August 2012            Durch den Göta-Kanal

Autor: Hans-Joachim

 

Mittwoch, 01. bis Dienstag, 07. August 2012 - Von Stockholm bis Söderköping

                                                                                              
Am Dienstag Mittag sind wir nach sechs nicht nur wettermäßig schönen Tagen in den Schären mit unseren Freunden Karin und Rolf nochmals nach Stockholm zurückgekehrt. Den Nachmittag verbringen wir nach einer Gewitterunterbrechung gemeinsam im Zentrum der Stadt. Nach dem Abendessen im Cockpit bilden sich zwei Kleingruppen, die Frauen bleiben draußen, Rolf und ich sitzen im Salon vor dem Fernseher, es ist Olympiazeit.

Karin und Rolf verlassen uns am Mittwoch um 09.00 Richtung Heimat. Wir bleiben noch und werden uns am Donnerstag ein zweites Mal mit unseren Stockholmer Freunden Rita und Dietrich treffen und erst am Freitag über den Mälarensee unsere Heimreise beginnen. Auch wenn die Kanalgebühren in Höhe von 1.105 Euro dicht an der Schmerzgrenze liegen, wollen wir diesmal den Wasserweg durch den schwedischen Landesteil Götaland, über das Blaue Band von Schweden, den Göta-Kanal, wählen.

Der Göta-Kanal ist als Bauwerk des Jahrtausends eine der bekanntesten und meistbesuchten Touristenattraktionen Schwedens. Er erstreckt sich von Mem an der Ostsee bis Sjötorp am Vänersee und ist 190,5 km lang. 87,3 km der Kanalstrecke haben schwedische Soldaten von Hand gegraben. Die großen Seen Asplången, Roxen, Boren, Vättern (5 x so groß wie der Bodensee) sowie der Viken sind in den Kanal eingebunden, der mit insgesamt 58 Schleusen einen Höhenunterschied von 91,5 m überwindet. Dabei sind 50 Brücken und zwei Trogbrücken zu passieren. Zusammen mit dem Trollhätte-Kanal (6 Schleusen, 44 m Höhenunterschied), dem Göta älv und dem Vänersee (11 x so groß wie der Bodensee) bildet der Göta-Kanal eine 400 km lange Wasserstraße quer durch Schweden.

Die Erlaubnis zum Bau des Kanals erhielt die Göta-Kanalgesellschaft unter Leitung von Baltzar von Platen am 11. April 1810, woraufhin am 24. Mai mit dem Bau begonnen wurde, der bis 1832 dauerte. Die Idee war, dass Schiffe auf dem Weg vom Kattegat zur Ostsee durch Schweden fahren konnten, anstatt durch den Öresund. So sparten die Schiffe den Sundzoll an Dänemark. Der Kanal wurde am 26. September 1832 eröffnet, nur wenige Jahrzehnte vor Einführung der Eisenbahn. Dadurch konnte er jedoch keine entscheidende ökonomische Bedeutung mehr gewinnen.

Am Mittwoch kommen Rita und Dietrich, wie zuvor verabredet, zum Kaffee auf unser Boot. Es wird bei schönstem Sommerwetter einmal mehr ein netter Nachmittag.

Am Freitag verlassen wir wie geplant um 09.15 unseren Stockholmer Navihamn. 30 Minuten später haben wir die Danvigsbrobrücke und die nachfolgende Schleuse passiert und befinden uns damit auf dem gegenüber der Ostsee erhöhten Niveau des Mälarensees. Um 10.30 öffnet sich nach kurzer Wartezeit auch die Liljeholmsbro für uns, es ist der kartenmäßige Beginn des Mälaren. Es ist schwülwarm und das laue Lüftchen aus Süd ist zum Segeln nicht zu gebrauchen. Es wird eine entspannte Motorfahrt. Um 14.15 stehen wir bereits vor der Mälarbron (Brücke) in Södertälje, machen dort erst einmal in Warteposition fest und nutzen die Zeit bis zur Öffnung für eine Kaffeepause. Um 15.30 haben wir 24 Seemeilen hinter uns gelassen, die Brücke und die Ausgangsschleuse zurück in die Ostsee passiert und im Hafen von Södertälje festgemacht.

Danvigsbrobrücke

In Södertälje

Der Sonnabend beginnt wieder traumhaft schön. Gegen 10.00 messen wir im Cockpit bereits 25° Celsius, der frische Wind kommt jedoch leider erneut genau aus unserer Fahrtrichtung. Um 10.00 legen wir ab. Zwischenzeitlich gelingt es uns für genau 3 Seemeilen zu segeln. Nach 26 Sm legen wir um 14.55 in Trosa an. Wir brauchen bei starkem Querwind drei Anläufe bis wir sicher an einer Heckboje festmachen können.

Trosa, Bettina im Gespräch mit unserem holländischen Bootsnachbarn

In Trosa

Der Sonntag macht seinem Namen alle Ehre, die Sonne scheint ohne Unterbrechung. Wir bewegen uns ab Mittag 15 Seemeilen weiter und ankern einmal mehr in dem wunderschönen Västerfjorden der Insel Ringsön. Am Montag verlassen wir den Schärengarten für einige Stunden und segeln mit raumen Wind diagonal über die offene Ostsee mit Ziel Arkösund. Gegen Abend verzieht sich die Sonne und es regnet sogar ein wenig. Der Dienstag beginnt wieder sonnig und warm, am späten Nachmittag bezieht sich der Himmel, Regenschauer und sonnige Abschnitte wechseln ständig. Um 14.00 erreichen wir nach 20 Motormeilen in Mem die erste Schleuse und damit den Eingang in den Götakanal. Um 17.20 haben wir diese Schleuse und um 18.15 die Tegelbruketsschleuse unmittelbar vor Söderköping passiert und befinden uns damit sieben Meter über dem Ostseeniveau. Inzwischen hat es sich leider eingeregnet. Morgen werden wir uns über die Stadtschleuse von Söderköping nochmals ca. 500 Meter weiter bewegen und dann in dieser hübschen Stadt einen Ruhetag einlegen.

In der Einzelschleuse Memm

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Unser Abendessen am 7. August in der Eisdiele Smultronstället an der Schleuse von Söderköping
Die Eisdiele Smultronstället ist in ganz Schweden ein Begriff

Mittwoch, 08. bis Dienstag, 14. August 2012 - Von Söderköping bis Motala

Am Mittwoch regnet es immer wieder, die Sonne kommt erst am späten Nachmittag durch. Das Centrum von Söderköping erkunden wir zu Fuß, später machen wir einen Fahrradausflug am Götakanal entlang und besichtigen dabei auch die nächsten Schleusen. Da erst für Donnerstag Nachmittag eine beständige Wetterverbesserung vorhergesagt wird, wollen wir hier noch einen weiteren Tag bleiben und uns erst am Freitag ca. 30 km weiter bewegen.

Am späten Donnerstag meldet sich der Sommer zurück: Aquamarin in Söderköping

Am Donnerstag Nachmittag besuchen wir die Eisdiele Smultronstället ein zweites Mal und machen anschließend zur Kalorienvernichtung eine Klettertour auf den 76 Meter hohen Ramunderberget, der eine tolle Aussicht über den Hafen, den Kanal und die Stadt Söderköping bietet.

Der Freitag beginnt mit strahlendem Sonnenschein. Als wir uns um 08.30 aus unserer Achterkabine quälen, also   mitten in der Nacht, macht sich genau vor unserem Boot eine Filmcrew des ZDF zu schaffen. Viele Helfer laufen mit sehr wichtigen Minen hektisch hin und her, messen hier und messen da, bauen auf und bauen ab und verbreiten Filmstudioathmosphäre. Wir erfahren, dass heute in Söderköping eine Folge der Serienschmonzette von Inga Lindström gedreht wird. Die Ausstrahlung im ZDF ist an einem Sonntag Abend im Januar 2013 vorgesehen. Bis zu unserem Ablegen um 09.45 können wir leider nur eine Szene verfolgen, wir müssen los, die bevorstehende Brückenöffnung läßt uns keine Wahl.

Die Brücke von Söderköping öffnet für uns

Heute wollen wir bis Norsholm 11 Aufwärtsschleusen und 6 ferngesteuerte Brücken passieren

Hoffentlich springt die Kuh nicht auf unser Deck

Die Wolke im im Hintergrund überrascht uns wenig später mit einem Hagelschauer

Auf dem Asplangen See

Ein Nachbau der Deltaqueen kommt uns entgegen

Nach fünf Stunden haben wir unser Tagesziel Norsholm, 33,3 Meter über Ostseeniveau, erreicht, 12 Schleusen passiert und insgesamt 22,1 Kilometer zurückgelegt.

Die Hagelschauereinlage dauerte nur wenige Minuten. Es ist warm, in der Sonne schon fast zu warm. Das Wetter war seit unserem Törnbeginn im Juni gut und es soll jetzt noch besser kommen. Das amerikanische Wettermodel sieht über Skandinavien eine sogenannte Omegawetterlage beginnend mit dem 15. August voraus. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt z.Zt. 67%. Der DWD sieht das inzwischen ähnlich. Das würde für unsere weitere Reise bedeuten, dass uns ein festliegendes Skandinavienhoch mit einer langfristigen und sehr stabilen Hochsommerwetterlage bis in den September hinein begleiten wird. Hört sich doch gut an, oder? In einigen Tagen wissen wir mehr.

Bahnfrei (im wahrsten Sinne des Wortes) in den Roxensee

Am Sonnabend geht es um 10.00 weiter. Nach wenigen 100 Metern gilt es erst einmal die Schleuse und die unmittelbar dahinter liegende Bahnbrücke von Norsholm zu überwinden. Um 10.50 haben wir diese Barrieren überwunden und endlich freie Fahrt, wir können in den Roxensee einlaufen. Bis Berg mit seinen sieben direkt hintereinanden liegenden Schleusen, einem Yachthafen und nachfolgend nochmals 4 Schleusen sind es rund 26 km, die wir in zwei Stunden zurücklegen. An Segeln ist bei 0-2 Bft aus West nicht zu denken. Wir müssen 90 Minuten warten, bis wir in die unterste Schleuse der Schleusentreppe einfahren können. Eineinhalb Stunden dauert der Aufstieg, der von vielen Schaulustigen begleitet wird. Dann befinden wir uns auf der Höhe von 52,1 Meter über NN und können im Yachthafen von Berg festmachen. Insgesamt haben wir heute acht Schleusen überwunden.

Die Schleusentreppe von Berg - eine der großen Touristenattraktionen des Götakanals

Unsere Schleusung beginnt

Unmittelbar nach unserem Aufstieg wird das Götakanal-Hotelschiff Diana abwärts geschleust

Am Sonntag geht es um 10.30 ab Berg mit zunächst acht Aufwärtsschleusen weiter. Zahlreiche Rollbrücken kosten zusätzlich Wartezeiten. Um 14.40 haben wir nach 21 km die Schleuse Borensberg hinter uns gelassen. Hier wollten wir eigentlich für heute Schluss machen, entscheiden uns dann aber kurzfristig doch zur Weiterfahrt über den 13 km langen Borensee (73,2 Meter über NN) mit dem Ziel, in Borenshult auch noch die fünffache Schleusentreppe zu nehmen.

Wir kommen dort gemeinsam mit einem Motorboot um 15.41 an und sehen gerade noch zwei Segelboote in der unteren Schleusenkammer verschwinden. Uns wird im wahrsten Sinne des Wortes das Schleusentor vor der Nase zugeschlagen, obwohl ausreichend Platz für weitere Boote vorhanden gewesen wäre. Wir werden achselzuckend auf die nächste Schleusung am Montag, um 09.00 verwiesen, haben also für heute mit Zitronen gehandelt. Das ist ein absolut unakzeptables, unfreundliches und gleichgültiges Verhalten, das jedes Mitdenken und jeden Servicegedanken vermissen läßt. Es ist zusätzlich auch unwirtschaftlich; eine zusätzliche Schleusung mit wiederum nur zwei Booten, sechs zusätzliche Brückenöffnungen bis zum vier km entfernten Gasthafen von Motala behindern den Verkehr usw. Wir nehmen den verordneten Zwangsaufenthalt, den wir nicht ändern können, aber letzten Endes mit Humor. Als ich später gegenüber Schweden auf sozialistische Verhältnisse anspiele, gibt es überhaupt keine Gegenrede. Das ist leider häufig so, bringt aber hier kaum jemanden aus der Fassung.

Hier hätten nicht nur wir noch Platz gehabt

Um 19.00 müssen wir für das Götakanal Hotelschiff Juno unser Boot um einige Meter verholen

Da passt nun wirklich kein weiteres Boot in die Schleusenkammer

Am Montag klappt es dann jedoch. Um 09.20 beginnt die Schleusung, um 10.30 haben wir die fünf Kammern hinter uns gelassen und um kurz vor 12.00 haben wir im Motala-Gasthafen angelegt.

Gäste an Bord

Am frühen Nachmittag sind wir bereits wieder mit unseren Fahrrädern unterwegs ...

... und stoßen auf dem Rückweg prompt auf Lidl

Der zentrale Marktplatz von Motala

Am Dienstag besuchen wir nachmittags eine Kanal-Rock-Veranstaltung ...

... die wir in einem auf der gegenüberliegenden Kanalseite gelegenen Cafe verfolgen

 

Mittwoch, 15. bis Sonntag, 19. August 2012 - Von Motala bis Sjötorp

Am Mittwoch haben wir traumhafte Wind- und Wetterverhältnisse für die Vätternüberquerung

Bereits um 13.00 haben wir die knapp 18 Seemeilen hinter uns und warten auf die Brückenöffnung in Karlsborg

Unsere holländischen Stegnachbarn während der letzten Tage treffen ein

Das geht so: 1. Angeln, 2. geangelte Fische zubereiten, 3. Fischköpfe in ein Netz und auf den Grund herablassen
4. und am Morgen die Ernte aufholen

In Karlsborg am Vätternsee

Kleine Pause am Vätternsee während einer Fahrradtour

Am Donnerstag erreichen wir an der Schleuse Forsvik unsere größte Höhe mit 92,5 Meter über NN

Auf einigen Streckenabschnitten wird es abenteuerlich eng

Nur mit eingerollter Sprayhood läßt es sich bei der Hitze aushalten

Wir machen in Töreboda fest und bleiben hier bis zum Sonnabend

Am Freitag nach einem Fahrradausflug aufgenommen

Am Sonnabend geht es um 10.50 weiter. Mit dem herrlichen Sommerwetter ist es einstweilen vorbei. Es hat schon in der Nacht zu regnen begonnen und jetzt müssen wir einen beständigen Landregen über uns ergehen lassen. Das hatten wir während unseres diesjährigen Sommertörns noch nicht. Wir fahren deshalb mit Regenschutz, unsere Kuchenbude leistet gute Dienste. Allerdings nützt sie in den Schleusen kaum. Dort müssen wir in den Regen raus. Bis Sjötorp sind es lediglich 20 km, allerdings mit 18 Schleusen (je 2,5 Meter Hub) und 12 Brücken gespickt. Es geht kontinuierlich abwärts, was deutlich entspannter als aufwärts ist. Unser Tagesziel erreichen wir um 15.50. Wir befinden uns jetzt auf 46,3 m über NN, es fehlt nur noch eine letzte Schleuse, dann haben wir das Vänernniveau von 43, 8 m erreicht und der Götakanal mit seinen 58 Schleusen liegt hinter uns. Nach 70-80 Seemeilen auf dem Vänernsee werden wir über weitere sechs Schleusen im Trollhätankanal wieder das Ostseeniveau erreichen.

 

 

Zwischen der Schleuse Sjötorp 1 und der Doppelschleuse 2/3 warten wir bessere Wetterbedingungen ab

 

Im Sjötorper Kanalkrogen werden wir mit schwedischen Volksliedern unterhalten

 

Montag, 20. bis Sonntag, 26. August 2012 - Von Sjötorp bis Varberg

Wie erhofft hat der Wind am Montag mit einer Stärke von 6-9 m/s für einen Tag auf Ost gedreht. Wir wollen vor der für den Rest der Woche vorhergesagten Rückdrehung auf SW möglichst weit auf dem Vänernsee vorankommen und verändern deshalb unsere ursprüngliche Planung, die einen Zwischenaufenthalt im 30 Seemeilen entfernten Fischerdorf Spikens vorgesehen hatte.

Zur Schleusenöffnung um 09.00 sind wir startklar, müssen jedoch erst noch eine Aufwärtsschleusung abwarten. Um 09.30 haben wir die 58. Schleuse passiert und damit den Götakanal endgültig verlassen. Wir wählen die kürzeste Route Richtung Trollhättankanal, die uns durch zwei Schärengärten mit vielfältigen Richtungsänderungen führt und in denen wir den Motor zu Hilfe nehmen. Nach 49 sehr sonnigen Seemeilen über den Vänersee, davon 18 mit Motor, steuern wir um 18.30 den in einer Flussmündung liegenden Gästehamn Dalbergsa an. Zu mehr haben wir heute keine Lust, obwohl ziemlich klar ist, dass wir morgen gegenan gehen müssen.

Unser Übernachtungsplatz Dalbergsa am späten Montag Abend

Wir verbringen hier eine ruhige Nacht und lassen uns am anderen Morgen Zeit. Um kurz nach 11.00 geht es dann am Dienstag weiter nach Vänersborg und wie befürchtet 17 Seemeilen frontal gegen einen strammen Südwest bei allerdings fast wolkenlosem Himmel.

Von Vänersborg bis Trollhättan müssen dann noch drei Klapp- und eine Hubbrücke sowie die Brinkebergsschleuse mit etwa 6 Meter Hub passiert werden. An allen vier Brücken gibt es trotz Anmeldung über Funk längere Wartezeiten. Zugfahrpläne werden für uns doch noch nicht geändert. Dafür geht die Schleusung ohne jeden Zeitverzug über die Bühne. Um 16.30 können wir nach insgesamt 23 Seemeilen im Gasthafen von Trollhättan festmachen. Wir sind jetzt nur noch 38 Meter über dem Ostseeniveau.

Der kleine Gasthafen von Trollhättan - in einer Parkanlage gelegen

Da für Mittwoch ergiebige Regenfälle angesagt sind und wir keine Meinung zu einer Regenfahrt mit Schleuseneinlagen haben, werden wir hier zwei Tage bleiben und erst am Freitag die Leinen zu unserer vorläufig letzten Kanalfahrt* nach Göteborg lösen. Von Göteborg aus soll es dann spätestens am Montag mit Kurs Süd endgültig Richtung Heimat gehen.

* Der Trollhätte Kanal ist 82 km lang. Zehn km davon wurden als Kanal ausgehoben bzw. in die Felsen gesprengt. Der restliche Wasserweg besteht aus dem natürlichen Flussbett des Göta Alv. Der Höhenunterschied von 44 m zwischen Vänersee und Ostsee wird durch sechs Schleusen überwunden.

Am Freitag legen wir nach einer Funkvorklärung zu den Brücken- und Schleusenöffnungszeiten um 09.00 ab. Um 09.02 passieren wir die erste für uns geöffnete Brücke und bereits um 10.15 haben wir die vier Trollhättan-Schleusen hinter uns gelassen.

Aquamarin in der 2. Trollhättanschleuse

Auf dem Göta Alv fahren wir aufgrund der mitlaufenden Strömung bergabwärts mit 7-7.5 kn über Grund, obwohl wir unsere Maschine mit nur 1.800 Umdrehungen schonen. Um 16.32 machen wir nach 40 Seemeilen, 5 Schleusen und 5 für uns zu öffnende Brücken im Hafen Lilla Bommer, im Stadtzentrum von Göteborg fest.

Quer durch Schweden: Unser Weg durch den Götakanal von Mem bis nach Sjötorp und weiter bis nach Göteborg

Lilla Bommen bei Tag und in der Nacht

Am Sonnabend Mittag ändern wir spontan unsere Fahrplan. Das Wetter ist (noch) schön und wir entscheiden uns für einen Ortswechsel auf die 14 Seemeilen entfernte Außenschäre Vrangö. Um 13.35 legen wir in Göteborg ab und um 17.00 Uhr haben wir unser Ziel erreicht. Der Hafen von Vrangö ist proppenvoll, mit ach und krach bekommen wir noch einen Liegeplatz. Der Himmel hat sich zwischenzeitlich bezogen und später fängt es an zu regnen. In der Nacht schüttet es dann kräftig. Am Sonntag klart es am späten Vormittag wieder auf und der schwache Wind dreht auf West.

 

Wir ändern nochmals unsere Pläne und verlassen auch Vrango wieder vorzeitig und nehmen eine 39 Seemeilen lange Motorfahrt nach Varberg in Kauf, um eine günstigere Ausgangsposition für die Querung des Kattegats nach Grena, ohne Zwischenstopp auf Anholt, zu bekommen. In Varberg kommen wir um 18.15 an und stellen bei einem Rundgang durch die Stadt fest, dass sich hier ein längerer Aufenthalt wirklich lohnen würde. Dieser Ort hat Atmosphäre. Aber inzwischen drängt es uns doch heimwärts. Die ungünstigen Windprognosen tun ein übriges. Lediglich am Montag haben wir eine Chance, mit einem vorhergesagten Nord- bis Nordwestwind entscheidend weiter zu kommen. Anschließend sind für mindestens zwei Tage wieder südliche und zum Teil starke Winde angesagt, die wir für den Weg nach Fehmarn wirklich nicht gebrauchen können.

Stadtmarina Varberg - etwa 500 Meter vom sehenswerten Ortskern entfernt

 

Montag, 27. August bis Montag, 03. September 2012 - Von Varberg bis nach  
                                                                                         Fehmarn

Um 07.30 machen wir uns bei schönstem Sonnenschein auf den Weg. Mindestens bis Anholt, besser bis Grenaa lautet unser Tagesziel. Wir stecken unseren Kurs auf Anholt ab und die ersten 16 Seemeilen lassen sich bei einem Nord mit 3 Bft. und Kurs 235° auch noch halbwegs gut segeln. Dann nimmt der Wind ab und eine quer laufende kräftige Welle macht uns immer mehr zu schaffen. Das ist sehr ungemütlich. Wir wählen deshalb mit 191° einen neuen Kurs, der 16 Motor-Seemeilen erfordert und der Anholt nördlich liegen läßt. Nachdem wir das ausgedehnte Flach im Südosten der Insel gerundet haben, können wir nochmals knapp 20 Seemeilen direkt auf Grenaa zusegeln, dann schläft der Wind endgültig ein. 70 Seemeilen haben wir auf der Logge, als wir endlich um 19.10 in Grenaa festmachen.

Da für morgen südliche Winde und Regen angesagt sind, wollen wir unsere Heimreise erst am Mittwoch fortsetzen.

Unser nächstes Ziel ist am Mittwoch Ballen auf der Insel Samsö. Um 10.30 geht es los, die Sonne lacht einmal mehr am blauen Himmel, nur der schwache Wind kommt nach wie vor aus Süd, an Segeln ist überhaupt nicht zu denken. Zusätzlich haben wir eine Gegenströmung von 1-1,5 Knoten, unsere Fahrt über Grund bewegt sich um die 5 Knoten. Um 18.00 legen wir in Ballen an, die letzten 10 Seemeilen konnten wir mit 40-45° zum scheinbaren Wind doch noch segeln. Wenig später lassen wir den Tag in einem kleinen Fischrestaurant am Hafen gemütlich ausklingen.

Ballen auf der Insel Samsö

Auch in Ballen wollen wir wieder einen Tag Pause einlegen. Weil uns erstens der Hafen gefällt und weil uns zweitens morgen kein gutes Segelwetter erwartet. Wenig Sonne bis zum späten Mittag sowie kaum Wind und das laue Lüftchen natürlich wieder aus südlicher Richtung. Also, erst am Freitag geht es weiter.

Und wie, ein leichter und raumer Wind schiebt uns am Freitag in knapp fünf Stunden 25 Seemeilen weiter, nach Kerteminde auf der Insel Fünen. Dort machen wir kurz nach unserer Ankunft eine längere Fahrradtour, den Abend verbringen wir im Restaurant Kerteminde Sejlklub.

Stadthafen Kerteminde

Nur ein Teil der riesigen Marina Kerteminde

Am Abend im Restaurant Kerteminde Sejlklub

Wir verlassen Kertemind am Sonnabend um 08.30. Wir segeln haargenau vor dem Wind der mit 3 Bft. beginnt und sich nach kurzer Zeit auf böige 5 Bft. aufschaukelt. Unser Boot "geigt", es bleibt zwei Stunden und 13 Seemeilen lang, bis zur Brücke über den Großen Belt, sehr ungemütlich.

Wir unterqueren nach zwei Stunden die Große Beltbrücke. Sie hat gewaltige Dimensionen. Die beiden Tragpylone sind je 254 Meter hoch, die freie Spannweite des Mittelteils mit einer Durchfahrtshöhe von 65 Metern beträgt 1.624 Meter, der Ostteil der Brücke misst 6.790 Meter, die gesamte Beltquerung ist 18 km lang.

Unmittelbar nach der Brücke können wir den Kurs von 119° auf 187° mit Ziel Spodsbjerg auf der Insel Langeland ändern, das Segeln wird deutlich entspannter. Wir kommen dort um 14.40 an, auf der Logge stehen 41 Seemeilen, unsere durchschnittliche Geschwindigkeit lesen wir mit 6,6 Knoten ab.

Im Hafen Spodsbjerg

Am 03. September schließt sich der Kreis.
Wir passieren die Fehmarnsundbrücke und kehren nach Burgstaaken zurück

 

 

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