Start in die Saison 2011

Autor: Hans-Joachim

Vom 07. bis zum 12. April begannen wir mit unseren diesjährigen Vorbereitungen auf die Segelsaison. Bettina und ich hatten ein Apartement angemietet und nutzten das schöne Wetter nicht nur zu Arbeiten am Boot. Mit Ausflügen und kreativen Pausen lockerten wir unser Arbeitsprogramm auf.

 

Vom 04. bis zum 11. Mai ging es dann richtig zur Sache: Ich war diesmal allein auf Fehmarn, schlief auf dem Boot und hatte eine insgesamt äußerst arbeitsreiche Woche.

Unter anderem hatte ich mir vorgenommen, die seit dem Jahr 2000 aufgebrachten 22 Antifoulingschichten zu entfernen. Nach drei Tagen und etwa der Hälfte des Unterwasserschiffs habe ich die Bearbeitung der restlichen Flächen auf die nächsten Jahre aufgeschoben.

Sonntag, 29. Mai bis Donnerstag, 02. Juni 2011 - Fehmarn

Jetzt geht es endlich los. Am Sonntag sind wir gegen 15.00 am Boot angekommen und verstauen zuerst die vielen Mitbringsel. Wir können mit den letzten noch notwendigen Arbeiten zum Saisonstart beginnen. Bereits am Montag Mittag wird Aquamarin ins Wasser gehoben und zum Ausrüstungssteg im Yachthafen Burgstaaken verlegt. Bei sommerlich warmer Witterung werden noch 1.000 Kleinigkeiten erledigt und das Schiff für einen mehrmonatigen Törn ausgerüstet. Am Donnerstag, den 02. Juni wechseln wir in den Hafen Burgtiefe, am Nachmittag kommen Hartmut und Männercrew mit seinem Hackepeter von einem Wochentörn zurück und abends treffen wir uns alle auf Aquamarin.

Freitag, 03. Juni bis Sonntag, 05. Juni 2011 - Fehmarn bis Rügen

Am Freitag, den 03. Juni verlassen wir bei schönstem Sommerwetter um 09:05 Fehmarn mit Kurs Ost. Kurz nach dem wir das Cafe Sorgenfrei passiert haben werden das Großsegel und die Genua gesetzt. Mit einem leichten NW-Wind um 3 Bft. machen wir 4-5 kn Fahrt durchs Wasser. Leider läßt der Wind gegen Mittag immer mehr nach, so dass wir um 12.40 nach lediglich 14,4 sm die Segel streichen und unseren Jockel starten.

Um 18.45 fällt unser Anker nach 55,3 sm auf 3,6 m Tiefe unmittelbar vor dem Seebad Zingst/Fischland. Der schwache thermische Wind und eine günstige Wetterprognose lassen eine Ankernacht an der ansonsten offenen und damit weniger geeigneten Küste zu. Wir verleben einen schönen Abend in unserem Cockpit und erwartungsgemäß auch eine ruhige Nacht.

Burgtiefe/Fehmarn im Kielwasser

Ankerplatz Darss/Zingst

Sonnabend, der 04. Juni wird wieder ein strahlend schöner Tag. Bei 17,4°C Wassertemperatur kann ich sogar (kurz) anbaden, dann wartet das Frühstück im Cockpit. Um 11.30 geht es weiter. Der Wind kommt diesmal aus NE mit 2-3 Bft. Es reicht auch diesmal nur für 15 sm, dann schwächelt der Wind und dreht auf E. Wir drehen auch, und zwar den Motorschlüssel.

 

Unter Vollzeug Richtung Hiddensee

Wir sind bis 19.30 unterwegs. Nach 43,8 sm lassen wir diesmal unseren Anker auf 6,0 m Wassertiefe in der Tromper Wiek, nur 1,5 sm von der Marina Glowe entfernt, fallen. Die Wassertemperatur in der nach Osten offenen Bucht beträgt nur noch 14,6°C! Es wird wieder eine ruhige Nacht.

Sonntag, 05. Juni: Gegen morgen nimmt der Wind dann doch zu, so dass wir uns um 10.00, noch vor dem Frühstück, in den Hafen von Glowe verholen.

Hafen Glowe

Bereits kurz nach dem Festmachen starten wir mit unseren Fahrrädern zu einer wunderschönen Tour über die Schaabe nach Juliusruh - Breege - Wiek - Dranske - Altenkirchen - Juliusruh und zurück nach Glowe. In Wiek und dann nochmals in Juliusruh kehren wir ein. Während der "Eispause" in Juliusruh rufe ich Bernd und Doris - Freunde aus unserer Kölner Zeit (1968 - Ende 1973) - an, von denen wir wissen, dass sie heute eine Ferienwohnung auf Rügen beziehen werden. Auf Nachfrage, wo sie denn auf Rügen Quartier bezogen haben und wann wir uns treffen können, kommt die Antwort: Juliusruh. Wir sind platt und staunen noch mehr, als sich herausstellt, dass sie vor 10 Minuten angekommen und gerade in einer Ferienwohnung, lediglich 200 m von unserem Eiscafe entfernt, ihre Koffer auspacken. Fünf Minuten später sitzen wir schon gemeinsam im Cafegarten! Als wir dann gegen Abend wieder auf unserem Boot zurück sind haben wir mehr als 50 km auf dem Tacho und einen nicht nur vom Wetter her schönen Tag erlebt.

Der Wind kommt immer von vorn!

Plattenbauten mit Leerständen in Dranske - nicht so richtig zu Rügen passend

 

Montag, 06. Juni bis Donnerstag, 09. Juni 2011 - Glowe/Rügen

Am Strand von Glowe

Wir nutzen das schöne Sommerwetter am Montag zu Strandspaziergängen und einen Fahrradausflug zum Schlosshotel Spyker, inmitten eines Naturschutzgebietes gelegen.

Am Dienstag fahren wir mit Doris und Bernd zum Einkaufen nach Sagard (Lidl und Aldi) und später zum Hafen Sassnitz u.a. auch zum Fischessen. Am Mittwoch machen wir mit unseren Bordfahrrädern einen 42 km-Ausflug zum Kap Arkona und zum Fischerdorf Vitt. Am Donnerstag fahren wir gemeinsam mit Doris und Bernd nach Binz (mit dem Pkw). Klar, dass wir nicht ohne einzukehren am Restaurant Gosch vorbei gehen können. Abends treffen wir uns dann ein letztes Mal im Fischerhus Glowe.

Naturschutzgebiet und See Spyker

Schloss Spyker aus unterschiedlichen Perspektiven

Im 17. Jahrhundert lebte (und starb) hier General Wrangel. In der DDR vom FDGB runtergewirtschaftet
und nach der Wende zum als Hotel umgebaut.

Am Schönsten sind immer die Pausen: Hier mit Eis, heißen Himbeeren und Sahne

Ziemlich erschöpft am Kap Arkona

Am Strand des Fischerdorfes Vitt mit Blick auf Kap Arkona

Letztes Treffen und Abendessen mit Doris und Bernd im Fischerhus Glowe am 9. Juni

 

Freitag, 10. Juni 2011 - von Glowe/Rügen nach Rönne/Bornholm

Um 09.20 legen wir ab. Der DWD sagt Wind aus West, 4-5 Bft. mit Böen 6-7 Bft., See 1,5 - 2 Meter, voraus. Es wird von allem etwas weniger: Eine total entspannte Überfahrt mit viel Sonne an einem strahlend blauen Himmel. Um 18.45 machen wir nach sehr schönen 56sm im Yachthafen von Rönne fest.

Der Skipper bei der Arbeit

Im Yachthafen Nörrekas/Rönne

Am Sonnabend stehen wir erst um 09.30 auf, die Sonne lacht, es ist bereits sehr warm. Nach dem Frühstück besuchen wir den Marktplatz im Zentrum von Rönne und erfreuen uns an den Vorführungen und der Musik dänischer, schwedischer und norwegischer Volkstanzgruppen.

Eine schwedische Volkstanzgruppe bei der Probe

Abendstimmung im Yachthafen Rönne

 

Pfingstsonntag, 12. Juni 2011 - von Rönne nach Allinge

Nach ausgiebigem Cockpit-Frühstück verlassen wir um 10.45 Rönne. Tagesziel ist Allinge, auf der Nordseite Bornholms gelegen und nur knapp 18 sm entfernt. Das Wetter ist hochsommerlich, der Wind kommt aus West, mit 3-4 Windstärken. Mit achterlichem Wind machen wir 5-6 kn Fahrt über Grund und passieren schnell die auf der Westseite Bornholms gelegenen Häfen Hasle, Hellingpeder, Teglkas, Vang und Hammer Havn, unterhalb der Burgruine Hammershus gelegen. Um 13.10 runden wir Hammerodde und hier am Kap laufen wir zur Hochform auf. Bei halbem Wind geht mit 8-9 kn Fahrt förmlich die Post ab. Seit Rönne beharken wir uns mit einer zweimastigen Amel-Sharki-Yacht. Wenn der Wind nachläßt kommt sie heran, legt der Wind zu entfernen wir uns wieder. Zum Schluss haben wir die Nase vorn, nachdem wir beide eine 36iger Bavaria förmlich überrannt haben. Bei allem gebremsten Ehrgeiz, das macht Spaß!

Wir passieren Nordeuropas größte Burgruine Hammershus

Um 13.30 holen wir vor Allinge die Segel ein und um 13.40 machen wir nach kurzen 18 sm an der Westmole des Hafens, unmittelbar vor einem Eiscafe fest. Die Belohnung für diesen herrlichen Segeltrip folgt dann auch unmittelbar auf dem Fuße: Ein dickes dänisches Eis für uns beide. Köstlich!

Im Hafen von Allinge

Aquamarin ist nicht die kleinste Segelyacht im Hafen

 

(Pfingst-) Montag, 13. bis Mittwoch 15. Juni 2011 - von Allinge nach Kalmar

Am Montag machen wir einen 36 km-Fahrradausflug nach Gudhjem. Dort haben wir 1980 mit unseren Kindern und mit Freunden Urlaub gemacht und dort wäre uns um ein Haar unsere damals knapp dreijährige Tochter im Pool ertrunken. Wenn Mutter nicht die plötzliche Stille mißtrauisch gemacht hätte ... Wir besuchen diese Ferienanlage. In 31 Jahren hat sich hier auch garnichts verändert!

Gudhjem

Der Tatort: Pool in der Ferienanlage

Im Fischrestaurant werden wir einmal mehr sehr aufmerksam aus der Nähe beobachtet

Felsenküste vor Gudhjem

Am Dienstag Morgen legen wir um genau 08.00 in Allinge ab. Ziel ist die 53 sm entfernte schwedische Felseninsel Utklippan. Der Wind kommt aus WSW, er schwankt zwischen 2-3 und in Böen bis knapp 6 Bft, es ist sonnig und warm. Mal zischen wir mit 9,5 kn durchs Wasser, mal reicht es eben für 3-4 kn Fahrt. Über die gesamte Strecke segeln wir parallel zur holländischen HR 39 Schoonheyt, wenn der Wind schwächelt ist sie (mit ausgebaumter Fock, dazu war ich zu bequem) etwas schneller, zieht der Wind an, sind wir im Vorteil.

Um 17.40 machen wir auf der Felseninsel Utklippan in zweiter Reihe an einer Nauticat 42 fest. Unser Nachbar will frühmorgens um 06.00 ablegen. Macht nichts, wir erklären ihm, dass wir auch Frühaufsteher (!) sind.

Wir stehen deshalb bereits um 05.30 auf und um genau 06.00 legen wir in Utklippan ab. Es ist der 17. strahlend schöne Tag seit Fehmarn. Der Wind kommt aus SW mit 4-5 Windstärken. Wir fahren mit etwa 110° zum scheinbaren Wind und sind mit 7-8 kn Fahrt sehr schnell. Gegen Mittag frischt der Wind weiter auf, wir messen jetzt zwischen 5 und gut 6 Bft. Zeitweilig laufen wir mit über 10 kn über Grund. Um 12.00 nehmen wir das Groß weg und reffen die Genua etwas ein. Wir machen so immer noch 6-7, in Böen über 8 kn Fahrt. Kurze Zeit später geht der Wind auf böige 3 Bft. zurück und unsere Fahrt normalisiert sich. Um 13.30 machen wir nach genau 51 sm in Kalmar fest. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit 6,8 kn. In Kalmar gehts erst einmal unter die Dusche und dann in eine Konditorei.

Mittwoch, 15. bis Sonnabend 18. Juni 2011  -  Kalmar

Toll diese Fahrt! Und dann das Wetter ...

Aber bitte mit Sahne!

Bei der Internetarbeit

Bettina auf der Zugbrücke zum Schloss Kalmar

Sonnabend, 18. bis Sonntag, 19. Juni 2011  -  von Kalmar nach  Oskarshamn
                                                                           und weiter nach Fiegeholm

Wir verlassen Kalmar um 11.20. Die Sonne lacht am Himmel, ein leichter Wind aus Süd mit knapp 2 Bft. reicht nicht, um unter Segeln voranzukommen. Um 13.10 ist auf einmal der Wind da. SE 3-4, in Böen 5, auf einem Nordkurs! Aquamarin läuft wie auf Schienen. In zwei Stunden legen wir 15,5 sm zurück! Um 15.20 verändern wir den Kurs auf 340°, wir segeln fast genau vor dem Wind, Schmetterling, Fahrt immer noch zwischen 5 und 6 kn. Um 18.20 machen wir in Oskarshamn-Brädholmen fest, nach dem wir von einem überaus netten und freundlichen Hafenmeister einen Platz zugewiesen bekommen haben. Im Hafenentgelt von 130 SEK, etwa 14,50 €, ist Strom, Wasser, Waschmaschine und Trockner inbegriffen. Das läßt sich Bettina nicht zweimal sagen. Keine 10 Minuten nach dem Anlegen ist die erste Waschmaschinen gefüllt.

Den Abend verbringen wir in einem Chinarestaurant in der Innenstadt. Wir haben selten so ausgezeichnet chinesisch gegessen.

Am späten Abend erreicht uns dann ein Regengebiet. Die ganze Nacht regnet es, am Morgen ist es bewölkt und deutlich kühler als in den Vorwochen. Wir entschließen uns nach dem Frühstück, trotz des miesen Wetters noch einige Meilen weiter, nach Fiegeholm, zu segeln. Um 11.30 verlassen wir Oskarshamn. Bei 4-5 Windstärken aus SW, schlängeln wir uns nur mit Hilfe unserer Fock zwei Stunden lang durch den Schärengarten. Nach 11,5 sm machen wir um 13.35 in Fiegeholm an einer Heckboje fest. An dem kleinen Anleger liegen ausschließlich holländische und (wenige) deutsche Boote. Es gibt zwei oder drei Lücken und freie Heckbojen. Als wir uns, nachdem niemand von den bräsig auf ihren Schiffen hockenden Eignern Anstalten macht, seinen Hintern zu bewegen, eine Heckboje greifen und uns langsam in eine der Lücken schieben, wird nur widerwillig (und wohl mehr zum Schutz der eigenen Boote) Hilfestellung gegeben. Ein regelrecht feindliches Umfeld, so etwas habe ich in allen meinen Seglerjahren noch nie erlebt. Wir sind unhöflich, weil wir nicht angefragt haben, ob das Anlegen wohl genehm ist, oder? Als ich wenig später auch noch am Schaltkasten für eine Sekunde einen Stecker ziehe, um eine Kupplung für zwei Anschlüsse zwischenzuschalten, wird mir der Krieg erklärt. Ein Holländer kommt wie ein HB-Männchen auf mich zu und schreit mich an: Sein IPad ist ausgegangen, ich sei doch wohl nicht normal. Ich hätte ihn bitten müssen, "seinen Stromanschluss" mit mir zu teilen. Unter normalen (?) Umständen hätte ich mich wohl entschuldigt, auch wenn ich die Aufregung als unangemessen und äußerst albern empfunden habe. Hier habe ich mich jedoch lediglich mit der Frage verabschiedet "seid ihr Holländer hier eigentlich alle meschugge"? So fangen Kriege an. Ich werde hier ganz offensichtlich keine Freunde finden.

Morgen wird es wieder ein Stück weiter nach Norden gehen.

Montag, 19. bis Sonnabend, 25. Juni 2011  -  von Fiegeholm über Djupesund  
                                                                          und Haskö nach Nynäsham

Um 10.40 lösen wir bei sonnigem Wetter unsere Leinen, verlassen das hübsche Fiegeholm sowie unsere freundlichen Nachbarn, und schlägeln uns bei böigem NW die ersten sechs Seemeilen unter Motor durch ein hier extrem unübersichtliches Schärenfahr-wasser. Anschließend können wir für vier Seemeilen die Segel setzen, bevor wir dann gegenan wieder motoren müssen. Wir entschließen uns, eine landschaftlich reizvolle Ankerbucht an der Nordostseite von Skavdö anzusteuern und dort bis morgen eine vorhergesagte Winddrehung auf SW abzuwarten. Die Bucht ist von niedrigen bewaldeten Felsen umgeben und vom Hauptfahr-wasser durch den Djupesund leicht zu erreichen. Um 14.00 lassen wir dort (57° 34,046' N, 016° 39,336' E) unseren Anker nach genau 20 sm auf fünf Meter Wassertiefe fallen, rammeln in fest und verleben einen schönen Resttag und eine ruhige Nacht.

Unsere Entscheidung war richtig. Bis zum Morgen hat der Wind auf etwas südlicher als West gedreht, der DWD sagt W 4 Bft. mit Böen 6-7 voraus, der amerikanische NOAA hatte W 4, Böen 5 prognostiziert. Nach dem wir um 10.15 den Anker aufgeholt und nach 1,5 sm den Djupesund verlassen haben machen wir eine Rauschefahrt über 47 sm mit einem Schnitt von 6,1 kn, mit Spitzen von über 8,5 kn. Um 17.55 machen wir an einer Boje im Naturhafen von Haskö (58° 15,126' N, 016° 54,808 E) fest. Hier haben wir bereits 2009 für drei Tage vor Anker gelegen. Sofort machen wir unser Beiboot klar und paddeln an Land um beim örtlichen Fischer noch schnell drei Scheiben frisch geräucherten Lachs für das Abendessen zu kaufen

Im Djupesund

Im Naturhafen von Haskö - Im Hintergrund ein Anleger, Saunahäuschen und Fischerhütten

Auch der Mittwochmorgen ist strahlend schön, der Wind kommt jetzt mit 3-4 Bft. aus Süd.  Wir lösen um 08.50 unsere Leine von der Boje, verlassen diesen selten schönen Naturhafen Haskö, schummeln uns unter Motor an der von uns bereits zweimal besuchten Schäreninsel Hastena vorbei durch ein Gebiet mit vielen gefährlichen Unterwasserfelsen und nehmen dann Kurs auf die offene Ostsee. Innerhalb der Schärenfahrwasser mit ihren vielen Windabdeckungen hätten wir "platt vor dem Laken" segelnd keine große Freude gehabt. So nutzen wir einen einigermaßen stabilen achterlichen Wind zu 5-7 kn Fahrt mit einem Kurs 46° in Richtung des 50 sm entfernten Leuchturms Landsort. Inzwischen wechseln sich sonnige und bewölkte Abschnitte ab. Hoffentlich sind die Schleierwolken keine Vorboten einer Wettervänderung!.

Die letzten 9 Seemeilen Motoren wir wieder, da unsere Fahrt bei nach wie vor achterlichem Wind, durch Inselabdeckungen, nur noch um drei Knoten beträgt und wir keine Muße mehr haben. Um 17.55 machen wir nach 57 sm in der Kroken Marina von Nynäshamn fest.

Unserer Zwischenbilanz seit Fehmarn: Wir haben bisher 457 sm zurückgelegt, sind davon 326 sm gesegelt, 131 sm gehen auf das Konto unseres Schiffsdiesels (davon allein 72 bis Rügen). Wir hatten seit unserer Ankunft auf Fehmarn am 29. Mai bis heute keinen einzigen Starkwind- oder gar Sturmtag und auch keinen einzigen Regentag, von einer Nacht und zwei oder drei kurzzeitigen Schauern abgesehen, dafür fast durchgehend Sonne, bei Temperaturen um oder über 20° C. Nur die Wassertemperatur spielt noch nicht mit! Konnte man zwischen Fehmarn und Rügen bei seinerzeit um die 18° bereits baden, sind wir jetzt, in der zentralen Ostsee bei 12° Wassertemperatur gelandet. Das kann und muss noch besser werden!

Kurze Zeit nach der Erledigung der Hafenformalitäten sind wir auf der Terrasse des Freja, eines von vier Hafenrestaurants zu finden. Unsere Fischplatten (und die Speisen anderer Gäste) werden hier sehr aufmerksam von Scharen von Möwen und Dohlen beobachtet, die sich nicht scheuen, ihren Anteil direkt vom Tisch und vom Teller zu stiebitzen. Wir schützen uns etwas, in dem wir den Sonnenschirm aufspannen. Nützt aber nur bedingt. Um 08.30 machen wir noch einen Spaziergang durch Nynäshamn und kaufen bei Coop noch einige Kleinigkeiten ein.

Die Dohle sitzt hier etwa einen halben Meter von uns entfernt mit Kartoffelbrei im Schnabel.
Sie ist sehr unschlüssig, ob sie ihn mag. Lieber hätte sie wohl Pommes zum Abendbrot erhalten!

Und was wir sonst noch sagen wollten ...

Es ist Donnerstag, der 23. Juni. Wir haben lange geschlafen und in der Nacht hat es stark geregnet. Das Barometer ist von gestern 1008,8 hp auf heute Morgen 993 hp gefallen, der böige Wind bläst mit um die 6 Bft. Am frühen Nachmittag steht das Baro schon wieder bei 1001,2 hp, wir sind nicht mehr im Zentrum des Tiefs. Wir werden noch bis Sonnabend in Nynäshamn bleiben und morgen hier das Mittsommerfest erleben. Im Hafen ist Tanz angesagt! Während ich diese Zeilen schreibe, kommt die Sonne wieder hervor ...

Landgang nach dem Regen

Alle Vögel sind (schon wieder) da

Midsommargäste auf dem Weg zur Insel Utö - dort steigt eine Riesenparty

Als Mittsommerfest werden die Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende bezeichnet. Zu dieser Zeit werden die Nächte jenseits des 60. Breitengrades kaum noch dunkel. Midsommar ist in Schweden nach Weihnachten das zweitgrößte Fest des Jahres und die meisten Schweden feiern es mit Verwandten, Freunden und Nachbarn.
Laut Gesetz aus dem Jahre 1953 wird Midsommar immer an dem Samstag gefeiert, der zwischen dem 20. und dem 26. Juni liegt. Der Freitag davor wird midsommarafton (Mittsommerabend) genannt und der Samstag midsommardag (Mittsommertag). Obwohl der Freitag kein offizieller Feiertag ist, haben die meisten Geschäfte geschlossen und die Bewohner der großen Städte pilgern zu den Feierlichkeiten auf das Land. Am Mittsommertag bleibt die schwedische Flagge oft – entgegen der Empfehlung, sie zu Sonnenuntergang oder spätestens 20:30 Uhr einzuholen – über Nacht gehisst. (Wikipedia)

Wir sind wieder mit dem Radl unterwegs

Das Midsommerfest verbringen wir in netter Gesellschaft im Restaurant Freja mit dem Ehepaar Angerstein aus Baden, die mit ihrem Motorboot in Schweden unterwegs sind. Statt Gesang und Tanz erleben wir hier nur Musikbeschallung und ein allgemeines Besäufnis. Schade! Wir hatten uns alle von diesem Abend mehr erhofft.

Samstag, 25. bis Sonntag, 26. Juni 2011  -  von Nynäshamn über Grisselholm                                                                        zu den Alandinseln

Um 10.30  geht es am anderen Morgen weiter Kurs Nord-Ost. Der Wind kommt mit 3-4 Bft. aus südlicher Richtung, die Sonne lacht uns an. Wir segeln mit ausgebaumter Genua mit 5-6 Knoten. Als sich in Richtung Stockholm ein schweres Gewitter entlädt und tiefschwarze Wolken aufkommen, nehmen wir nach 18 Sm Schmetterling Baum und Genua vorsichtshalber weg. Der Spuk erreicht uns jedoch nicht und nach einer Stunde ist alles wie zuvor.

So geht es schneller  -  eine (natürlich) russische Privatyacht passiert uns

Um 18.15 lassen wir nach 42 Sm unseren Anker in Grisselholmen, einer hübschen Ankerbucht auf 59° 22,323 N, 018° 48, 696 E, fallen. Der Abend klingt im Cockpit aus. Anschließend noch ein wenig schwedisches Fernsehen, dann folgt eine ruhige Nacht.

 

Am Sonntag geht es um 08.00 aus den Federn und um genau 09.00 wird unser Anker aufgeholt. Es ist, man mag es kaum sagen, wieder ein strahlend schöner Tag, nur der Wind fehlt diesmal fast gänzlich. Also Motor an! Um 14.00 Uhr haben wir 34 Sm hinter uns und das Leuchtfeuer Tvärven querab. Hier verlassen wir den schwedischen Skärgard und nehmen Kurs auf die Alandsee und Finnland.

 

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