Wir verlassen Stockholm

Acht Tage sind wir nach unserer zweiten Woche im Schärengarten diesmal in Stockholm geblieben. Bei schönstem Sommerwetter ist die Zeit wie im Fluge vergangen. Wir haben es ruhig angehen lassen, die Großstadt genossen, haben verschiedene Museen besucht, zwei Stadtrundfahrten gemacht (Fotos in der Fotogalerie), uns nochmals mit Dietrich und Rita auf unserem Boot getroffen, waren natürlich mit unseren Fahrrädern unterwegs sowie immer wieder im Stadtzentrum shoppen oder auch nur bummeln. Insgesamt waren wir seit dem 26. Juni mit Unterbrechungen 13 Tage in Stockholm. Wir werden gerne in diese schöne Stadt zurückkommen.

Beeindruckend war einmal mehr der Besuch des Vasamuseums. Das Kriegsschiff Vasa ging am 10. August 1628 im Hafen auf Grund - dem Tag, an dem es seine Jungfernfahrt antreten sollte. Von der etwa 460 köpfigen Besatzung konnten sich 430 retten. Das Wrack war lange verschollen, wurde in den 50-iger Jahren in 35 Meter Tiefe gefunden und konnte 1961, nach 333 Jahren auf dem Meeresgrund, fast komplett geborgen werden. Die wiederhergestellte und mit dem Museum umbaute Vasa bietet einen einzigartigen Einblick in das Schweden des 17. Jahrhunderts und zählt zu den größten Touristenattraktionen der Welt.

Ziemlich schwer haben wir uns mit unseren weiteren Zielen getan. Segeln wir weiter nordwärts, wie ursprünglich geplant, oder bewegen wir uns bereits mit kleinen Schritten und Seitensprüngen zurück, Richtung Heimat. Unschlüssig haben wir das Für und Wieder verschiedener Törnalternativen diskutiert und uns dann aus unterschiedlichen Gründen für einen stressfreien und geordneten Rückzug entschieden. Wir werden uns Zeit lassen und bevorzugt bisher noch nicht besuchte Häfen und Ankerplätze anlaufen.

Sonnabend, 18. Juli 2009

Zwei Monate sind wir jetzt mit unserem Boot bereits unterwegs und weitere zwei Monate haben wir noch Zeit. Um 10.30 legen wir im Navishamn ab, kreuzen kurz darauf das nur wenige hundert Meter breite Fahrwasser und warten dann unmittelbar vor dem Bug des Kreuzfahrers Norwegian Jewel ca. 15 Minuten auf die Öffnung einer Straßenbrücke, die als erstes Hindernis auf dem Weg in den Mälarensee zu passieren ist. Zur Erinnerung: Der Wasserspiegel des Mälaren liegt 60 cm über der Ostsee, er ist der Süßwasserspeicher der Stockholmer, etwa dreimal so groß wie der Bodensee  und ein traumhaftes Segelrevier. Um 12.30 haben wir zwei weitere für Aquamarin zu niedrige Brücken sowie die notwendige Berg-Schleuse mit relativ geringen Wartezeiten passiert und setzen bei leichtem Ostwind und strahlend blauem Himmel die Segel.

Um 17.25 fällt nach 28 Seemeilen für heute der Anker in der Gunnviksviken. Sie liegt 7 Seemeilen nördlich von Mariefred und ist einer der besten Ankerplätze am Mälaren. Wir sind dort nicht allein und auch nicht die einzigen die sofort das 21° wame Wasser zum Baden nutzen.

In der Gunnviksviken verbringen wir einen entspannten Abend und eine ruhige Nacht.

 

Sonntag, 19. Juli 2009

Um 10.00 stehen wir auf, baden und frühstücken anschließend im Cockpit. Der Himmel zieht sich langsam zu, Sonne und Wolken wechseln sich ab, als wir um 11.20 den Anker aufholen und nach Mariefred starten. Nur 2,5 Seemeilen können wir segeln, dann schläft der Wind plötzlich ein und es beginnt zu nieseln. Kurze Zeit später können wir schon das imposante Schloss Gripsholm und die Silhouette von Mariefred in der Ferne erkennen. Bereits um 12.50 machen wir in dem unmittelbar vor dem Schloss gelegenen kleinen Gästehafen fest. In Deutschland ist Mariefred und sein Schloss untrennbar mit dem Namen Kurt Tucholski und seiner bezaubernden Liebesgeschichte "Schloss Gripsholm" verbunden und bekannt. Mariefred ist eine idyllisches kleines Städtchen mit einer lebendigen Innenstadt, vielen alten und farbigen Holzhäusern, einem Marktplatz mit prächtigem Rathaus und einer nostalgischen Schmalspurbahn, mit der man bis Taxinge fahren kann.

Wir machen einen ersten Spaziergang durch das Centrum und anschließend eine Fahrradtour durch die nähere Umgebung von Mariefred. Der Ort wird durch Touristen geprägt. Am Montag wird es ruhiger sein, dann wollen wir auch das Schloss besichtigen.

Montag, 20. Juli 2009

In der Nacht ist starker Wind aufgekommen und es hat ergiebig geregnet. Im Laufe des Vormittags läßt sich die Sonne wieder blicken, es wird mit um die 24° sogar recht warm. Wir besuchen das königliche Schloss Gripsholm. Es beherbergt heute die zentrale und größte Portaitgemäldesammlung Schwedens. Fotografieren ist leider nicht erlaubt. Wir nehmen uns für die Besichtigung viel Zeit.

Am frühen Nachmittag bekommen wir neue Stegnachbarn. Peter und Christa von der Jana vun de Gest. Peter ist Vorsitzender des Yachtclubs Langballigau und (natürlich) ein passionierter und sehr erfahrener Segler. Wir kommen ins Gespräch und tauschen unsere Erfahrungen aus.

Dienstag, 21. Juli 2009

Das Wetter ist weiter durchwachsen, jedoch nicht kalt und mit vielen sonnigen Phasen. Wir machen einen Ausflug mit der historischen 600 mm-Schmalspurbahn. Ein Eisenbahnverein unterhält die Dampfloks, die Waggons, die ebenfalls historischen Bahnhöfe und das Schienennetz. Die Mitglieder machen alles ehrenamtlich, opfern ihre Freizeit und ihren Urlaub und tragen während ihres Einsatzes selbstverständlich auch die alten Uniformen. Uns hat unsere Fahrt in der 3. Klasse (Holz) zum Pensionärstarif viel Spaß gemacht.

Am Abend nutze ich das gut ausgebaute Radwegenetz. Wollte mich einfach mal wieder bewegen. 10 km strampel ich gegen den sehr starken und teils stürmischen Wind bis zum nächsten größeren Ort. Das kostet Kraft, Puste und fast 40 Minuten Zeit. Zurück fliege ich dieselbe Strecke mit Schiebewind in lediglich 18 Minuten, bis zu 45 km/h schnell.

Um 20.00 besuchen uns Peter und Christa an Bord. Es wird ein sehr netter Abend.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Beim Frühstück bekommen wir Spatzenbesuch. Die niedlichen kleinen Kerlchen sind sehr zutraulich, fressen uns aus der Hand. Wir stellen sie mit einem Krümelteller ruhig. Heute soll es nach Södertälje weitergehen. Am frühen Nachmittag verläßt uns die Jane vun de Geest Richtung Stockholm und wir folgen ihr eine knappe Stunde später.

Eine weitere Stunde später kreuzen wir den Kurs der Jane vun der Geest mit Peter und Christa, die sich bei minimalem Wind unter Segeln nur sehr langsam fortbewegen. Wir haben das gar nicht erst versucht. Im Vorbeifahren geben wir nochmals Södertälje als Tagesziel an, entscheiden uns dann jedoch eine halbe Stunde später, wegen der Motorfahrt, doch für den auf dem Wege liegenden alten Wikingerhafen Birka auf der Insel Björko. Schade!

Die Unesco-Weltkulturerbestätte Birka war in der Wikingerzeit das wichtigste Handelszentrum am Mälarensee. Die Stadt wurde gegen Ende des 7.Jahrhunderts gegründet und am Ende des 9. Jahrhunderts aufgegeben. Die heutige Mälarenseeinsel Birka beherbergt mittlerweile ein Museum mit archäologischen Ausgrabungsstücken und Gebäuden, die eindrucksvoll zeigen, wie die Wikinger wohnten und lebten.

Dort legen wir um 17.10 vor Heckanker an, machen einen kurzen Spaziergang, besichtigen das rekonstruierte Winkingerdorf Birka und kurz das Museeum ... und kehren dann erst einmal ein. Da die vielen Ausflügler die Insel um 18.15 mit dem letzten Dampfer verlassen, macht um diese Zeit auch das Restaurant zu. Wir bekommen jedoch noch kurz vorher das von uns bestellte Abendessen. Auf der Terrasse sitzend beobachten wir das bunte Treiben an der Anlegestelle.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Heute hat Bettina Geburtstag. Schon um 08.30 wirft uns der erste Geburtstagsgratulant aus dem Bett. Diese Frühaufsteher! Aber da wir nun schon mal aufgestanden sind, nutzen wir die Morgenstunde für ein erfrischendes letztes Bad im knapp 20° warmen Mälarensee, bevor wir ausgiebig im Cockpit frühstücken und dabei die FAZ von Dienstag zu Ende lesen. Gegen 10.00 melden sich noch Tochter (die Enkel singen im Hintergrund ein Geburtstagsständchen) und wenig später der Schwager. Und kurz vor 11.00 Uhr holen wir den Heckanker auf. Der hatte sich tief in den Tonboden eingegraben, das Heraufholen wird Schwerstarbeit.

Um 13.40 passieren wir die Schleuse in Södertälje und die nachfolgende letzte Klappbrücke, wir lassen das traumhafte Segelrevier des Mälarensees für dieses Jahr endgültig in unserem Kielwasser.

 

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