Haparanda bis Stockholm

Autor: Hans-Joachim

 

Sonnabend, 09. Juli bis Montag, 11. Juli 2011   -    Haparanda bis Lulea

Seit dem 09. Juli sind wir in Haparanda. Nach einem sehr anstrengenden Sonnabend brauchen wir den Sonntag noch als Ruhetag, bevor es für uns langsam in die Rückrunde gen Süden geht.

23,7 Grad (siehe auch Fotogalerie), die Geburtsdaten von Bettina! Da ist ein Bad geradezu zwingend.

Haparanda Hamn am späten Sontag Abend

Am Montag geht es um kurz nach 09.00 weiter in die 70.000 Einwohner zählende Residenzstadt Lulea, Hauptstadt der Provinz und Hauptort der gleichnamigen Gemeinde, 110 km südlich des Polarkreises gelegen und 67 Seemeilen von Haparanda entfernt. Es wird ein äußerst anstrengender Tag. Die ersten 12 Sm müssen wir innerhalb des Schärengürtels gegen einen Süd mit 4 Bft. motoren. Bei mehreren 100 km freier Wasserfläche hat sich eine unangenehm kurze 1,5 bis 2 Meter hohe Welle aufgebaut, die uns immer wieder ausbremst. Mit gerefftem Groß und dem 2. Reff in der Fock geht es anschließend mit 47° zum (auch noch unbeständigen) scheinbaren Wind weiter. Wir schieben 20° Lage, setzen immer wieder hart ein und werden zusätzlich regelmäßig von außergewöhnlich hohen Wellen förmlich auf Null gebracht. Mehr als 4,5 kn sind für uns nicht drin! Die Sonne zeigt sich auch nicht immer, kurz gesagt: Es ist ein langer Segeltag, den wir schnell vergessen wollen. Erst auf den letzten 17 böigen Seemeilen kommen wir mit neuem Kurs wieder halbwegs vernünftig voran. Lulea erreichen wir erst nach 20.00. Die Stadt ist nachgefragt, der Hafen ist voll. Nach einer Nacht an einem Behelfsliegeplatz fragen wir am anderen Morgen nach Booten, die aufbrechen wollen und haben esrt einmal keinen Erfolg. Es kommen auch pausenlos Segler, die wohl geankert haben, herein. Gegen 11.00 ruft uns ein Finne zu: Hey Germans! My neighbour will leave the habor in 15 minutes! Blitzschnell werfen wir unsere Leinen los und legen uns auf Lauerposition. Es klappt, wir bekommen einen sicheren Liegplatz und können jetzt mit den Vorbereitungen für unseren geplanten Landausflug nach Lapland (Auto mieten usw.) beginnen.

Aquamarin im Södra Hamn von Lulea

Wohnen am Södra Hamn von Lulea. Gelungen, aber vermutlich nicht ganz billig

Ein kurzer Besuch in der Gammelstad von Lulea

 

Mittwoch, 12. Juli bis Sonnabend, 16. Juli 2011  -  Von Lulea nach Lapland
                                                                                  und weiter nach Furuögrund

Am Mittwoch Morgen sind unsere Sachen gepackt, ein nagelneuer VW-Golf steht für uns bereit. Jetzt kann es nach Schwedisch-Lapland, Alvsbyn, den Wasserfällen in Storeforsen, Jokkmokk, dem Samizentrum, und weiter nach Gällivare, Malmberget und Kiruna gehen. Hier geht die Sonne nicht mehr unter. Wir übernachten in Kiruna und fahren am anderen Morgen weiter nach Norwegen, wo sich die Landschaft und das Wetter schlagartig ändern (hohe Berge, Schnee, tief eingeschnittene Fjorde) und dort bis nach Narvik. In Narvik erreichen wir mit 68° 30' den nördlichste Reise. Es ist in Narvik kalt und regnerisch. Wir besuchen das Kriegsmuseum und bekommen viele neue Eindrücke über den Wahnsinn der 40iger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Am späten Abend sind wir zurück in Kiruna, besuchen unser erneut "Stammlokal", werden auch bereits als Stammgäste begrüßt, und übernachten nach einem Hotelwechsel ein zweites Mal im Mitsommerland. Am Freitag Morgen geht es in die Erzmine Kiruna, das größte unterirdische Bergwerk der Welt. Wir werden mit einem Bus direkt in den Berg und in 530 m Tiefe gefahren. Alle Mitarbeiter der Mine fahren mit den eigenen Pkw's zu den Arbeitsplätzen in die Tiefe! Zur Zeit wird 775 bis 1.045 m unter der Erde das qualitativ wertvollste Roherz der Welt rund um die Uhr und ohne jede Pause abgebaut. Eine Stunde Stillstand würde mehr als 200.000 € kosten. Es wird fast ausschließlich mit ferngesteuerten Maschinen und fahrerlosen Zügen gearbeitet. In mehr als 1.300 m Tiefe wird gerade eine neue Arbeitsebene vorbereitet, die ab 2013 eine Verlegung der gesamten Innenstadt von Kiruna um ca. 6 km erfordert. Die entsprechenden Beschlüsse wurden bereits 2010 von den Stadtverordneten gefasst. Eine Alternative gibt es auch nicht, wenn man von einer Grubenschließung absieht. Dann wäre Kiruna jedoch eine Stadt ohne Arbeit und damit faktisch tot.

Wir erleben hoch interressante und äußerst informative drei Stunden unter Tage. Gegen Mittag sind wir wieder an der Erdoberfläche und machen uns anschließend auf den Weg zurück nach Lulea und zu unserem Boot. Am Abend sind wir zurück, haben insgesamt 1.250 km mit dem Mietwagen zurückgelegt, einmal mehr viel gesehen und erlebt!

Storeforsen

Wasserfälle im Naturreservat Storforsen

Den unaufgeregten Umgang der Schweden mit ihrer Natur, auch in Naturreservaten, bewundern wir seit Jahren!

Alte Holzkirche in Gällivare (leider geschlossen)

Und schon wieder eine Holzkirche, diesmal in Kiruna (2002 schönstes Bauwerk Schwedens)

Wir sind sehr fleißige Kirchenbesucher

Altarbild von Prinz Eugen (in Stockholm haben wir 2009 sein Palais besucht)

Auf dem Weg nach Narvik (Norwegen)

Endlose Straßen in Schwedisch-Lapland

Einer der bereits abgetragenen und terrassierten Erzberge in Kiruna

Drei beeindruckende Stunden Im Erzbergwerk Kiruna, 530 Meter tief unter der Erde

 

Sonnabend, 16. bis Mittwoch 20. Juli 2011         Von Lulea über Furuögrund
                                                                             nach Kage   64°49 N, 021°01 E

Der Himmel ist bedeckt, Temperatur 18,5° C, Wind aus NE 2 Bft. Unter diesen Bedingungen verlassen wir um 09.30 nach annähernd einer Woche Lulea (gesprochen Luleo). Die Ostsee ist spiegelglatt, bereits nach 3 Sm geben wir unseren Segelversuch auf. Motor an und ab geht die Post. Schade! Um 17.45 picke ich nach 56 Tagesmeilen unseren Patenthaken mit Heckleine in den Ring einer Boje im Hafen von Furuögrund ein. Bettina steht mit ihren Festmachern am Bug. Ich trete von der Reeling zurück und ... in eine Bucht des Festmachers. Bereits Sekunden später bin ich mit meinem Unterschenkel fest in einer Schlinge gefangen, kann natürlich so 13 to nicht aufstoppen und werde in voller Montur über Bord gezogen. Unter Wasser komme ich, nachdem Bettina im Cockpit die Leine entspannt hat, frei und bin blitzschnell an der Badeplattform. Dort kann ich die Leiter herunterziehen und zurück an Bord klettern. Mit mir klettert ein Schwede über die Heckplattform ins Boot, der die Situation als so ernst eingeschätzt hat, dass er sofort und ohne zu zögern mit Kleidung ins Wasser gesprungen ist, um notfalls Hilfe leisten zu können. Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Torgny (frei nach dem Film Casablanca)!

Mein Reinfall kostet mich lediglich meine 700 € teure Gleitsichtbrille, nachdem bereits in Lulea meine Armbanduhr beim Anlegen in acht Meter Tiefe entschwunden ist (Armband gerissen). Hier kann ich jedoch meine Brille einen Tag später, bei einem Tauchgang mit Hilfe meiner an Bord befindlichen Tauchausrüstung, aus etwa fünf Meter Wassertiefe unbeschädigt zurück holen. Das nennt man Schadensbegrenzung.

Auf der Terrasse des Batklubbs Furuögrund: Livemusik und viele nette Gespräche mit gastfreundlichen Schweden.

Im Gästehamn von Furuögrund

Ein netter Abend geht zu Ende: Torgny und Frau, Sonnabend um 01:30 auf Aquamarin.

Torgny arbeitet im Erzbergwerk Kiruna in 1.300 Meter Tiefe an der Erschließung neuer Versorgungsebenen. Was für ein Zufall! Er wohnt in der Nähe von Furuögrund und hat hier sein Boot zu liegen. Während der Jagdsaison ist er auf Elchjagd unterwegs und so bleibt eine Einladung zum Elchessen am Sonntag nicht lange aus. Wir lernen seine Familie kennen und hören viel über das Leben im Land der Mitternachtssonne und vom langen Winter. Wir freuen uns über diese wirklich nette neue Bekanntschaft und fühlen uns bereichert. Torgny und seine Frau begleiten uns dann am Montag auf unserem Weg in den nur 15 Sm entfernten Hafen von Kage. Wir sind uns beim Abschied einig: Es war eine gute Idee von mir ins Wasser zu fallen und von ihm, mich retten zu wollen! Gern würden wir den Kontakt erhalten.

Strahlt Ruhe und Frieden aus: Während einer kleinen Fahrradtour in Furuögrund gesehen

Wir haben Aquamarin wegen des zunehmenden Windes längsseits verholt

Torgny und Familie nach dem Sonntags-Elchessen (einfach köstlich) auf Aquamarin

Wir verlassen Furuögrund am Montag um 10.50 bei bedecktem Himmel gemeinsam mit Torgny und seiner Frau. Elf von insgesamt 15 Tagesmeilen bis Kage können wir segeln. Immerhin. Um 13.20 machen wir dort fest und warten jetzt auf den richtigen Wind um deutlich weiter nach Süden gelangen zu können.

Auf dem Weg nach Kage ...

... und später im Gästehamn Kage (mit gutem W-Lan)

Am Dienstag besuchen wir den zwei km entfernten hübschen Ort und natürlich ... wieder eine Holzkirche!

Auf der Terrasse des Clubhauses

Wir bleiben noch Dienstag und Mittwoch in Kage, um nicht gegen den seit Tagen vorherschenden Südwind angehen zu müssen. Bei schönstem Wetter genießen wir die beiden Ruhetage. Immer wieder sprechen uns Schweden an, fragen uns, woher wir kommen, wie lange wir unterwegs sind und wohin es gehen soll. Unser Boot wird durchweg bewundert. Fast ohne Ausnahme sind wir die einzigen Deutschen in den Häfen, was sicherlich das große Interresse erklärt. Seit der finnischen Westküste sind uns lediglich fünf deutsche Boote begegnet. Morgen früh soll es weiter gehen.

 

Donnerstag, 21. bis Sonnabend 23. Juli 2011  Von Kage über Ratan und Umea
                                                                          nach Ulvöhamn 63°01 N, 018°39 E

 

Um 09.40 verlassen wir Kage, die Sonne scheint wie üblich am strahlend blauen Himmel, der Wind kommt als NE aus der richtigen Richtung ... ist aber mit 1-2 Bft für uns nicht brauchbar! Der obligatorische Segelversuch wird bereits nach einer Sm abgebrochen. Das war es für heute. Motor und Autopilot übernehmen den Dienst. Um 19.20 machen wir nach 66 Tagesmeilen an einem kleinen Anleger in Ratan (63° 59,5 N, 020° 53,5 E) fest. Bei einem späten Spaziergang erkunden wir den niedlich Ort sowie die nähere Umgebung und gehen wie üblich spät ins Bett..

Der kleine Anleger in Ratan am späten Abend

Am nächsten Morgen geht es um 10.00 weiter. Bei 3-4 Windstärken aus NE kommen wir heute mit achterlichem Wind gut voran. Unser Tagesziel ist der Hafen von Holmsund/Umea (63° 41,6 N, 020° 21,5 E) den wir um 15.40 nach 31 Sm erreichen. Eigentlich hatten wir vor, zwei Tage zu bleiben und hier auch Bettinas Geburtstag zu verbringen. Meine Internet-Wetterrecherchen und ein Abgleich mit der über Kurzwelle empfangenen Prognose des Deutschen Seewetteramtes, lassen uns jedoch unsere Planungen ändern: Morgen N-NE 5 mit Böen 6-7, später 8, dann langsam Drehung auf Süd. Wir haben nur noch morgen Zeit, hier wegzukommen. Wenn wir das nicht schaffen, können wir frühestens am Mittwoch weiter (motoren). Wir beschließen, morgen sehr früh aufzubrechen, um möglichst noch am gleichen Tag die Höga Kusten zu erreichen. Dort haben wir dann innerhalb eines weitläufigen Inselarchipels bei praktisch allen Winden brauchbare Optionen.

Im Sportboothafen von Holmsund Patholmsviken (Umea)

Gesagt, getan: Um 04.50 stehen wir am Sonnabend auf und um 05.45 legen wir in Umea ab. Es ist zu dieser Zeit bereits sehr warm, der Wind kommt mit böigen 5 Bft. aus NE und ich verfranse mich zuerst in der Schärenausfahrt. Eine üble, äußerst kurze Welle macht uns zu schaffen. Wir schätzen sie deutlich höher ein, als die angekündigten 1,5 Meter. Wir verlieren schnell jede Landsicht  und sind allein. Bis 09.00 nutzen wir wegen der querlaufen und häufig unter dem Boot brechenden Wellen, die gereffte Genua bei mitlaufendem Motor. Nach 24 Seemeilen zieht uns allein die stark gereffte Genua vor dem Wind. Wir sind unglaublich schnell, im Surf erreichen wir bis zu 10,8 Kn. Das Boot geigt vor dem Wind und bricht durch die hohen Wellen immer wieder aus! Richtig Spaß macht uns das nicht, noch dazu, wenn im Boot alle Bücher aus den Regalen fliegen. Wir brauchen das in unserem Alter nicht mehr unbedingt. Allerdings bringt uns die rasende Fahrt schnell ans Ziel: Um 15.15 erreichen wir die enge Einfahrt zum Naturhafen von Ulvö, einem Paradies innerhalb der Höga Kusten und machen wenig später mit Heckanker vor der Hotelpier Ulvöhamn fest (63° 01,4 N, 018° 39,6 E). Unser Tagesschnitt beträgt über alles gerechnet 7,15 Kn!

Das Geburtstagskind unterwegs von Umea nach Ulvöhamn

 

Sonnabend, 24. bis Sonnabend, 30. Juli 2011      Im Weltnaturerbe Höga Kusten

Die etwa 80 km von Nord nach Süd reichende Höga Kusten, mit einer Gesamtküstenlinie von 230 km, ist die größte Landhebung unserer Erde und von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt worden. Für deutsche Segler ist es eine der abgelegensten Regionen der Ostsee. Vor etwa 20.000 Jahren begann der gewaltige über 3.000 Meter hohe Eispanzer über diesem Landstrich zu schmelzen. Er hatte zuvor die Landmasse durch sein gewaltiges Gewicht um 800 Meter zusammengedrückt. Nach 10.000 Jahren war das Eis weggeschmolzen, die letzte Eiszeit zu Ende, das Land hatte sich durch die Entlastung bereits wieder um 500 Meter erhoben. Seit dieser Zeit hat es sich nochmals um 268 Meter gehoben und mit jedem Jahr kommen weitere 0,8 Zentimeter hinzu, in hundert Jahren somit 80 cm.

In Ulvöhamn wird unmittelbar nach unserer Ankunft die deutsche Fahne gehisst.

Nach den üblichen Informations- und Erkundungstouren stoßen wir mit Sekt auf Bettinas Geburtstag und unsere heile Ankunft an und beschließen später den aufregenden Tag in einem urgemütlichen Restaurant. In der Nacht regnet es in Strömen, später breitet sich Seenebel aus, wir können kaum das Nachbarboot erkennen. Zum Frühstück ist es wieder schön, alles wie gehabt.

Am Sonntag können wir Aquamarin an einen Schwimmsteg verlegen

Der Naturhafen Ulvöhamn

Nur 40 Dauerbewohner leben auf Ulvön, der Perle des Bottnischen Meerbusens, vor der Küste Norrbottens. In der Ferienzeit sind es etwa 200. Mehrmals am Tag bringt die Fähre Scharen von Tagestouristen auf die Insel. An der Hotelpier ist immer etwas los. Am Nachmittag können wir zwei jungen deutschen Mädchen mit Lebensmitteln aushelfen, die mit Fahrrädern von Kopenhagen nach Helsinki unterweg sind und ihre Fähre verpasst haben.

Wieder einmal eine mehrere hundert Jahre alte Holzkirche

Sommersonnen-Sonntagskaffe auf unserer Badeplattform am 24. Juli

Am Montag ist es zwar mit 21° noch ausreichend warm, die Sonne versteckt sich jedoch ab 11.00 für den restlichen Tag hinter Wolken. Das hat es in den letzten acht Wochen erst ein einziges Mal gegeben, wir möchten deshalb nicht, dass dies zur Regel wird. Da der Wetterbericht jedoch für morgen bis zum Sonntag wieder viel Sonne bei Temperaturen bis 26° voraussagt, hält sich unser Ärger in Grenzen.

Um 11.45 verlassen wir Ulvö und machen uns nur mit der Genua und bei halbem Wind auf den Weg zur lediglich fünf Sm entfernten Nachbarinsel Mjälton, die wir bereits eine knappe Stunde später erreichen. Mit 235 Metern ist sie die höchste Insel in der gesamten Ostsee. Wir machen in einer fast kreisrunden gegen alle Windrichtungen geschützten Ankerbucht mit Heckanker vor einem Steg fest.

Gegen 16.30 machen wir uns auf den Weg zum 235 Meter hohen Gipfel der Insel Mjälton. Zuerst geht es auf einem schmaler Pfad bergan, abwechselnd gesäumt durch Birken, Kiefern und Sträucher, später lichtet sich der Wald und es geht über unterschiedlich gefärbte Geröll- und Felsformationen aufwärts. Kurz vor 18.00 haben wir den höchsten Punkt erreicht, der Rundumblick ist phantastisch, der Aufstieg hat sich gelohnt. Nicht auszudenken, wenn die Sonne auch noch scheinen würde!

Auf dem Gipfel - 235 Meter über der Ostsee

Bettina beim Abstieg

Am Dienstag setzen wir um 12.40 zurück, holen den Heckanker ohne Probleme auf, nachdem wir ihn durch Überfahren gelöst haben, machen noch schnell ein Abschiedsfoto und verlassen dann Mjältön. Um 13.50 sind wir schon in der nur 7 Sm entfernten Norrfällsvikens Marina.

Wir verlassen die Insel Mjälton

Einfahrt in die Norrfällsvikens

Kleine Pause während einer Wanderung ...

... und Blaubeeren in Hülle und Fülle

Am Abend spricht uns ein Ehepaar aus Magdeburg an, das in Schweden Urlaub macht und derzeit ihren Wohnwagen auf dem sehr attraktiven Campingplatz von Norrfällsviken zu stehen hat. Es beginnt eine sehr nette Unterhaltung, die anschließend bei einem Glas Wein an Bord von Aquamarin noch bis um 00.30 fortgesetzt wird. Sie bieten an, Bettina am Mittwoch zum Einkaufen in einen etwa 10 km entfernten ICA-Markt zu fahren. Bettina hat dieses Angebot sehr gern angenommen. Vielen Dank!

Um 13.00 legen wir dann mit dem Ziel Härnösand ab. Bei 0-2 Bft. Wind aus Süd ist von vornherein klar, dass heute eine Motorfahrt ansteht. Seenebel schränkt die Sicht ein. Unser Radargerät kommt nach langer Zeit wieder einmal zum Einsatz, wenn auch im Wesentlichen eher zum Üben. Nachdem ich erst überhaupt nichts auf dem Schirm ausmachen kann, schaffe ich es nach einiger Zeit, durch Versuch und Irrtum, Fehlechos abzustellen und tatsächlich Schären, Felsen, Tonnen und alle uns passierenden Boote zu erkennen. Auch der Gebrauch der Marpa-Funktion, Objekte erkennen, verfolgen und bei Annäherung warnen, gehört schnell zur Routine. Als sich der Nebel nach zwei Stunden verzieht kenne ich mein Radargerät wie nie zuvor.

Auf dem Weg nach Härnösand

Um 17.15 legen wir nach 33 Sm in Härnösand an einem halb fertigen Steg an. Um 18.50 machen uns Stegnachbarn auf eine bevorstehende Brückenöffnung aufmerksam. Kurzentschlossen legen wir ab und passieren als letztes Boot eines kleinen Konvois nacheinander die beiden hier den Weg nach Süden versperrenden Bauwerke. Ein nach der Südbrücke liegender kleiner Hafen ist wegen Umbauarbeiten für Gäste gesperrt. Wir suchen uns deshalb eine Ankerbucht und finden mit der Fällöviken einen sehr schönen Platz für die Nacht.

Einfahrt nach Härnösand

Und weiter geht es ...

... direkt nach der Brücke hart Steuerbord ...

... durch den Innenhafen ...

... zur Südbrücke ...

... und dann noch etwa zwei Seemeilen bis in die Fällöviken

Wir haben unser Tagesziel erreicht

Die Planungen gehen weiter

Fällöviken gegen 22.00 Uhr ...

... und noch etwas später

Ich erwähne nur der Ordnung halber, dass es auch am Donnerstag weiterhin sehr warm ist. Noch vor dem Frühstück im Cockpit wird gebadet. Um 11.00 wird der Anker aufgeholt. Im Unterschied zu gestern weht ein frischer Nord mit 3-4 Bft., so dass heute unsere Segel zum Einsatz kommen. Wir sitzen in der Sonne bei gemütlichen 4 bis 5 kn Fahrt und verlassen dabei langsam das Gebiet der Höga Kusten.

Um 17.35 legen wir nach 34 Tagesmeilen mit Heckanker an der Gästebrücke von Skatan (62° 11,7 N) an. Bettina fährt das Manöver sehr gekonnt und bekommt dafür Beifall von der Brücke. Wir sind inzwischen nur noch 400 km nördlich von Stockholm. Direkt am Anleger findet sich ein geschmackvoll eingerichtetes Restaurant mit großer Seeterrasse, in dem wir zur Feier des Tages recht fürstlich zu Abend essen.

Spaziergang nach dem Essen

Wir werden in Skatan am Freitag eine kleine Pause einlegen, das herrliche Wetter und die wunderschöne Umgebung genießen, schwimmen und lesen und dabei die Seele baumeln lassen. Morgen, am Sonnabend, soll es dann weiter nach Hudiksvall gehen.

Wir bleiben am Freitag, 29. Juli, noch in Skatans  -  Wassertemperatur 22,5°

Ein Überraschungsgeschenk vom angelnden Bootsnachbarn.
Gleich geht es ab in die Pfanne. Es wird ein in dieser Form ungeplantes sehr köstliches Abendessen!

Am Sonnabend, den 30. Juli, verlassen wir Skatan bei schönstem Wetter und machen uns auf den Weg weiter Richtung Stockholm. Unterwegs bezieht es sich und es fallen sogar einige Regentropfen. Bereits am frühen Nachmittag sind die Wolken jedoch schon wieder verschwunden. Wir segeln 39 Sm bis nach Hölick, kurz vor Hudiksvall.

Hölick

Bei einem Spaziergang pflücken wir Johannisbeeren (wie wir meinten herrenlose Beeren, da kein Grundstück vorhanden, kein Zaun, dafür Brennessel und Unkraut) und geraten darüber mit einem Schweden aneinander, der mir aggressiv nahe kommt, uns dann jedoch lieber ziehen lässt. Dafür werden wir trotz meiner Entschuldigung als Idioten beschimpft. Das wäre doch beinahe spannend geworden! Ansonsten ist Hölick durchaus ein hübches Fleckchen, insbesondere der im Kiefernwald gelegenen Camping- und Reisemobilplatz gefällt.

 

Sonntag, 30. Juli, bis Freitag, 05. August 2011      Von Hölick bis Stockholm

Am Sonntag, den 31. Juli, geht es um 10.45 weiter. Es herrscht Traumsegelwetter. Um 15.15 lassen wir nach 26 Sm den Anker in der kleinen Bucht Segelvik in der Nähe von Söderhamn fallen. Auf unserem Ankerplatz können wir uns sogar in das W-Lan-Netz eines dort beheimateten Segelvereins einklinken! Wir befinden uns in einem Handyfunkloch mit W-Lan-Anschluss, das heißt, wir können nicht telefonieren aber E-Mails versenden.

Segelviken  -  Unser Ankerplatz mit W-Lan ( 31.Juli - 01.August)

Nach Empfang der Kurzwellen-Seewettervorhersage des DWD disponieren wir am Morgen um. Statt die Gävlebucht in der südlichen Bottensee in drei kleineren Tagesetappen entlang der Küste auszusegeln, wollen wir den vorhergesagten Nord bis NE-Wind mit 4-5 Bft nutzen, um die große Bucht direkt bis in den Öregrund hinein zu queren. Noch kurz eine Runde schwimmen, dann verlassen wir die Segelvik um 09.50, schlängeln uns unter Motor 5 Sm durch ein mit Untiefen reichlich gesegnetes Schärengebiet, rollen dann die Segel aus und holen sie erst nach 69 Sm, um kurz nach 21.00 unmittelbar vor dem Hafen Öregrund wieder ein. Es wird ein traumhafter Segeltag, nur fliegen ist schöner!

Im Öregrund, am Horizont das Atomkraftwerk Forsmarks - bekannt aus Film und Fernsehen (!)

Im Hafen Öregrund ist der Teufel los! Wegen eines Konzerts ankern viele Boote im Innenhafen. Von dort läßt sich die Bühne gut einsehen und man hat einen besonderen Logenplatz. Wir müssen während unserer Platzsuche sehr umsichtig steuern, bevor wir einen geeigneten Anlegeplatz für eine Nacht finden. Ohne Bugschraube wäre das fast aussichtslos gewesen. Am Dienstag Vormittag verholen wir Aquamarin dann auf einen der regulären Plätze, wir wollen noch bis Mittwoch hier bleiben.

Öregrund ist ein sehr attraktiver Ort, vollständig auf Urlauber und Touristen eingestellt, mit vielen Hotels, Cafes und einem Dutzend sehr schöner Restaurants, direkt um den Hafen gruppiert und zu jeder Zeit von Gästen gut frequentiert. Da dürfen wir heute Abend auf keinen Fall fehlen...

Wir sind jetzt auf 60° 20,4 N und 018° 26,7 E und damit nur noch rund 90 Sm von Stockholm entfernt, wo wir spätestens am Sonnabend eintreffen wollen. Das uns bereits seit 10 Wochen begleitende hochsommerliche Wetter wird uns laut Wetterprognose auch noch bis zum kommenden Wochende weiter erhalten bleiben.

Öregrund

Beliebt wegen der wärmespeichernden Steine: Felsenbadepätze

Am Mittwoch, den 03. August, verlassen wir Öregrund um 09.35. Unser Tagesziel ist der nur 23 Sm entfernte und an der offenen Alandsee gelegene Fischereihafen Grisslehamn Ost (60° 06,2 N, 018° 48,3 E). Den inneren Schärenweg zur Marina Grisslehamn West können wir nicht wählen, da uns im Väddökanal eine Brücke mit nur 17 Meter Durchfahrtshöhe den Weg versperrt.

Bei 5-6 Bft aus E-SE läuft bei unserer Ankunft um 13.20 eine hohe Welle in den genau in Windrichtung offenen kleinen Fischereihafen, der nur wenige Plätze für Sportboote bietet. Die Welle und der hohe Winddruck lassen uns lange zögern, bevor wir das Anlegemanöver wagen. Schon die Hafenrunden zur Vorbereitung der Fender und Leinen sind in dem engen Hafen nicht ganz einfach. Mit Leinenübernahme von einem anderen Boot aus können wir Aquamarin letzten Endes sicher in einer viel zu kurzen Auslegerbox festmachen. Am Nachmittag läßt der Wind dann nach.

Grisslehamn Ost

Marina Grisslehamn West am innen liegenden Schärenfahrwaser

Am Donnerstag Morgen verlassen wir Grisslehamn bereits um 07.15. Nach 14 Sm erreichen wir den nördlichen Stockholmer Schärengarten und verlassen damit für die nächsten Wochen die offene Ostsee. Insgesamt 52 Sm haben wir im Kielwasser gelassen, als wir um 15.10 in Linanäs Hamn (59° 28,3 N, 018° 30,7 E) festmachen.

Auf den Hauptfairways nach Stockholm herrscht reger Verkehr. Ständig passieren uns Kreuzfahrschiffe oder Fähren

Linanäs Hamn

Es ist Freitag, der 05. August. Wir legen um 10.40 ab. Heute wollen wir in Stockholm den Kreis schließen, den wir am 26. Juni aus den Stockholmer Schären heraus begonnen haben: Über die Alandinseln und die finnische Westküste nach Haparanda und danach an der schwedischen Ostküste zurück nach Stockholm. Dort machen wir nach 18 Sm und einem Tankstopp in Vaxholm um 13.50 in unserem Stammhafen Navishamn fest.

Stockholm kommt in Sicht!

Wir sind bereits das 5. Mal im Stockholmer Navishamn

Bereits am Abend sind wir in der Innenstadt unterwegs. Für den Sonnabend und die Folgetage sind Treffen mit einem in Stockholm lebenden Schulkameraden aus Berlin, mit hier lebenden Verwandten, ein Zahnarztbesuch und und und ... geplant. Wir wollen bis kommenden Donnerstag, eventuell bis Freitag in Stockholm bleiben.

Über unseren Aufenthalt in Stockholm und die dann folgende letzte Etappe zurück nach Fehmarn werden wir auf der nächsten Logbuchseite berichten.

 

 

Hier geht es weiter...                    ... und hier geht es zurück