Es geht wieder südwärts

Donnerstag, 23. Juli 2009

Wir sind zurück auf einem tief ins Land einschneidenden Fjord der Ostsee! Den Mälarensee haben wir in unserem Kielwasser gelassen, die Abwärtsschleuse in Södertälje und die nachfolgende letzte Klappbrücke passiert und anschließend an der wenige hundert Meter entfernten Brücke des Gästehafens festgemacht. Donnerstag ist im Södertälje-Gästhamn Veranstaltungstag . Wir bleiben schon aus diesem Grund noch hier und feiern am Abend bei Livemusik und einigen Gläsern Fadöl den Geburtstag Bettinas. Dabei kommen wir an unserem Tisch mit mehreren lebhaften Schwedinnen (Mutter, Cousine, zwei Töchter) ins Gespräch. Die Familie ist vor etwa 30 Jahren aus Island nach Schweden eingewandert. Wir lernen wieder etwas mehr über Land und Leute.

Freitag, 24. bis Sonntag 26. Juli 2009

Um 11.00 verlassen wir Södertälje, motoren zwei kurze Seemeilen, um dann bei böigen Winden aus westlichen Richtungen und blauem Himmel den größeren Teil des Weges nach Trosa hoch am Wind zu segeln. Um 15.30 ergattern wir gerade noch den letzten für uns infrage kommenden Liegeplatz im bereits überfüllten Gästehafen. In Trosa waren wir bereits auf der Hintour. Der an der Mündung eines kleinen Wasserlaufs liegende niedliche Ort hat eine besonders ansprechende Atmosphäre und eine Unzahl von Gaststätten und Straßencafes. Wir fühlten uns hier Mitte Juni bereits sehr wohl und wollen deshalb jetzt zwei Tage bleiben. Freitag und Sonnabend besuchen wir unterschiedliche Restaurants zum Abendessen, beide noch als nachträgliche Geburtstagsessen gedacht. Die Restaurants sind gut besucht, man wird platziert, gut ausgebildetes Personal begleitet uns zu unserem Tisch und bedient uns zuvorkommend. Wir werden an beiden Tagen nicht enttäuscht. Das Essen schmeckt uns vorzüglich, es gibt viel um uns herum zu beobachten, wir genießen die Abende.

Im Trosa Sjökrog am 24. Juli

Im Fina Fisken Trosa am 25. Juli

Sonntag, 26. bis Donnerstag 30. Juli 2009

Das Wetter bleibt schön, viel Sonne und Temperaturen zwischen 21° und 23° Celsius sowie leichte Winde sind angesagt. Wir verlassen um 13.00 Trosa und segeln acht von insgesamt 16 Seemeilen hoch am Wind südwärts. Unser Tagesziel ist das Naturreservat Ringsön. Es ist eine traumhaft schönes Schärenarchipel mit vielen guten und in alle Windrichtungen geschützen Anker- und Felsliegeplätzen. Hier hat man die sprichwörtliche  Qual der Wahl. Die Felsküsten sind bemerkenswert hoch und fast immer bewaldet. Dichte Schilfgürtel säumen die Flachwasserbereiche der Buchten. Wir suchen uns die allseitig geschlossene und gut besuchte Ankerbucht Västerfjorden/Ringsön aus und wollen hier für einige Tage bleiben.

Es werden anstrengende Tage mit harter Arbeit. Seit einiger Zeit bin ich schon mit der Idee schwanger gegangen, einige mich zunehmend störende Lackschäden an der Backbordseite von Aquamarin zu beheben. An der Steuerbordseite habe ich mich bereits einmal vor zwei Jahren versucht. Es sind nach langen neun Jahren nur kleinere Lackabplatzungen an den Stellen, an denen Aluminium auf Edelstahl trifft... Gedacht, gesagt, getan. Montag Vormittag lege ich los. Durch den 1.500 Watt Spannungswandler haben wir auch auf Ankerplätzen 230 Volt an Bord zur Verfügung und könnten u.a. auch Schleifmaschinen nutzen. Das funktioniert auch gut, ist aber hier leider zu laut. Das kann ich beim besten Willen in dieser stillen Bucht niemanden zumuten. Und damit bleibt nur die Alternative übrig, sämtliche Schleifarbeiten von Hand auszuführen. Wer das noch nicht gemacht hat, wird mich kaum verstehen.

Ich hätte das Thema hier nicht beginnen sollen. Bis Dienstag Abend stehen gute vierzehn Stunden anstrengenster Schleifarbeiten mit 36-iger Korn auf dem Plan. Eine kurze Regenunterbrechung am Dienstag kommt mir da sehr gelegen. Einmal angefangen, entdeckt man immer neue Stellen, die doch bei dieser Gelegenheit gleich mitgemacht werden sollten, müssten, könnten ... Folgerichtig kommen noch Teile des Vordecks, der Aufbauten und der Steuerbordseite unter das Schleifpapier. Alle Knochen tun mir schließlich weh! Am Mittwoch lacht die Sonne wieder, es geht weiter. Nochmals ist jede einzelne Fläche mit grobem Schleifpapier aufzurauen und unmittelbar anschließend mit 2-Komponenten-Epoxigrundierung zu versiegeln. Es dauert alles seine Zeit. Aber am späten Mittag bin ich mit diesen Arbeiten durch, Pause. Nach einer dreistündigen Trocknungs- und Aushärtephase geht es weiter mit dem unumgänglichen Spachteln der bearbeiteten Flächen und der Übergänge. Das macht mir alles überhaupt keinen Spaß mehr! Ich habe allerdings immer Hilfe durch Bettina, die entweder das Beiboot durch Leinen sichert, in dem ich stehend die Bordwände bearbeite, die mir wie eine Zahnarzthelferin Werkzeuge reicht, die geschliffene Flächen per Staubsauger entstaubt oder Spachtelnachschub anmischt.

Zwischendurch gibt es immer wieder Wartezeiten, die zu kurzen Ausflügen oder bei immerhin 20° Celsius Wassertemperatur zu Schwimm- oder Tauchübungen genutzt werden können. Wie überhaupt der Tag grundsätzlich als erstes mit einem erfrischenden Bad begonnen wird. Kurz danach kommen per Versorgungsboot, das zweimal am Tag hier alle Buchten abfährt, knusprige Brötchen und außerdem täglich ein Kilo leckere Erdbeeren an Bord. Wenn diese Highlights nicht wären ...

Donnerstag, 30. Juli 2009

Ich habe keine Lust mehr, brauche eine Pause, nach Plan sollte Aquamarin heute schon wie neu aussehen. Ringe mich aber diszipliniert doch noch zum abschließenden Schleifen aller gestern Abend gespachtelten Flächen durch. Gefahr ist jetzt nicht mehr im Verzug. Alle freigelegten Aluflächen sind mit Epoxi versiegelt, gespachtelt und abschließend geschliffen. Es müssen jetzt noch mindestens zwei, besser drei, Epoxianstriche aufgebracht werden. Geschätzte Arbeitzeit nur noch jeweils 1,5 Stunden, mit dreistündigen Trockenphasen dazwischen. Alles an einem Tag zu schaffen. Anschließend zwei weiße Lackschichten und dann ein bis zwei blaue Lackschichten zur Wiederherstellung der Zierstreifen. Geschätzte Zeit: Zwei Tage mit jeweils 3 Stunden, also alles in allem ganze (halbe) drei Tage. Klingt doch überschau- und leistbar, oder? Tröstlich ist, dass keine körperlich schwere Arbeit mehr gefordert ist. Nur das Wetter muss mitspielen. Temperaturen über 20°, wenig Wind und keine Regenschauer werden gebraucht. Ich werde zu diesem Thema weiter berichten.

Um 12.00 lichten wir den Anker. Es dauert über 20 Minuten, bis wir tatsächlich den Västerfjorden verlassen können: Die Kette hat tief im lehmigen Grund gelegen. So kann sie unmöglich in den Ankerkasten gezogen werden. Ich muss erst Meter um Meter eine dicke Lehmschicht von der Kette abspülen. Anschließend fädeln wir uns unter Motor zwei Seemeilen durch das Schärenfahrwasser, bevor wir alles aufziehen, was wir an Segeln bieten können. Es werden bei Kaiserwetter wunderbare 16 Seemeilen mit halben bis achterlichen Wind. Das haben wir uns verdient! Um 15.20 machen wir im Gästehafen von Nyköping am Außensteg fest. Das Hafenpersonal ist außerordentlich freundlich, spricht fließend deutsch, Brötchen werden an Bord gebracht, es gibt ein drahtloses und gut funktionierendes Internetnetzwerk, was will man mehr?

Nyköping ist eine traditionsreiche und mehr als 800 Jahre alte Handelsstadt mit ungefähr 60.000 Einwohnern. Sie ist heute Provinzhauptstadt des Sörmlands mit wirtschaftlicher Bedeutung durch größere Ansiedlungen von Auto- und Möbelindustrie. Ein moderner Gästehafen wurde 300 Meter südlich des alten Handelshafens errichtet. Dessen mittelalterliche Speicher werden heute durch Restraunts, Cafes und Kunstgewerbler genutzt. Dort herrscht auch Leben und Trubel. Wir machen kurz nach dem Anlegen einen ersten Fahrradstreifzug zum Handelshafen, essen dort erst einmal ein dickes Eis, um dann weiter zum etwa 800 Meter entfernte Stadtzentrum zu fahren. Wir sind uns schell einig, hier bleiben wir mindestes zwei Tage.

Eine größere Bedeutung hat der Ort durch den 7 km entfernten Flughafen Stockholm-Skavsta und die dortige Ryanair-Basis bekommen. Flüge von Lübeck-Blankensee und Bremen nach Skavsta zu Billigtarifen machen jede Stockholmreise erschwinglich. Dabei ist die Bezeichnung Stockholm-Skavsta, in Wahrheit Nyköping, ebenso ein Schwindel, wie Hamburg-Blankensee, in Wahrheit Lübeck. Die Fahrt von Nyköping-Skavsta nach Stockholm dauert so lange, wie der Flug von Bremen nach Skavsta! Nichts desto trotz, unser Sohn ist für etwa 70 Euro von Bremen nach Stockholm (Skavsta) und zurück geflogen.

Im Gästehafen von Nyköping, auf beiden Fotos sind Teile unseres Arbeiten im Naturreservat Ringsön zu sehen.

Freitag, 31. Juli 2009

Früh werden die Brötchen an Bord gebracht. Einem ordentlichen Frühstück steht damit nichts mehr im Wege. Das Göttinger Tageblatt steht uns auf dem Laptop zur Verfügung. Fast wie zu Hause. Anschließend steht ein Großeinkauf im nahen Lidl auf dem Plan, dann Wäsche waschen, Pflege der Homepage, Stadtbummel und ... schon ist der Tag herum. Wie schnell ist nichts getan! Das bis zum Mittag sonnige Wetter geht anschließend in unbeständiges, dann regnerisch und kühles Wetter über. Hoffentlich handelt es sich nur um eine kurze Störung.

Sonnabend, 01. August 2009

Tatsächlich zeigt sich am Sonnabend die Sonne wieder am Himmel. Noch vor dem Frühstück werden ab 9.00 einige Telefonate geführt und um 11.15 wird abgelegt. Tagesziel ist Oxelösund, lediglich 10 Seemeilen entfernt. Mit dem heutigen leichten Westwind kann die gesamte Strecke segelnd zurückgelegt werden. Die angekündigte Drehung auf östliche Richtungen würde am Montag eine Motorfahrt erforderlich machen. Bereits um 13.45 machen wir nach einer entspannten Segelfahrt an einer Heckboje des städtischen Yachthafens Oxelösund in der Badhusviken fest. Auch hier gehört ein kosten- und drahtloses Internetangebot für die Gäste zum Hafenservice. Wir machen erst einmal eine Einkaufstour in das ca. 1 km entfernte Ortszentrum und später einen Ausflug in den 2,5 km entfernten Fischereihafen. Im dortigen Hafenkrog bestellen wir uns jeder einen halben Liter Bier und setzen uns im direkt am Wasser gelegenen Garten in die Sonne.

Später kommen wir mit dem Eignerehepaar der Swedenyacht 36 Lady x aus Orth auf Fehmarn ins Gespräch, werden an Bord zu Bier/Wein eingeladen und bleiben dort bei interessanten Gesprächen bis kurz vor 20.00. Zurück in unserem Hafen lösen wir im Hafenrestaurant Eintrittskarten für einen Tanzabend mit Livemusik. Unsere Erwartungen werden jedoch etwas enttäuscht, da die Band nicht besonders motiviert ist und am liebsten lange Pausen macht. Wir gehen deshalb bereits vorzeitig gegen 24.00 zurück aufs Boot und legen uns dann auch bald aufs Ohr.

Sonntag, 02. August 2009

Das Wetter bleibt sommerlich, es herrscht heute allerdings absolute Flaute. Wir verlassen um 12.40 das gastliche Oxelösund und motoren über eine spiegelglatte See insgesamt 16 Seemeilen bis zum Arkösund. Die gesamte Navigation übernimmt Bettina, nachdem wir das Ziel und den Schärenweg dorthin gemeinsam vorbesprochen haben. Dort angekommen machen wir im Beckmanshamnen fest und treffen auf das Seglerehepaar von der Lady x, bei denen wir am Vortag an Bord zu Gast waren. Nach einem ersten Spaziergang, bei dem wir u.a. ein Kilo Shrimps erwerben, gehen wir gemeinsam Kaffee trinken. Die beiden empfehlen uns als nächste Stationen Haskö und Harstena und wir wollen dieser Empfehlung folgen.

Blick über den Arkösund

Den Abend verbringen wir an der Bar des Arkösund-Hotels, wo eine Dixilandgruppe
mit schmissigen Rhythmen aufwartet.

Montag, 03. bis Mittwoch 05. August 2009

Um 12.05 heißt es Leinen los. Wir nehmen uns Zeit und sind auch heute, wie inzwischen üblich, so ziemlich die letzten, die den Hafen verlassen. Im schwedischen Schärenparadies haben wir uns Tagesetappen von drei bis maximal vier Stunden angewöhnt. Die reichen uns und lassen keine Hektik aufkommen. Wenige Meter nach dem Ablegen sind die Segel gesetzt. Sie werden heute bei leichten raumen Winden erst nach guten drei Stunden und 17 Seemeilen im malerischen Naturhafen von Haskö wieder eingerollt. Wir ankern auf sieben Meter Wassertiefe, etwa 100 Meter von einem Anlegesteg entfernt, unmittelbar vor einem Bauern-/Fischergehöft. Diese Erzeugergemeinschaft betreibt in Haskö einen kleinen Anleger mit Sauna und beheizbaren Badefässern, verkauft Eis sowie andere Kleinigkeiten und natürlich frischen und geräucherten Fisch. Auch wir kaufen uns aus dem Fang von gestern einen ofenfrischen geräucherten ganzen Lachs für umgerechnet knapp zehn Euro! Vorher haben die Götter aber den Schweiß in Form eines zweiten und bereits leicht überfälligen Epoxi-Grundierungsanstrichs an den Schadensstellen unseres Schiffes gesetzt. In guten zwei Stunden erledigen wir die unangenehme Arbeit.

Lady x hat am Anleger von Haskö vor Heckanker festgemacht. Den Abend verbringen wir mit dem Eignerehepaar Kira und Engel nebst Dackel erst im Cockpit und später im Salon diese Segelschiffs. Es wird wieder ein sehr netter Abend. Lady x wird morgen weiter segeln, wir wollen noch einen Tag bleiben, um am nächsten Vormittag den dritten und am frühen Nachmittag den vierten Epoxiauftrag vornehmen zu können. Wenn es gut geht wollen wir dann am frühen Abend die erste Lackschicht auftragen. Das gelingt uns dann bei den hochsommerlichen Wetterverhältnissen auch tatsächlich wie geplant. Ein anstrengender Tag, bei dem wir uns in den Arbeitspausen immer mal wieder im inzwischen 20° warmen Wasser erfrischen können.

Sommerliche Abendstimmung in Haskö

Mittwoch, 05. August 2009

Nach den Anstrengungen des Vortages genießen wir das frühmorgendliche Schwimmen und unser Frühstück. Dann verlassen wir Haskö um 10.10 und motoren zum nur vier Seemeilen entfernten Fischerdorf Harstena, vor dem wir um 10.50 unseren Anker ausbringen. Unmittelbar anschließend wird der zweite weiße Decklack aufgebracht. Bei 28° Celsius Lufttemperatur trocknet die Farbe beinahe unterm Pinsel. Um 14.30 ist auch diese Arbeit geschafft und die Kür kann beginnen. Wir rudern den kurzen Weg zum Anleger und erkunden in einem zweieinhalbstündigen Spaziergang das malerische Fischerdorf und die Insel Harstena. In der Hauptsaison liegen hier die Yachten dicht bei dicht an den Stegen und Felsen, oder ankern wie wir in unmittelbarer Nähe des Dorfes. Ab 11.00 Uhr fallen mit Ausflugsschiffen herbeigeschaffte Touristen ein, auf den Dorfwegen wird es dann schon mal eng. Zum Abend hin wird es dann wieder ruhiger. Früher lebten die Bewohner der Insel vom Robbenfang. Robben gab es hier auf den umliegenden Felsklippen in ausreichender Zahl. Heute gibt es kaum noch ständige Bewohner und auch Robben sieht man nur noch selten. Die Häuser werden fast durchweg von Feriengästen genutzt.

Aquamarin vor dem Fischerdorf Harstena

Sehr dörflich: Die Dorfbäckerei

Eine Attraktion: Die einzigartigen roten Seerosen von Harstena

Abendessen auf der Veranda des Restaurants Loftet, Harstena

Vollmond über Harstena

 

Donnerstag, 06. August 2009

Der Tag beginnt wieder mit einem morgendlichen Bad und dem obligatorischen ausgiebigen Frühstück. Dann beginnt der vorläufig letzte Akt unserer Ausbesserungsarbeiten an unserem Schiff. Die kaum noch vorhandenen Zierstreifen werden neu abgeklebt und anschließend mit blauem 2-Komponenten-Lack in altem Glanz wieder hergestellt. Um 13.00 stellen wir erleichtert fest: Aquamarin sieht wieder aus wie eine Segelyacht.  Um 13.30 lichten wir den Anker und motoren bei leichtem sommerlichen Gegenwind 2:20 Stunden und kurze 13 Seemeilen bis St Alö/Blankö, wo wir unerlaubter Weise an einer Boje des schwedischen Seglerverbandes festmachen. Da bis zum späten Abemd zwei Bojen frei bleiben, gibt es daraus kein Folgeproblem. Wir erleben und genießen einen wunderschönen Sommer-Sonnen-Nachmittag mit Kaffee/Baden/Lesen/Sonnen/Faulenzen/Entspannen.

 

 

Freitag, 07. August 2009

Für unsere Verhältnisse stehen wir extrem früh auf, Baden, frühstücken, fast alles wie gehabt. Um 09.40 lösen wir die Leinen an der Festmacherboje, motoren ein kurzes Stück und segeln dann mit achterlichem Wind und drei bis vier knoten Fahrt gemütlich durch die zwölf Seemeilen lange Valdemarsviken nach Valdemarsvik, wo wir um 12.50 festmachen.

Beim Anlegen fällt unserere Bugschraube aus und wir holen uns prompt unsere erste Schramme nach unseren Lackierarbeiten an der Scheuerleiste. Ärgerlich, der Kratzer läßt sich aber beheben.

Valdemarsvik ist eine Kleinstadt am Ende der etwa zwölf Seemeilen langen, landschaftlich schönen, fjordartigen Valdemarsviken. Mit einem Boot kann man direkt in dem gut ausgebauten Gästehafen im Stadtzentrum, umgeben von hohen und bewaldeten Felsen festmachen. Das gesamte Umfeld ist freundlich gestaltet, Restaurants, Einkaufsläden und ein großer ICA-Supermarkt prägen das Bild. Aus Valdemarsvik stammt Nils Liedholm, einer der größten schwedischen Fußballer und Nationalheld (Olympiasieger, 2. WM 1958), der seine größten Erfolge sowohl als Spieler, als auch als Trainer, beim AC Mailand und bei AS Rom feierte.

 

Sonnabend, 08. August 2009

Wir bleiben noch in Valdemarsvik. Nicht mit Freude aber mit viel Pflichtgefühl, nehme ich mir einige Nacharbeiten am Lack unseres Bootes vor, die tatsächlich nochmals eine deutliche Verbesserung erbringen. Auch die Schramme von gestern ist nicht mehr zu sehen.

Dann nehme ich mir die Bugschraube vor und messe Schalt- und Arbeitskreis mit meinem Multimeterinstrument durch. Ich prüfe auch die Kohlekontakte, finde aber auch hier keinen Hinweis auf einen möglichen Fehler. Danach löse ich alle Starkstromanschlüsse, säuber und schleife die Kontaktflächen und stoße auf einen Masseanschluss, der sich nur mit Gewalt und auch dann nicht vollständig lösen läßt und eine kleine Abbrandstelle aufweist. Tatsächlich läuft die Bugschraube nach der notdürftigen Säuberung kurz an, sprüht an dieser Stelle Funken und steht dann wieder. Eine weiter Stunde führt dann zu einer Notlösung, die den Gebrauch bis zum Saisonende sichern sollte. Ausbau und Reparatur in einer Elektromotorenwerkstatt werden dann aber unumgänglich.

Den Abend bringen wir im Cockpit sitzend zu. Nach dem Abendessen bringe ich unsere Internetseite auf den neuesten Stand. Das für die Hafennutzer mit einem Code zur Verfügung stehende kostenlose drahtlose Internet ist stabil und einsame Klasse!

Sonntag, 09. August 2009

Um 09.00 sitzen wir beim Frühstück im Cockpit. Um 10.30 starten wir eine kleine Radtour.

Am späten Mittag wollen wir Valdemarsvik wieder verlassen und uns ca. 18 Seemeilen weiter nach Süden bewegen. Bei lediglich leichtem Wind aus südlicher Richtung wird es wohl eine Motorfahrt werden. Unser Ziel ist die Ankerbucht Karö 57°54,19N nur ca. 16 Seemeilen von Västerviks Marina entfernt, die wir dann Montag ansteuern wollen.

Um 12.45 geht es bei herrlichem Sommerwetter los. Leider kommt der Wind die ersten 12 Seemeilen im engen Fahrwasser der Valdemarsviken direkt von vor, die nächsten 10 Seemeilen dann immer noch aus 20° zur Fahrtrichtung. Uns bleibt nichts anderes übrig als gegenan zu motoren, sitzen im Cockpit auf dem Süllrand und benutzen die Fernsteuerung. Um 16.45 haben wir in der Karöbucht den Buganker ausgebracht und sind kurze Zeit später bereits im 22° warmen Wasser zu finden. Ich putze vom Wasser aus und mit Hilfe einer Schwimmweste den Wasserpass und befreie dann die Bugspitze von häßlichen Gilbflecken. Nach und nach bekommen wir noch Gesellschaft von weiteren vier Segelyachten. Wir erleben einen entspannten Abend und eine ruhige Nacht.

Montag, 10. August 2009

Heute zeigt sich die Sonne nur verschleiert, die Lufttemperatur beträgt aber immer noch 25°! Wir baden, frühstücken und lesen, in der Reihenfolge und holen kurz vor 12.00 den Anker auf und verlassen die hübsche Bucht auf der Insel Karö. Nach sechs Seemeilen Motorfahrt können wir die nächsten 11 Seemeilen segeln. Um 15.00 legen wir im Gästehafen von Västervik an. Der Himmel ist inzwischen bewölkt, die Sonne verschwunden. Ein Wetterwechsel deutet sich an. Nach der Bezahlung des saftigen Hafengeldes in Höhe von 310 SEK machen wir uns per Fahrrad auf den Weg in die hübsch angelegte und gut erhaltene Stadt. Leider haben wir nicht an Fotos gedacht. Mit dem Lesen der Welt vom vergangenen Sonnabend und der Welt am Sonntag sind wir dann den Abend über gut beschäftigt.

Die Silhouette von Västervik im Regen

Dienstag, 11. August 2009

Wir wollen erst wegen des in seiner Höhe nicht gerechtfertigten Hafenentgelts in einen anderen Gästehafen von Västervik wechseln, entscheiden uns dann jedoch kurz entschlossen zu einem Kurztrip zur Schäreninsel Idö, die nur sechs Seemeilen entfernt ist. Seit dem 15. Jahrhundert diente diese Insel als Lotsenstation und Ausguck, war jedoch für Fahrtensegler bis vor wenigen Jahren unbedeutend. Durch die Errichtung eines kleinen Gästehafens und eines hervorragenden Restaurants hat sich die Situation jedoch vollkommen verändert. Heute ist Idö eine wirklich gute Empfehlung. Wir starten um 11.45 im Nieselregen. Unsere Kuchenbude haben wir wegen des kurzen Weges und natürlich wegen des Regens erst gar nicht abgebaut. Eine Premiere, wir haben dies bisher noch nie gemacht. Bereits um 12.50 legen wir im Hafen von Idö an, bezahlen das Hafengeld von 120 SEK und bestellen einen Tisch für den heutigen Abend. Nach dem Kaffee, mittlerweile hat sich die Sonne wieder hervorgewagt, erkunden wir in einem zweistündigen Spaziergang die kleine Insel und besichtigen auch den alten Lotsenturm, der seit 1985 nicht mehr in Betrieb ist.

 

 

Mittwoch, 12. August 2009

Um 10.50 verlassen wir Idö. Es ist sonnig, der Wind kommt aus W mit 10-15, in Böen auch gut 20 Knoten. Von den 29,5 Tagesmeilen können wir 19 Seemeilen segeln. Kurz vor 16.00 machen wir in Figeholm mit Heckboje fest. Wenig später erleben wir ein kräftiges Gewitter. Unsere Kuchenbude haben wir rechtzeitig aufbauen können. Wir bekommen eine SMS unserer dänischen Segelfreunde Petrea und Gerhard von der SY-Pernille, mit denen wir seit 2007 Verbindung halten. Sie sind zur Zeit in Kalmar und und wollen dort auf uns warten. Ich rufe zurück und kündige unser Kommen für Donnerstag an.

Auf unserem Nachbarboot ist Lora, ein über 50 Jahre alter Papagei, wichtigstes Crewmitglied. Er klettert frei umher und macht wenig Lärm. Der Skipper ist seine wichtigste Bezugsperson, die Bordfrau darf ihn aber auch verwöhnen. Beide umsorgen ihn ganztägig. Der Ara läßt sich gern und ausdauernd kraulen oder mit Leckereien verwöhnen. Die Winschkurbel ist sein liebster Platz im Cockpit.

Donnerstag, 13. August 2009

Wir stehen etwas früher als gewöhnlich auf. Bereits um 09.20 sind wir auf dem Weg nach Kalmar. Der Himmel ist wolkenlos, es weht kaum ein Lüftchen. Die 48 Seemeilen bis nach Kalmar müssen wir motoren. Als wir um 16.40 die Hafeneinfahrt erreichen, öffnet der Himmel seine Schleusen und Starkregen prasselt auf uns nieder. Wir wollen beim Anlegen nicht bis auf die Knochen nass werden, nehmen Fahrt aus dem Schiff und lassen uns etwa 15 Minuten mit leichten Motorkorrekturen treiben. Als wir dann unser Anlegemanöver endlich starten können, kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Gerhard nimmt unsere Vorleinen an, wir liegen direkt neben dem Boot unserer dänischen Segelfreunde am Stadtkai.

Nach der Begrüßung sitzen wir im Salon der Pernille zusammen. Wir haben uns viel zu erzählen. Später gehen wir gemeinsam in das nahe Stadtzentrum zum Italiener essen. Auf dem Weg treffen wir unsere Segelbekannten von der Lady x. Es wird ein netter und beschwingter Abend.

Freitag, 14. bis Mittwoch 19. August 2009

Es ist sonnig und warm. Wir gehen einkaufen, halten hier und da ein Schwätzchen und richten uns darauf ein, einige Tage in Kalmar zu verbringen. Der Wetterbericht sagt mindestens bis Dienstag kommender Woche zunehmende Westwinde mit Starkwind- und Sturmböen voraus. Petrea und Gerhard wollen mit ihrer Pernille vorher noch einen kleinen Schlag weiter und verlassen Kalmar gegen Mittag Richtung Bergkvara. Ich versuche stattdessen, jedoch ohne Erfolg, unsere Satelitenantenne auf ASTRA auszurichten, um deutsches Fernsehen zu empfangen. Offensichtlich stehen die hohen Hafengebäude im Weg. DVB-T bringt auch nichts, wir erreichen fast ausschließlich die schwedische Bezahlsender, die durchweg verschlüsselt sind. Ich bin etwas frustiert: Die morgen beginnenden Leichtathletikweltmeisterschaften wollte ich auf jeden Fall im Fernsehen verfolgen. Wir entschließen uns deshalb, ebenfalls nach Bergkvara zu segeln. Dort haben wir ein freies Umfeld und möglicherweise reicht das zum Fernsehempfang. In diesem Fall ließe sich auch eine mehrtägige Zwangspause in der (fast) freien Natur gut überstehen.

Wir verlassen Kalmar um 14.45. Lady x möchte die nächsten Starkwindtage lieber in einer Stadt verbringen und bleibt, wie die meisten anderen deutschen Boote. Die Sonne scheint und wir kommen die erste Stunde gut voran. Als sich dann eine schwarze Wolkenwand nähert und wir weißes, sich brechendes Wasser auf uns zukommen sehen, nehmen wir blitzschnell die Segel weg und schaffen es gerade noch unter großer Kraftanstrengung unser wild schlagendes Groß einzurollen. Wir sehen 33 Knoten Wind auf der Anzeige, knappe 8 Bft. Es bleibt etwa 20-30 Minuten sehr stürmisch, ehe der Wind wieder abflaut und später auch die Sonne wieder hervor kommt. Als wir in Bergkvara um 17.55, nach genau 22 Seemeilen, anlegen, zeigt unser Windmesser um die 15 Knoten aus West an. Petrea sitzt im Bootsmannstuhl hoch im Mast. Wir können uns erst keinen Reim darauf machen. Später erfahren wir, dass die beiden Dänen ihre Rollfock zu spät weggenommen haben und ihnen die Böenwalze das Vorsegel zerfetzt hat. Einem weiteren deutschen Boot ist genau das gleiche passiert.

Am Abend versuche ich auch hier, ASTRA anzupeilen. Es gelingt mir trotz eines freien Sichtfeldes nach Süden nicht. Vielleicht mache ich einen blöden Fehler, eventuell ist auch irgend etwas mit meiner Sat-Schüssel, die nur 40 cm misst, nicht in Ordnung. Es gelingt mir jedoch, über das hier vorhandene drahtlose Internet, mich in Livestreamübertragungungen der WM einzuklinken und das Geschehen in Berlin auf dem Laptop zu verfolgen. Na also, geht doch auch!

Die Tage verbringen wir mit Arbeiten am Boot, lesen, WM anschauen, mit den Bootsnachbarn quatschen, spazieren gehen und mit dem Rad zum Einkaufen in das 7 Kilometer entfernte Städtchen Torsas strampeln. Das alles zumeist bei Sonne, jedoch stark böigem Wind. Übrigens, unsere Bootsnachbarn aus Berlin haben eine Meise! Und zwar eine sehr eigenwillige, echte Meise. Pieps ist sechs Jahre alt und ein Findelkind. Es wurde als nacktes, wenige Tage altes Vögelchen gefunden und großgezogen. Pieps ist auf Menschen geprägt und hält sich wohl auch selbst für einen Menschen. Der Vogel fliegt frei im Haus umher, sitzt ständig auf der Schulter und hat sehr genaue Vorstellungen von einem geregelten Tagesablauf. Er will immer um genau sieben Uhr in seinen Schlafkäfig, aber erst, wenn dieser mit sauberen Zellstoffblättchen ausgestattet wurde. Er legt sich dann hin und zwar sowohl auf den Rücken, als auch auf die Seite und deckt sich mit einigen Papierblättern wie in einem Bett zu. Hätten wir es nicht mit eigenen Augen gesehen, wir würden das nicht glauben.

Auch heute, am Dienstag, ist es wieder sonnig und wenn man sich nicht gerade direkt dem Wind aussetzt auch warm. Der kommt immer noch mit Böen bis 30 Knoten aus West. Wir wollen deshalb, wie die meisten anderen Segler auch, noch einen weiteren Tag hier abwarten. Um 11.00 Uhr sind wir beide beim Friseur in Torsas angemeldet. Um 10.30 strampeln wir auf unseren Fahrrädern los. Der starke Gegenwind läßt uns ziemlich ins Schwitzen kommen. Um 13.30 sind wir mit geschnittenen Haaren und dem Rucksack voller Einkäufe in Bergkvara zurück. Ein normaler Herrenschnitt kostet hier umgerechnet stolze 32 Euro! Zum Ausgleich haben wir dann für Bettinas Haarschnitt, inclusive Waschen, Spülung, Festiger, Spray etc. ebenfalls (nur) 32 Euro bezahlt. Als ich im letzten Jahr in Strömstadt schon einmal 32 Euro für meinen Haarschnitt bezahlen musste, glaubte ich noch über den Tisch gezogen zu werden. Inzwischen weiß ich, das ist der normale Tarif. Die Herren zahlen hier wohl für die Damen mit.

Am Abend schaue ich mir im Cockpit sitzend den 4. Wettkampftag der Leichtathletik-WM als ZDF-Livestream auf meinem Laptopp an. Der Wind läßt langsam nach. Die Windvorhersage lautet für Mittwoch nur noch 4-8 Knoten aus NW, im laufe des Tages auf SE drehend. Wir wollen morgen weiter nach Karlskrona und sind gespannt, ob der Wind zum Segeln ausreicht.

 

Mittwoch 19. August 2009

Es wir stehen für unsere Verhältnisse früh auf und legen bereits um 08.05 in Bergkvara ab. Es ist ein wunderschöner Morgen, wie befürchtet läßt allerdings der Wind zu wünschen übrig. 3 Knoten aus Nordwest, das ist zu wenig um mit unserem Schiff unter Segeln voran zu kommen. Vielleicht würden wir mit einem Blister auf knapp drei Knoten Fahrt kommen. Den haben wir aber nicht. So wird es wieder eine Motorfahrt. Gegen 09.30 dreht der Wind auf einmal schlagartig auf SSW und frischt etwas auf. Bei einem Kurs von 200° ist das genau gegenan! Um 11.50 verlassen wir den Kalmarsund bei Torhamn und segeln, jetzt mit achterlichem Wind, im inneren Schärenfahrwasser Richtung Karlskrona. Unterweg müssen wir eine 18 Meter hohe Brücke passieren. Vor zwei Jahren mussten wir mit unserem damaligen 19 Meter hohen Rigg noch einen größeren Umweg fahren. Unsere Gesamthöhe, Mast 17,50 Meter plus Antenne 0,50 Meter, beträgt seit dem letzten Jahr genau 18.00 Meter. Wir kommen also rechnerisch durch. Trotzdem trauen wir den Frieden nicht so ganz, nehmen unmittelbar vor der Brücke die Segel weg und schieben uns ganz langsam an die Brückenträger heran.

Wir kommen durch! War eigentlich klar und doch ziemlich spannend.

Karlskrona in Sicht

Ein Tarnkappenschnellboot der schwedischen Marine

Karlskrona ist der größte schwedische Marinestützpunkt

Um Punkt 15.00 machen wir nach insgesamt 42 Tagesmeilen im landschaftlich schön gelegenen Vereinshafen des Karlskona Segelsällskap,  auf der dem Stadtzentrum vorgelagerten Insel Dragsö, fest. Den Abend verbringen wir mit Bier und Kartoffelchips vor dem Fernseher im Clubraum unseres Yachthafens bei einer Liveübertragung der Leichtathletik-WM aus Berlin. Morgen früh wollen wir versuchen, in einer Werkstatt im Fischereihafen, unsere Bugschraube reparieren zu lassen. Mal sehen ob uns das tatsächlich gelingt.

Den Donnerstag beginnen wir erst einmal mit unserem obligatorischen Frühschwimmen vom Boot aus. Später fahren wir zum Fischereihafen und verabreden uns dort für morgen Vormittag. Ein Mechaniker wird sich dann den Motor unserer Bugschraube ansehen. Danach geht es weiter in das Stadtzentrum und zum Marinemuseum, das wir nach 2007 schon zum 2. Mal besuchen. Nach knapp drei informativen Stunden sind wir wieder draußen und vertilgen erst einmal in der Innenstadt Riesenportionen Eis.

Wie am Vorabend kann ich auch heute im Clubraum des Hafens die Leichtathletik Weltmeisterschaften in Berlin im Fernsehen verfolgen. Alle Leute sind hier sehr nett. Der Hafen hat eine sehr persönliche Note und als weitere Empfehlung ein hervorragendes drahtloses Lan im Angebot.

So beginnen wir unsere Arbeitstage am liebsten

Der zentale Marktplatz von Karlskrona

Lidl ist auch nicht weit, wir fühlen uns wie zu Hause

Karlskrona ist Weltkulturerbe. Es liegt malerisch auf mehr als 33 Inseln inmitten Schwedens südlichstem Schärengarten, der insgesamt über 1.650 Inseln zählt!

Gegenüber unserem Hafen befindet sich ein sehr schöner Campingplatz mit kinderfreundlichem Badestrand

Freitag 21. August 2009

Heute sind wir genau drei Monat unterwegs. Bereits um 06.30 sind wir auf den Beinen. Wir baden kurz, frühstücken und verlassen den malerisch gelegenen Clubhafen Dragsö um 07.30 um eine Viertelstunde später im Fischereihafen von Karlskrona anzulegen. Hier warten wir auf Thomas, mit dem ich heute morgen wegen unseres Bugstrahlmotors verabredet bin. Um 08.40 erwische ich einen Mitarbeiter des Marineausstatters am Hinterausgang, der Betrieb macht erst um 09.00 auf, frage nach Thomas und erhalte die Auskunft, dass der heute frei hat. Als ich auf meine erst gestern Nachmittag getroffenen Verabredung hinweise, bekomme ich nur ein Schulterzucken als Antwort.

Ich gehe in die Werkstatt direkt am Kai und treffe dort drei Mechaniker mehr oder weniger bei der Arbeit an. Ich frage auch hier nach Thomas, mit dem ich verabredet bin. Ich schildere auch gleich mein Problem mit der Bugschraube. Thomas wird auf alle Fälle heute hier nicht mehr auftauchen. Aber einer der Mechaniker ruft Thomas an und spricht mit ihm. Er hat mich vergessen und bittet nun einen seiner Mitarbeiter sich um die Bugschraube zu kümmern. So richtig Lust hat keiner der drei. Den jüngsten trifft es. Er schaut sich das Problem an Ort und Stelle an, ist sich aber nicht sicher, ob hier Bordmittel reichen oder ob nicht doch Ersatzteile gebraucht werden, die hier frühestens Donnerstag nächster Woche eintreffen könnten. Ich werde überzeugt, dass es wohl das Beste ist, einstweilen auf die Bugschraube zu verzichten und erst im Winterlager die Reparatur einzuleiten.

Der Tag beginnt ja gut. Um 09.30 lösen wir die Leinen im Fiskehamn und nehmen Kurs auf die 4,5 Seemeilen entfernte Hasslöbron, die wir nur mit der Genua segelnd mit raumen Wind und guter Fahrt um 10.15 erreichen. Die Brücke ist geschlossen und wir kreisen mehr als 20 Minuten, bis ich über Kanal 12 Kungsholmen anrufe und nach der Öffnungzeit frage. Ich glaube meinen Ohren nicht zu trauen: Die durch Kameras fernüberwachte Brücke ist heute geschlossen. In der Leitzentrale hat man uns unsere Kreise steuern sehen und darauf gewartet, dass wir irgendwann anrufen und nachfragen. Das ist wirklicher Service, vielen Dank! Wir müssen zurück, uns durch enge Schärenfahrwasser schlängeln und etwa fünf Seemeilen Umweg in Kauf nehmen. Als wir im Außenfahrwasser wieder auf Westkurs sind, ist der Wind fast eingeschlafen. Wir können nur noch eine weitere Seemeilen segeln, wenig Wind und eine hohe Dünung lassen die Segel schlagen, und dann wird entnervt der Motor gestartet.

Um 13.45 machen wir nach 21 Seemeilen und bei Kaiserwetter im kleinen Hafen von Ekenäs an Auslegern fest. Ekenäs gehört zu Ronneby und wir wollen am Nachmittag mit unseren Fahrrädern in das 7 Kilometer entfernte Zentrum dieses Städtchens fahren. Aber vorher tauche ich noch im Motorraum unseres Bootes ab und ziehe sämtliche Befestigungsbolzen der Motorlager nach. Ich war mir nicht sicher, ob ich vorher neue Motorgeräusche wahrgenommen habe. Tatsächlich lassen sich fünf von 12 Muttern nachziehen.

Im Kurpark von Ronneby, Felsen, Wasserfälle, riesige Rhododendren, leider nicht mehr zur Blütezeit

Die Stadt muß ausgezeichnete Gärtner beschäftigen, überall Blumen, hier sogar Palmen

Sonnabend, 22. August 2009

Auch heute beginnt unser Tag mit einem Bad und anschließender heißer Dusche auf der Badeplattform. Wir frühstücken anschließend und fahren dann mit der Fähre (für Hafennutzer frei) auf die gegenüberliegende Schäreninsel Karö. Dort machen wir einen längeren Spaziergang bevor wir zurückfahren und uns dann nochmals nach Ronneby bewegen.

Die Fähre nach Karö fährt pausenlos, im Hintergrund unsere Aquamarin

Für Freibäder gibt es hier nur eine zweimonatige Saison, hier auf Karö

Gleich geht es zurück

Ronneby Marktplatz

Kleine Rast im Kurpark: In der Innenstadt konnte ich an gegrillten Rippchen nicht vorbeigehen

Am späten Nachmittag (und Abend) kam unsere Satelitenschüssel mit Erfolg zum Einsatz: LA-WM in Berlin

Sonntag, 23. August 2009

08.30 aufgestanden und gefrühstückt. Einer plötzlichen Eingebung folgend, werden nochmals alle möglichen Standorte für unseren Fernseher gesucht, geprüft, gemessen, verworfen und endlich konkretisiert. Es fogen Messen, Sägen, Feilen, Bohren, Gewindeschneiden und, und, und. Am Ende haben wir einen nahezu idealen Standort für unseren Bildschirm gefunden und eingerichtet.

Um 12.20 sind wir soweit, dass wir Ekenäs verlassen können. Wir waren gern hier. Bei südlichen Winden um 10 Knoten können wir mit 13 Seemeilen den größten Teil unseres Weges von 17 Sm nach Karlshamn segeln. Um 15.10 legen wir in Svanevik/ Karlshamn an. Es ist ein modern ausgebauter Yachthafen, allerding mit fast ausschließlich zu kleinen Boxen. Ich fahre mit dem Fahrrad in den nur wenige hundert Meter entfernten Fiskehamn, kläre dort die Situation, kehre zurück und verhole mit Bettina Aquamarin in diesen alten, aber lebendigen Fischerhafen, wo wir endgültig um 16.10 festmachen. Um 17.00 besuchen wir mit dem Fahrrad die 3,5 Km entfernte Innenstadt von Karlshamn mit ihrem imponierenden Marktplatz, später gehen wir in ein gut besuchtes Fischrestaurant essen. Zurück an Bord bringe ich unsere Internetseite auf Vordermann, jetzt benötige ich nur noch ein drahtloses Netzwerk.

Montag 24. August 2009

Um 09.20 verlassen wir Karlshamn und nehmen direkt Kurs auf den 45 Seemeilen entfernten Hafen von Simrishamn. Der Wind weht erst schwach aus Ost, so dass wir mit voller Besegelung gerade zwischen 3 bis maximal 4,5 Knoten schnell sind. Bis 12.20 dreht er langsam auf SE und nimmt an Stärke zu. Wir segeln 45 bis 50° am scheinbaren Wind mit inzwischen verkleinerten Tüchern. Statt der Genua kommt die Fock zum Einsatz. Bis zum Nachmittag erreicht der Wind 5 Bft., wir reffen das Groß etwas ein und machen mit 15-20° Lage zwischen sechs und sieben Knoten Fahrt. Um 17.10 machen wir in Simrishamn fest. Der Motor lief heute nur zum Ab- und Anlegen. Morgen soll der Wind noch etwas zunehmen und weiterhin aus SE wehen. Wir wollen dies nutzen und weiter Richtung Trelleborg gehen.

Dienstag 25. bis Mittwoch 26. August 2009

Wir stehen um 08.00 auf. Der Himmel ist strahlend blau. Ich lese das Göttinger Tageblatt und stelle fest, dass wir nun zurückkommen können: Die Reinhäuser Landstraße ist endlich fertiggestellt. Wie schön! Nach dem Frühstück legen wir um 10.30, zwischen zwei Booten eingekeilt, gegen starken Winddruck, durch Einfahren in die Achterspring ab. Das Manöver funktioniert gut, der Bug dreht sich gegen den Wind langsam hinaus, wir können aus der engen Lücke auch ohne unsere defekte Bugschraube starten. Wir haben noch im Vorhafen von Simrishamn unser Groß ausgerollt und wenig später steht auch die Fock. Mit 12-15 Knoten Wind aus SSE segeln wir 40-45° am scheinbaren Wind. Durch eine schräg von vorn kommende 1,5 Meter hohe Welle setzen wir ständig hart ein und werden gebremst. 2,5 bis drei Knoten Fahrt mit starker Schräglage bis zum 14 Seemeilen entfernten Kap, ab dem wir dann auf einen raumen Westkurs gehen können, sind uns zu langsam. Wir lassen das Groß stehen und werfen den Diesel an. Spaß ist was anderes. Nach 1,5 Stunden Motorfahrt dreht der Wind dann doch auf SE zurück und wir können endlich wieder segel. Auf Höhe des Leuchtturms Sandhammeren können wir die Fock gegen unsere Genua tauschen und sofort geht die Post mit über sieben Knoten über Grund ab.

Aber bereits um 13.35 werden wir immer langsamer, der Wind flaut ab und bei immer noch hoher quer laufender Dünung geht die Eierei wieder los. Wir disponieren um und steuern den Fähr- und Yachthafen Ystad an. Vor dem Wind und nur noch mit der Genua machen wir unruhige 4,5 Knoten Schaukelfahrt bei schönstem Spätsommerwetter, bis wir um 16.30 nach insgesamt 32 Seemeilen in Ystadt problemlos anlegen. Kurze Zeit später bezieht sich der Himmel, die Sonne ist nur noch hinter Milchglas zu sehen. Heute Nacht soll es regnen, morgen aber wieder die Sonne scheinen. Wir werden sehen.

Wir machen einen Streifzug durch die sehr schön erhaltene mittelalterliche Innenstadt. Mehr als dreihundert liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, zum großen Teil mit farbenprächtigen Malven oder Rosen vor den Häusern, sind erhalten und prägen die Stadt, in der Krimifreunde auf den Spuren des Kommissars Wallander wandeln können. Uns gefällt es hier. Wir bleiben deshalb (und weil für morgen Westwind angesagt ist) auch noch am Mittwoch.

Die gemütliche Fußgängerzone

Der zentrale Marktplatz von Ystad

Die Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert

Spiegelungen auf der Terrasse des Hafenrestaurants

Morgen soll der Wind auf Süd drehen. Wir werden deshalb unseren Kurs nach Westen richten und sehen, wie weit wir kommen.

Donnerstag 27. August 2009

Um 06.30 ist heute die Nacht zu Ende. Im Hafen herscht Aufbruchstimmung. Auch wir machen uns fertig und verlassen um Punkt 08.00 Ystad. Den ausgetonnten Weg motoren wir bis zur Ansteuerung. Das Groß haben wir schon in der Hafenausfahrt gesetzt, jetzt kommt die Genua hinzu. Der Himmel ist wieder strahlend blau, die Ostsee ist fast glatt, der Wind kommt beständig aus Süd mit 10-13 Knoten. Wir haben uns als Tagesziel Rödvig in Dänemark vorgenommen, können dieses Ziel gut anlegen und machen gute Fahrt bei annehmbarer Schräglage. Mit zwei kleineren Kurs- und Trimmkorrekturen müssen wir den ganzen Tag über keine weitern Veränderungen vornehmen. Der Autopilot und der Plotter übernehmen die Steuerarbeit. Um 14.30 verlassen wir nach insgesamt zehn Wochen das Hoheitsgebiet Schwedens und hissen die dänische Gastlandflagge unter die Steuerbordsaling.

Nach 55 Seemeilen kommen wir um 16:45 in Dänemark an. Im Schnitt haben wir 6,3 Seemeilen pro Stunde bei schönstem Sommerwetter zurückgelegt, ein herrlicher Tag, vielleicht der schönste Segeltag dieser Saison. Im Hafenkiosk trinken wir darauf erst einmal ein Anlegebier und bestellen uns dann zwei halbe gegrillte Hähnchen, Pommes und Mayo zum Abendessen.

Freitag 28. bis Sonntag 30. August 2009

Es ist unterschiedlich bewölkt, ab und zu fallen einige Tropfen. Der Wind kommt böig mit 6 Bft aus Süd und dreht erst am Nachmittag langsam auf Südwest. Bis zum 24 Seemeilen entfernten Klintholm auf der Insel Mön hätten wir uns quälen müssen. Wir bleiben deshalb noch in Rödvig. Ich putze erst unsere Edelstahlaufbauten, dann alle Fender und zum Schluss auch noch das gesamte Deck. Abends läuft der Fernseher. Das Leichtathletiksportfest in Zürich wird übertragen. 1998 war ich als Zuschauer selbst im Letziggrundstadion dabei.

Am Sonnabend weckt uns Segelfreund Hartmut um 09.30 mit seinem Anruf aus Bornholm. Hat dort ebenfalls Starkwind. Bei uns entlädt sich gerade ein gewaltiges Gewitter mit extremen Böen. Wir werden auch heute in Rödvig bleiben. Ich habe mir den Ausbau der Bugschraube vorgenommen und schreite gegen 12.00 zur Tat. Nach dem Ausbau nehme ich den gesamten Elektroantrieb auseinander und was ich nicht zu hoffen wagte, es gelingt mir die sorgfältige Zerlegung des Motors in seine Einzelteile und ich komme an die verschmorten Kontakte im Inneren heran. Einen total verkohlten Kontaktbolzen säge ich ab und ersetze ihn, nach dem alle inneren Kontaktflächen mit Bürste, Sandpapier und Feile gereinigt wurden. Der anschließende Zusammbau gelingt ebenfalls und nach dem Einbau in das Vorschiff kommt gegen 17.30 der große Moment: Die Schraube läuft, aber irgendwie nicht richtig. Es riecht auch nach verschmortem Gummi. Nach einigem Nachdenken komme ich auf den Dreh, dass ich beim Wiedereinbau Elektrokabel verpolt haben könnte. Ich wälze Schaltpläne und richtig, ich habe zwei Kabel falsch angeschlossen. Danach wird gleich ein neuer Versuch gestartet und um 18.00 läuft die Bugschraube wieder richtig und kraftvoll, wie neu. Wir haben heute viel Geld gespart!

Gegen die Sonnenblendung trägt der Mann Hut

Nach der Arbeit und dem Abendessen kommt das Vergnügen. Wir schwingen im Cafe Marina zu flotter Livemusik bis 0.40 das Tanzbein. Zwischen durch bekomme ich von einem Dänen eine Knobelaufgabe zugewiesen, die mir sechs Dosen Bier in Aussicht stellt, aber die ich nicht lösen kann. Dafür bringe ich das Hölzchen-/Schnursystem so durcheinander, dass der Däne nach mehr als einer Stunde entnervt seine Entflechtungsversuche aufgibt.

Bei konzentrierter aber erfolgloser Arbeit

Am Sonntag stehen wir spät auf, draußen pfeift der Wind, frühstücken um 10.00 und ich durchforste das Internet. Mittags geht es per Fahrrad zuerst in das 3-4 km entfernte Stevnsfortet, eine weitläufige militärische Anlage aus der Zeit des kalten Krieges mit Radaranlagen, Bunkern, in den Kalkfelsen getriebenen Gängen, Abwehrraketen, Panzern, Geschützen, Gefechtsleitständen und einem kleinen Informationspavillon. Danach fahren wir weiter nach Stevens Klint, der etwas kleineren Ausgabe der Kreidefelsen von Mön und Rügen. Dort gibt es viel zu sehen, u.a. die vor fast 100 Jahren bei einem Küstenabbruch mit Teilen ihres Kirchenschiffs und einem großen Teil ihres umgebenden Friedhofs in die Ostsee gestürzte Kirche von Höjerup.

Montag 31. August 2009

Um 07.45 legen wir in Rödvig ab. Es ist heiter, der Wind weht mit um die 15 Knoten aus SW. Bis zu den 135 Meter hohen Kreidefelsen auf der Insel Mön sind es 21 Seemeilen und die segeln wir mit 158° hart am Wind, mit dem Groß und der Arbeitsfock. Bis zu den Klippen müssen wir zweimal reffen, da der Wind immer stärker zunimmt. Als wir das Kap von Mönsklint erreichen und auf einen SW- und dann West-Kurs gehen müssen, trifft uns eine 2-3 Meter hohe Dünung mit voller Wucht, die uns schwer zu schaffen macht. Mit Stützsegel und Motor schleichen wir hin- und herschaukelnd mit 3-4 Knoten über Grund die letzten Meilen bis zum Hafen Klintholm, wo wir um 12.00 Uhr, nach insgesamt 27,5 Seemeilen, inzwischen hat sich der Himmel zugezogen, festmachen. Die Lust zum Weitersegeln ist uns am Kap vergangen. Der Hafen ist mit 30 Euro Liegegeld inzwischen zu einem teuren Pflaster geworden. Der früher immer volle Ort (und Hafen) mit seinen vielen Restaurants macht einen abgewirtschafteten Eindruck. Die meisten Restaurants sind dauerhaft geschlossen, viele Häuser stehen zum Verkauf. Der Ort macht fast den Eindruck einer verlassenen Goldgräberstadt. Schade! Klintholm hätte viel zu bieten. Offensichtlich hat man hier aber nur das schnelle Geld machen wollen und das Angebot nicht ständig neu überprüft.

Dienstag 1. September 2009

Wir wollen heute die vermutlich bis nächste Woche letzte Chance nutzen, bei einigermaßen geordneten Windverhältnissen nach Deutschland zurückzukehren und wenn möglich gleich bis Fehmarn durchzustarten. Um Punkt 06.30 legen wir in Klintholm ab und setzen noch im Hafen das Großsegel und bereits in der Hafenausfahrt die Fock. Die Sonne steht noch ganz tief, am Himmel ist nicht ein einziges Wölkchen zu sehen. Mit 27° Celsius soll es ein sehr warmer Septembertag werden. Bis Gedser Sand sind es 30 Seemeilen, die wir mit Kurs 212° und bei einem Wind von 15 Knoten aus SSE extrem hart am Wind segeln müssen. Eine immer noch sehr hohe Welle aus SE macht das Segeln schwer. So hart am Wind mag unser Boot nicht gesegelt werden, die Welle läßt uns zusätzlich immer wieder hart einsetzen und bremst Aquamarin ständig aus. Das macht trotz des Superwetters nicht viel Spaß. Gegen 10.30 dreht der Wind auf SE und wir atmen auf. Um 12.15 runden wir das südliche Ende von Falster und gehen auf den neuen Kurs 255 ° Richtung Fehmarn. Jetzt kommt unsere Genua zum Einsatz und das Segeln macht wieder Freude. Mit zuerst 7-8 Knoten Fahrt überholen wir etliche andere Segler.  Zum Nachmittag hin läßt der Wind nach und dreht langsam auf Süd, später auch westlicher als Süd. Also wieder ein Amwindkurs. Jetzt fehlt jedoch die Welle und es gibt keine weiteren Problem. Als wir mit Staberhuk die südöstliche Spitze von Fehmarn erreichen, kommt eine offensichtlich nagelneue Bavaria 39 auf uns zu, wendet und will mit 30-40 Meter Abstand offensichtlich ein Matchrace mit uns veranstalten.

Wir halten gegen und ziehen bei 10 Knoten Wind aus Süd und mit 60° zum scheinbaren Wind mit knapp 6 Knoten davon. Die Crew reckt den Hals und fotografiert unser Boot, bevor wir ganz langsam entschwinden. Da kommt Freude auf!

Nach genau 65 Tages-Seemeilen legen wir um 17.30 im Yachthafen von Burgtiefe/Fehmarn an. Unser Sommertörn 2009 ist damit erst einmal beendet.

Mittwoch 2. bis Donnerstag 10. September 2009

Bereits am Mittwoch Mittag sitzen wir im Zug nach Hannover. Wir bekommen dort von unserem Sohn unser Auto übergeben und sind am frühen Abend in Göttingen. Für Aquamarin haben wir bis zum 10. September einen Liegeplatz im Hafen Burgtiefe reserviert. Wir werden am 10. September nochmals nach Fehmarn zurückkehren, wenn das Wetter es zuläßt noch einen kleinen Abstecher nach Kiel machen, um unser Boot anschließend endgültig ins Winterlager zu bringen.

Freitag 11. bis Sonntag 13. September 2009

Wie geplant sind wir am 10. September kurz vor Mitternacht wieder zurück. Am anderen Morgen legen wir um 10.45 Richtung Kiel ab. Die Sonne scheint, das Barometer ist auf 1031,6 hp gestiegen. Der Wind kommt mit 13 Knoten aus WNW. Das bedeutet Aufkreuzen, nicht gerade die größte Stärke unseres Bootes. Mit kurzen Motorunterbrechungen quälen wir uns mit Groß- und Focksegel 22,5 Seemeilen voran, bis uns schwant, das wir mit unserem Kreuzkurs erst spät in der Nacht in Kiel ankommen werden. Also Jockel an und direkt Kurs auf die Kieler Förde genommen. Dort machen wir nach einem Tagesweg von 43 Seemeilen kurz vor 19.00 im Hafen von Laboe fest und verdrücken uns sofort ins nächste Restaurant. Auf dem Weg dahin können wir noch für den Sonnabend Vormittag einen Tankstop im Fischereihafen Laboe verabreden. Der Liter Diesel kostet hier 1,17 €, in Burgtiefe sollten wir 1,40 € pro Liter bezahlen. Bei 400 Litern sparen wir hier beachtliche 92.-Euro!

Wir verholen uns am Sonnabend in den Fischereihafen, tanken und gehen anschließend gemeinsam einkaufen. Um 13.45 wechseln wir die Fördeseite und motoren kurze 3,5 Seemeilen nach Schilksee, wo wir uns mit Klaus und Clem verabredet haben, die mit ihrer Neuerwerbung Clemmi, von Marstal kommend um 15.30 im Olympiahafen von 1972 eintreffen wollen. Wir sind gerade von einer kurzen Fahrradtour zurück, als die beiden pünktlich wie die Maurer direkt neben uns anlegen. Natürlich besichtigen wir erst einmal die Clemmi, einer gut ausgestatteten und sehr gepflegten Dufor 34, mit bekannt guten Segeleigenschaften. Ganz sicher ein guter Kauf. Den Abend verbringen wir gemeinsam erst im Hafenrestaurant. Anschließend machen wir einen längeren Fördespaziergang. Am Sonntag sind wir zum Frühstück auf der Clemmi eingeladen. Nach den neuesten Wetterberichten hält uns dann aber nichts mehr in Kiel: Nord 6, in Böen 7-8, auf NE und später auf E drehend. Wir haben es eilig wegzukommen, um nicht noch bei Starkwind oder gar Sturm gegenan segeln zu müssen und schaffen es um 11.00 kaum, uns vernünftig zu verabschieden.

Frühstück auf der "Clemmi"

Nach dem Passieren eines unübersichtlichen Regattafeldes müssen wir mit lediglich unter einer bereits verkleinerten Genua erst einmal einige Seemeilen kneifen, bis wir auf der Höhe von Marina Wendtorf mit neuem Kurs 94° und etwa 80° zum scheinbaren Wind die Fehmarnsundbrücke direkt ansteuern können. Der aus NNE kommende Wind und infolge auch die Höhe der Wellen nehmen stetig zu. Um 14.00 pendelt er bereits zwischen 20 und 30 Knoten, die quer laufenden Wellen schätzen wir auf 2,5 bis 3 Meter, auch hier Tendenz steigend. Gegen 15.00 treffen uns unter einer pechschwarzen Wolke Hammerböen von 43 Knoten, Windstärke 9, Regen peitscht über das Boot. Wir machen mit kleinstmöglicher Genua bis zu 9,8 Knoten Fahrt über Grund. Das macht alles nicht so richtig Spaß, ist aber, da der Wind beständig auf NNE verbleibt, zu keiner Zeit ein wirkliches Problem. Wenn wir mit unserem Schiff damit nicht klar kommen, wer dann? Gegen 16.00 Uhr nimmt die Wellenhöhe im Schutz der Insel Fehmarn langsam ab und 17.10 machen wir nach genau 40 Seemeilen an Steg 3 im Hafen von Burgtiefe fest. Mit unserem kleinen Genuafetzen haben wir einen Schnitt von 6,7 Knoten erzielt.

Wir sind wieder in Burgtiefe auf Fehmarn

Montag 14. bis Montag 21. September 2009

Der Wind hat auf Ost gedreht und ist weiterhin stürmisch. Die Sonne scheint am stahlblauen Himmel, es ist angenehm warm. Das spätsommerliche Wetter begünstigt das nördliche Deutschland. Es bleibt bis zum 21. September ohne Unterbrechung schön. Wir beginnen, unser Boot für das Winterlager vorzubereiten und lassen uns damit viel Zeit. Ab und zu machen wir Ausflüge per Pkw oder mit dem Fahrrad und regelmäßig sind wir nachmittags im Speicher-Cafe in Burgtiefe anzutreffen.

Am Mittwoch hat der Wind so weit nachgelassen, dass wir problemlos unsere Segel zum Trocknen erst einmal flattern lassen und dann packen könnnen. Sie werden diesmal zur Durchsicht und zum Einlagern zum Segelmacher gebracht. Die Woche vergeht wie im Flug und am Sonnabend mittag steht Aquamarin in Burgstaaken an Land. Am späten Sonnabend und am Sonntag wird es dann doch auf einmal stressig und anstrengend. Beim Wellenausbau läßt sich eine Klemmschraube nicht lösen und mein größter Imbussschlüssel bricht ab. Am Sonntag bekomme ich Ersatz und irgendwie klappte es dann doch noch. Am späten Nachmittag ist die Winterplane fest verzurrt und am Montag starten wir um 10.00 mit dem guten Gefühl mit unserem Auto heimwärts, dass wir mindestens 1.000 Kleinigkeiten erledigt haben und unser Boot in einem Top-Zustand verlassen. Die neue Saison 2010 kann kommen!

 

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