Im Stockholmer Schärengarten -  Teil 1

Imposant und spektakulär ist der Stockholmer Schärengarten – eine weitläufige, fächerförmige Meereslandschaft mit über 24.000 Inseln und Schären, von denen nur einige Tausend bewohnt sind. Im Sommer ist der Schärengarten ein Paradies für Segler und andere Boottouristen aus ganz Nordeuropa, aber auch leicht für diejenigen zu erreichen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Innerhalb von einer Stunde erreichen Sie mit dem Bus, dem Nahverkehrszug oder dem Auto die meisten Orte im Schärengarten, von denen Sie mit dem Boot in die verzauberte Inselwelt weiter reisen können.
 
Wer bereits die eigentliche Reise zu einem Erlebnis machen will, beginnt seinen Ausflug mit einer Fahrt auf einem der klassischen weißen Schärengartenboote, die direkt vom Zentrum Stockholms abfahren und von denen viele aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammen.

Im gesamten Schärengarten, der sich über 100 km in nordsüdlicher Richtung erstreckt, gibt es ein breites Angebot an Restaurants und Unterkünften unterschiedlicher Art – vom exklusiven Hotel und Gasthaus bis zu einfachen, aber bequemen Jugendherbergen und Campingplätzen. Viele der größeren Hotels und Gasthäuser haben auch im Winterhalbjahr geöffnet, in dem der Schärengarten mindestens genauso fantastisch ist.
 
Eine Bootsfahrt von Nybroviken oder vom Blasieholmskajen im Zentrum Stockholms aus, während an Bord ein Julbord serviert wird. Auch ein Julbord in einem der klassischen Schärengartengasthäuser ist ein unvergessliches Erlebnis.

Auszug aus: http://www.visitsweden.com/schweden/Regionen-und-Stadte/Stockholm/Stockholms-Scharengarten/

 

Montag, 29. Juni 2009

Am Vorabend ist Robert gegen 19.45 eingetroffen. Nach dem Begrüßungssekt und einer kurzer Pause zieht es uns gemeinsam nochmals in die Altstadt von Stockholm. Wir wählen als kürzesten Weg die Fährverbindung von Djurgaarden zum Zentrum. Um 23.30 sind wir wieder an Bord zurück.

Am Montag stehen wir um 8.00 auf und frühstücken im Cockpit. Mit Robert fahre ich dann zur Handelsbank, um meine vom Automaten geschluckte EC-Karte abzuholen. Das wird allerdings ein voller Misserfolg. Der Automat kann in der Zweigstelle nicht geöffnet werden, der Betrieb ist outgesourced. Wie ich klarkomme ist mein Problem, man wird mich fernmündlich informieren, sobald die Betreiberfirma im Hause ist. Kein Wort des Bedauerns. Tatsächlich werde ich aber bereits am frühen Nachmittag angerufen, ich könne meine Karte abholen. Da sind wir allerdings bereits knapp 20 Seemeilen von Stockholm entfernt mit dem Boot unterwegs. Wir verabreden deshalb die Abholung für den nächsten Montag.

Um 15.05 machen wir nach nur drei Stunden Motorfahrt, wir hatten leider kaum Wind, an einem Felsen in der Torsviken zwischen den Inseln Karklö, Gällnö und Mörholmen fest. Das hochsommerliche Traumwetter wird durch einen traumhaft schönen Ankerplatz gekrönt.

Dienstag, 30. Juni 2009

Es beginnt der 10. Hochsommertag in Folge. Der einzige Wermutstropfen auch heute und wohl noch für die nächsten Tage: der schwache Wind. Wir bewegen uns ab 11.30 lediglich 10 Seemeilen von der Stelle und finden mit dem Tagesziel Paradisviken eine wahrhaft paradiesische und bei allen Windrichtungen geschützte seeartige Wasserfläche mit vielen Fels- und Ankerplätzen.

Wir unterbrechen unsere Fahrt für einen kurzen Einkaufsstopp und trinken noch einen Kaffee am Steg

Geschafft, die erste Vorleine ist am Felsen befestigt.

 

Mittwoch, 01. Juli 2009

Morgens ist der Himmel bedeckt, die Sonne läßt sich nur ab und zu blicken. Bis zum Mittag klart es jedoch auf und die Sonne kehrt zurück. Um 11.25 verlassen wir die Paradisviken bei absoluter Flaute und motoren kurze 12 Seemeilen zum Norrsundet, nur noch drei Seemeilen von Sandhamn entfernt. Am Donnerstag wollen wir dort einen Hafentag einlegen und im Yachthafen des königlich-schwedischen Yachtclubs ist rechtzeitiges Erscheinen angesagt, wenn man noch einen der begehrten Liegeplätze erhalten will.

Um 14.00 machen wir mit Felsnägeln an einem Granitfelsen der Insel Lisslö im Norrsundet fest. Seit einiger Zeit zeigt die Füllstandsanzeige für den Dieseltank offensichtlich zu wenig an. Oder sollte der Motor auf einmal mehr verbrauchen? Ich will der Sache auf den Grund gehen und fange um kurz vor 15.00 Uhr an, den Salon freizuräumen, dabei Tisch und Bänke auszubauen und den Dieseltank zu öffnen, um die Füllmenge zu überprüfen und gegebenenfalls den Schwimmer neu zu justieren. Ich stelle erfreut fest, dass es sich tatsächlich und wie eigentlich auch erwartet, lediglich um eine Falschanzeige handelt und beginne mit dem Kopf im mit 530 Litern Diesel gefüllten 1.000-Liter Tank den Schwimmerarm zu justieren. Dies zieht sich enige Zeit hin. Plötzlich erfasst mich ein starkes Schwindel- und Übelkeitsgefühl. Mit letzter Kraft und panikartig klettere ich ins Cockpit und an die frische Luft. Mir wird übel, mich packen Magenkrämpfe, vor meinen Augen dreht sich alles, ich bin im Nu schweißgebadet, kann nur noch liegen. Erst jetzt wird mir langsam und anfänglich noch recht undeutlich klar, dass die Ursache meines Kollapses eine Dieselvergiftung infolge meines ziemlich unbedarften Umgangs mit der Tanköffnung gewesen ist. Ich brauche Stunden, um mich von diesem Vorfall einigermaßen zu erholen. Robert konnte zum Glück die Mannöffnung des Tanks unmittelbar nach dem Zwischenfall verschließen und dann auch die übrigen Rückbauten vornehmen. Für mich ist der ansonsten schöne Tag damit gelaufen.

 

Donnerstag, 02. Juli 2009

Es ist schon früh richtig heiß! Mir geht es wieder besser und unser morgendliches Schwimmen unmittelbar vor dem Frühstück kurbelt die Lebensgeister zusätzlich an. Um 11.00 schlagen wir die Felsnägel aus und bewegen uns langsam Richtung Sandhamn. Die Hälfte der lediglich drei Seemeilen können wir sogar segeln und ziehen dabei kurzzeitig auch Robert an einer langen Leine im Wasser hinterher.

In Sandhamn bekommen wir um 12.00 noch einen guten Liegeplatz unmittelbar neben den beiden Ericsson-Megayachten 3 und 4 die hier nach dem Volvo.Ocean Race Station machen. Die Ericsson 4 hat mit einem internationalen Profiseglerteam das Volvo Ocean Race 2009 um die Welt gewonnen. Ericsson 3 hat mit schwedischen Seglern besetzt Platz fünf  belegt. Es ist hier viel los und es gibt viel zu sehen.

Sandhamn hat tatsächlich viele Sandstrände, in den Schären eher selten zu finden.

Robert begegnet der Hitze auf seine Art

Freitag, 03. Juli 2009

Nach dem Aufstehen nehmen wir ein erfrischendes Bad von der Heckplattform aus. Während des Frühstücks fängt es an zu regnen. In der Ferne entlädt sich ein Gewitter. Gegen 11.30 klart es wieder auf, die Sonne kommt zurück und sofort ist es auch wieder sehr warm. Wir lösen um 12.45 in Sandhamn unsere Leinen. Bei leichten südlichen Winden wechseln sich Motor- mit Segelabschnitte ab. Um 15.30 legen wir mit Heckanker in der 10 Meter tiefen Korshamnviken auf Malmaön an Felsen an und machen dort an Bäumen fest. Beim ersten Versuch hält der Anker nicht und wir bekommen keine Spannung in die Leinen. Das komplette Manöver muss wiederholt werden. Scheinbar gelingt es diesmal. Die Wassertemperatur von 21,7° nutzt Bettina sofort zu einem erfrischenden Bad.

Robert macht sich mit dem Beiboot auf Entdeckungsreise. Um 17.00 legt der Wind zu, wir hören Gewitterdonner, und wir berühren mit dem Bug plötzlich den Felsen. Verdammter Anker! Auch andere Boote haben Probleme und bringen ihre Anker neu aus. Wir lösen die Vorleinen, holen den Heckanker auf und bringen uns neu in Position. Diesmal muss es doch gelingen. Die gesamte 50 Meter lange Ankerleine ist ausgelaufen und wir sind noch nicht am Felsen. Der Anker wird etwas geschleppt, bis wir die Vorleinen zum dritten Mal um Kiefern schlingen können. Es nutzt nichts, bereits nach kurzer Zeit ist klar, dass der Anker wieder slipt. Diesmal verlassen wir die Ankerbucht endgültig, suchen und finden Robert und nehmen ihn auf. Dann steuern wir den zwei Seemeilen entfernten niedlichen und gut gefüllten Gästehafen Malmakvarn an, wo wir noch den letzten Liegeplatz bekommen. Wir sind froh, uns so entschieden zu haben und trinken daraufhin erst einmal ein Anlegebier.

Sonnabend, 04. Juli 2009

Noch vor dem Frühstück nehmen wir unser Morgenbad in einem etwa 300 Meter vom Hafen entfernten See. Sein Wasser ist glasklar und angenehm warm.

Nach uns kommen Hund und Herrchen zum Schwimmen.

Im Naturhafen Malmakvarn hat das Wasser eine Temperatur von 23°.

Um Punkt 12.00 legen wir in Malmakvarn ab. Dank einer leichten Brise brauchen wir heute nicht zu motorenund, sondern können endlich mal wieder segeln. Für die 14 Seemeilen nach Saltsjöbaden brauchen drei Stunden. Unterwegs aufziehende Gewitterwolken entladen sich nicht über uns.

Auf dem Weg nach Saltsjöbaden zieht ein Gewitter auf ... und vorbei.

In Saltsjöbaden scheint die Sonne wieder.

Saltsjöbaden ist ein Villenvorort von Stockholm und ein bekanntes Seebad, erbaut am Ende des 19. Jahrhunderts. Noch immer dominiert das mächtige Grandhotel den Badeort. Es strahlt einen Hauch von Luxus aus.

Lesestunde im Cockpit

Am Abend lädt uns Robert zum Essen ein.

 

Sonntag, 05. Juli 2009

Heute geht die schöne Woche mit Robert leider zu Ende. Auch das Wetter hat es in den vergangenen Tagen durchweg gut mit uns gemeint. Wir haben einen Teil der imposanten Inselwelt des Stockholmer Schärengartens gemeinsam "ersegelt" und viele paradiesische Ankerplätze gefunden. Wir konnten täglich schwimmen und haben uns insgesamt sehr gut vertragen. Diese Woche wird uns in guter Erinnerung bleiben.

Die Lufttemperatur hat sich gegenüber den Vortagen deutlich abgekühlt, ist aber mit 23° immer noch sommerlich. Die Sonne wechselt sich mit Wolken ab und der Wind ist eher mäßig, als wir um 10.40 zu unserer letzten gemeinsamen Etappe ins Zentrum Stockholms zurück starten. Um 13.00 machen wir im Navishamnen von Stockholm fest. Um 14.00 verläßt uns Robert Richtung Hannover. Mit seinem Flugzeug wird mein Cousin Joachim am späten Nachmittag in Stockholm eintreffen. Eine neue spannende Woche liegt vor uns.

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