Im Stockholmer Schärengarten - Teil 2

Sonntag, 05. Juli 2009

Um 14.00 hat uns Robert Richtung Heimat verlassen. Er wird mit dem Flugzeug nach Bremen fliegen, mit dem Cousin Joachim in Stockholm einfliegen wird. Um 19.15 holen wir Joachim am Busbahnhof ab. Die Busfahrt vom ca. 100 km entfernten Flughafen hat für ihn fast solange wie der Flug gedauert. Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes fliegender Crewwechsel.

Im Hafen zurück, zeigen wir erst einmal unser Boot und setzen uns dann auf einen Begrüßungssekt zusammen. Anschließend machen wir einen abendlichen Spaziergang zum nicht weit entfernten Tivoli Gröna Lund auf Djurgarden, essen dort in einem kleinen Restaurant rustikal zu Abend und bummeln abschließend über den Rummelplatz mit seinen vielen Attraktionen.

Montag, 06. Juli 2009

Nach dem Frühstück fahren Bettina und ich mit unseren Bordfahrrädern in die Innenstadt. Dort erhalte ich bei der Handelsbank tatsächlich meine vor 10 Tagen von einem Automaten geschluckte EC-Karte ohne weitere Komplikationen zurück. Anschließend geht es zum Einkauf und dann zurück aufs Boot.

Es ist unterschiedlich bewölkt, mit längeren sonnigen Abschnitten. Die Temperatur beträgt 20°. Der Wind kommt aus ESE mit stark böigen 10 Knoten. Um 12.15 legen wir ab und setzen sofort die Segel. Der Amwindkurs bringt in den Böen eine starke Schräglage mit sich, die für Joachim eine neue Erfahrung darstellt. Wir überholen langsam alle vor uns segelnde Boote, was natürlich Freude macht. Als wir nach zwei Stunden und 12 Seemeilen Vaxholm erreichen, entscheiden wir uns spontan zu einer Hafenrunde, um nach freien Plätzen Ausschau zu halten. Tatsächlich können wir den letzten freien Platz belegen und machen dort fest. Es ist schnell klar, dass dies die richtige Entscheidung gewesen ist. Vaxholm ist eine hübsche Schärengartenstadt und ein beliebtes Ausflugsziel der Stockholmer. Sie besitzt viele gut erhaltene Holzvillen aus der Zeit der vorherigen Jahrhundertwende. Die meisten Villen sind in den für den Schärengarten typischen Pastelltönen gestrichen. Es gibt eine Vielzahl netter Restaurants und Cafes, sowie viele interessante Geschäfte. Und das alles vor der Kulisse der mächtigen Festung Vaxholm, die zur Verteidigung Stockholms auf einer etwa 300 Meter entfernten Schäre erbaut, den Ort dominiert.

Nach einem Spaziergang durch den Ort nehmen wir in einem Fischrestaurant eine "kleine" Zwischenmahlzeit ein. Die Shrimps sind einfach super, die Stimmung sehr gut.

Später geht es noch in ein nettes Straßencafe, dann zum Einkaufen (wärmende Jacken) und am Abend erneut in ein Restaurant. Ob das wohl gut für das Körpergewicht ist? Auf alle Fälle hat es geschmeckt. Der schöne Tag wird später an Bord noch mit einer(?) Flasche Rotwein zünftig beendet.

Dienstag, 07. Juli 2009

Wir stehen spät auf, gehen nochmals auf Schnäppchenjagd und verlassen um 12.00 Vaxholm. Es ist wechseld bewölkt, es gibt jedoch häufig längere sonnige Abschnitte. Der Wind ist heute sehr schwach, so dass nur für kurze Zeit gesegelt werden kann. Gegen 15.30 nimmt er in der Nähe eines Gewitters zu und wir können die letzten 6 Seemeilen vor dem Wind und nur mit der Genua zur Insel Möja segeln. Dort steuern wir erfolglos die ersten drei kleineren Häfen an. Erst an der Nordspitze von Möja können wir in der hübsch gelegenen und von Felsen umsäumten Längvik an einem kleinen Steg vor Heckanker festmachen. Wir finden bei einem Spaziergang zwischen zwei Regengüssen einen gut erhaltenen Fischerort, einen Kaufmann mit eigenem Versorgungskai und viel Natur pur. Am Abend sind deshalb Bettinas Kochkünste gefragt.

Mittwoch, 08. Juni 2009

Es ist wieder einmal spät geworden. Die Weinvorräte sind auch wieder ein wenig geschrumpft. Die Sonne lacht schon mit Kraft, als wir um 8.30 aufstehen und anschließend im Cockpit frühstücken.

Um 10.20 holen wir den Anker auf und segeln bei schwachen nördlichen Winden gemächlich und nur mit der Genua Richtung Süden. Zweieinhalb Stunden funktioniert das sehr gut, bis wir 4,5 Seemeilen vor Sandhamn doch auf den Motor zurückgreifen müssen.

Sandhamn ist bereits in Sicht, als plötzlich Seenebel auftritt und eine Wetterwende ankündigt.

Kurz nach dem Anlegen haben wir total veränderte Wetterverhältnisse. Der Wind hat stark zugenommen, es wird auch deutlich kühler. Einen Spaziergang durch den Ort schaffen wir noch trockenen Fußes, danach fängt es jedoch an zu regnen. Den Abend verbringen wir im geschmackvoll eingerichteten Restaurant Fährhaus. Joachim hat ein gutes Händchen. Das Abendessen ist hochklassig, der gesamte Abend macht uns allen einmal mehr viel Spaß.

Donnerstag, 09. Juli 2009

Erst um 12.45 legen wir ab. Bei anfänglich noch starken nördlichen Winden geht es gut voran, später läßt der Wind nach und für den raumen Kurs Richtung Malmakvarn nutzen wir nur noch die Genua. Unterweg kreuzt ein Stagsegelschoner unseren Kurs, bei dem wir nur zwei Mann an Bord sehen. Wir wundern uns noch, wie nahe uns dieses Schiff kommt, als sich plötzlich 50 Jugendliche mit ihren Oberkörpern auf die Reeling werfen und mit den Händen gegen die Bordwand trommeln und laut schreien. Ein Piratenüberfall! Gut getarnt und mit viel Geduld haben die Kinder lange Zeit auf diese Gelegenheit lauern müssen. Ein gelungener Spaß.

Im kleinen und sehr hübschen Hafen von Malvakvarn drehen wir eine erfolglose Hafenrunde, es ist beim besten Willen kein Platz mehr frei. Sicher ist die Wetterprognose, die zunehmenden Wind bis zu 40 Knoten für die nächsten Stunden voraussagt, die Ursache. Wir müssen weiter und hängen nochmals acht zusätzliche Seemeilen in der Hoffnung dran, in der Hemvik/Smädalarö Gard unterzukommen. Die Zufahrt ist abenteuerlich. Der kleine Hafen ist nur über einen wenige Meter breiten Fahrweg zu erreichen, man befindet sich dann auf einem geschlossenen kleinen See.

Direkt über dem Hafen befindet sich ein höherklassiges Hotel/Restaurant, daneben liegt ein Golfplatz. Der Hafen selbst bietet neben einer beeindruckenden landschaftlichen Umgebung, die üblichen Sanitärräume, darüber hinaus zwei Saunen und einen Whirlpool, direkt am See gelegen. Es müsste nur noch die Sonne scheinen. Mit 350 SEK ist es aber auch der teuerste Hafen unserer diesjährigen Reise.

Natürlich reserviert Joachim für uns sofort einen Tisch im Wintergarten des Restaurants Smädalarö Gard für 20.00. Vorher mache ich noch einen langen Saunadurchgang mit abschließendem Bad im 18,3 ° warmen (oder kalten) See. Das Essen ist wieder gut, die Shrimps haben aber nicht die Klasse ihrer Kollegen aus dem Fischrestaurant in Vaxholm. Dafür gibt es einen Rabatt für Hafennutzer. Ein weiterer gelungener Abend nach einem insgesamt schönen Tag.

Freitag, 10. Juni 2009

In der Nacht hat es angefangen zu pfeffern. Früh holt uns der Nachbarlieger aus den Federn, da er Angst um sein Boot hat. Er hat bereits zur Sicherheit eine Hilfsvorleine gelegt, die ich dann mit einer eigenen Leine ergänze. Es war nicht dramatisch. Die Windprognose lautet immer noch Wind aus SW-W bis 40 Knoten, also Windstärke 8. Wir legen in der geschützten Hemvik um 10.40 ab. Es liegen nur 11 Seemeilen bis Saltsjöbaden vor uns, die mit einem nördlichen Kurs gut zu bewältigen sein sollten. Als wir die Bucht verlassen, bekommen wir den Wind mit einer Kraft zu spüren, die wir an unserem Liegeplatz nicht vorausgesehen haben. Mit 3-fach gereffter Genua und mit raumen Wind schaffen wir 8-9 Knoten Fahrt, liegen ab und zu auch einmal auf der Backe. Es ist tolles Segeln und das auch noch bei unerwartetem Sonnenschein. Bereits um 12.30 liegen wir fest und sicher im Hafen von Saltsjöbaden. Joachim hat fast auf dem Bauch liegend zum Glück die Heckboje mit unserem Bojenhaken im zweiten Versuch noch fassen können. Da mir die Lage der zuerst von uns gegriffenen Heckboje nicht gefällt, bitte ich den Hafenmeister, meinen Haken mit seinem Motorboot auf eine weiter luvseitig liegende freie Tonne umzulegen. Sicherheitshalber belege ich vorher unsere erste Boje mit einer Leine, gebe sie also nicht auf. Kann ja nichts schaden. Jetzt läßt sich das Schiff in den immer stärker einfallenden Böen gut halten. Auch am Bug ziehe ich eine weitere Festmacherleine ein.

Bettina hat zwischenzeitlich unsere Wäsche in die kostenlos zur Verfügung stehende Waschmaschine gesteckt. Anschließend gibt es wieder unseren obligatorischen Rundgang durch den Ort und dann ist für den Rest des Nachmittags Sonnenbaden im Cockpit angesagt.

Um 19.00 gehen wir die etwa drei Meter in das vor dem Bug von Aquamarin liegende Restaurant und entscheiden uns dort alle erneut für Shrimps. Joachim bemerkt auf einmal, wie sich eine fremde Person auf unserem Schiff zu schaffen macht. In Sekunden bin ich an Ort und Stelle und sehe wie eine Schwedin unserere Heckleine einholt. Unsere Luvboje ist verschwunden, die Erklärungen der Schwedin verstehe ich erst einmal überhaupt nicht. Unser Schiff wird jetzt nur noch von der an der Leetonne verbliebenen Sicherheitsleine gehalten. Nicht auszudenken, was ohne diese Leine passiert wäre. Während des Essens beschäftigt mich dieser Vorfall sehr. Trotzdem wird mir an diesem Abend nicht mehr klar, was genau vorgefallen ist.

Gegen 21.30 Uhr sind wir alle zurück auf dem Boot. Es ist noch sehr hell, wir sitzen geschützt durch unsere Kuchenbude im Cockpit, haben das bunte Treiben auf der Pier im Auge und unterhalten uns. Bettina mixt Gin-Coctails, die es in sich haben. Irgendwann ist die Flasche leer und wir begeben uns beseelt in unsere Schlafgemächer.

Sonnabend, 11. Juli 2009

Über Nacht hat sich der Wind beruhigt, die Sonne scheint strahlend. Ich beschäftige mich jetzt etwas ausführlicher mit dem Vorfall von gestern Abend und versuche den unter Wasser geblieben Bojenhaken hochzuziehen. Das gelingt mir nicht, ich kann ihn jedoch im klaren Wasser sehen. Dann wird mir schlagartig klar, was passiert ist: Die am Grund befestigte Kette meiner luvseitigen Festmacherboje ist unter der enormen Windlast direkt unterhalb der Boje abgebrochen. Die Boje hat sich gedreht, das abgebroche Rohrstück zeigte jetzt nach oben. Mein ursprünglich oben befestigter Bojenhaken blieb eingehakt, jetzt jedoch unter Wasser. Die beschädigte und nutzlose Boje wurde vom Wind vertrieben und verfing sich mit dem Haken in der Kette meiner Leeboje. Eine Gefahr für das Boot bestand nicht, da ich das Boot doppelt gesichert hatte. Das musste ich jedoch nicht tun, es ist unüblich und meisten auch nicht möglich. Die interressante Frage bleibt unbeantwortet, ob der Hafenbetreiber im Falle eines Schadens, Aquamarin lag auf einer freien Außenposition und wäre ohne die Leeboje sofort mit dem Heck in eine große Motoryacht getrieben, für die Kosten aufgekommen wäre.

Der von mir informierte Hafenmeister entwirrt die verhakten Bojen wenig später von seinem Motorboot aus, ich bekomme meinen Bojenhaken zurück ... et hät ja nochmal jot jejange! Um 10.20 starten wir zu unserer letzten Tagesfahrt mit Cousin Joachim von Saltsjöbaden zurück nach Stockholm, wo wir bereits um 12.30 im Navishamn anlegen. Nachmittags gehen wir zu Fuß immer am Wasser entlang die gut fünf Kilometer bis zur Altstadt Gamlestan, suchen nacheinander zwei Cafes auf, hören eine Weile dem Konzert einer Militärkapelle zu, essen bei einem unangemessen teuren Altstadt-Italiener zu Abend und setzen uns dann nochmals in den Vorgarten eines Cafes. Um 21.30 nehmen wir die Fähre von der Altstadt direkt nach Djurgarden, kaufen dann noch kurz einige Lebensmittel ein und sind um 22.30 zurück auf unserem Boot.

Sonntag, 12. Juli 2009

Der Sonntag ist kurz geschildert. Wir stehen spät auf, frühstücken nochmals gemütlich zusammen und machen einen Spaziergang durch den direkt neben unserem Hafen liegenden Prinzenpark. Dort können wir das zum Museum umgestaltete Wohnhaus von Prinz Eugen besichtigen. Um 13.30 fahren wir mit dem Bus bis zum Busbahnhof und verabschieden uns dort von Joachim. Es war -trotz des Wetters- eine sehr schöne und harmonische Woche, in der wir uns näher kamen und auch besser kennenlernten. Wir konnten Joachim mit wetterbedingten Einschränkungen zeigen, was es bedeutet, sich unter Segeln fortzubewegen. Er hat uns dafür in guten Restaurants mit fürstlichen Speisen verwöhnt. Das haben wir nicht erwartet, aber sehr genossen. Besonders natürlich Bettina, die von der Küchenarbeit entlastet war. Wir können uns eine Wiederholung gut vorstellen. Nochmals vielen Dank!

 

Hier geht es weiter ...                       und hier geht es zurück