehen wollte, weil hier ganz offensichtlich einfach alles 14 Tage später geschieht. Aber im Urlaub wird vieles nachgesehen. Irgendwann erschien der äußerst nette und offensichtlich auch sehr kompetente Inhaber eines Maschinenbau- und Yachtservices tatsächlich und nahm den Motor mit. Nun hieß es mit Verspätung wieder rein ins Schlauchboot und mit Muskelkraft ran an die mitgeführten Paddel. Mein starker Mann musste sich mächtig in die Riemen legen, um den weiten Weg bei gegenläufiger Strömung bis zum Boot zu schaffen. Im Fitness-Studie würde man sehr viel Geld für diese Übung bezahlen.

 

Der Dienstag, noch wärmer, Wassertemperatur vor der Insel Poel inzwischen über 22° Celsius, verlief ähnlich dem Vortag. Wir lichteten erst um 15:00 Uhr den Anker und fuhren - segeln war wegen Flaute nicht möglich – nach Kirchdorf, wo unser Motor bereits repariert auf uns wartete. Dieser niedliche kleine Hafen hatte es uns angetan. Ein hilfsbereiter Hafenmeister, Hafenwasser inzwischen über 25 Grad und so sauber, dass wir uns vom Boot aus in die Fluten stürzen konnten. Hans-Joachim holte den Motor ab und war sehr beeindruckt von der hervorragend ausgestatteten Werkstatt, dem sehr kompetenten Firmenchef Günter Müller, einem ca. 1-stündigen Schwätzchen, und auch dem insgesamt fairen Preis. Den Abend verbrachten wir bei Steak/Fisch Pommes und etlichen Bierchen im Vereinshaus des Kirchdorfer Fußballclubs, um gemeinsam mit zahlreichen anderen Gästen auf einer Großbildwand das Fußballspiel Deutschland-Italien zu erleben. Die Stimmung war sehr gut, jedes Foul der Gegner wurde mit lauten Kommentaren bedacht, die Fouls unserer Spieler übersah man geflissentlich. Obwohl unsere Jungs verloren, gab es keinen Aufstand, sondern alle gingen gut gelaunt ihrer Wege.

Der Mittwoch brachte erneut alles, was das Herz vom Wettergott begehrt: Sommersonnengefühl ohne Ende. Leider stand aber nun die Heimreise auf unserem Programm. Um 11:00 Uhr hieß es „Anker auf“ und mangels Wind erst einmal unter Motor aus der Wismar Bucht. Südlich dem Offentief kamen dann doch noch das Groß und die Genua, insgesamt 114 m² Segel, mit Kurs West zum Zuge. Nach einem letzten zweistündigen Badestop zwei Sm östlich von Travemünde ging um es um 17:55 Uhr dann endgültig in Richtung Heimathafen, der Grell-Werft in Lübeck-Schlutup, wo wir um 19:20 Uhr wiederum sehr freudig und noch lautstarker von den beiden Langhaardackeln unserer Stegnachbarn begrüßt wurden. Die üblichen Abschlussarbeiten folgten, bis wir um 20:45 Uhr nach wunderschönen Tagen in Richtung Göttingen starteten. Ein kleiner Schönheitsfehler zum Schluss: Hans-Joachim hatte sein unentbehrliches Handy auf Aquamarin liegen lassen und dies nach Mc-Donald und Tankstop am anderen Ende von Lübeck bemerkt. Ergebnis: Zurück nach Schlutup, Zeitverlust eine knappe Stunde; aber was war das schon nach sechs Tagen Karibik!

Bettina

 

 

Katharina und Günter Günter Auf dem Weg zum Strand Bettina Hans-Joachim Autopilot Speed, Logge, Wassertemperatur Wassertiefe Windstärke und Richtung