Bornholm bis Kalmar

Sonntag, 14. Juni 2009

Der Himmel ist strahlend blau, als wir um 7.00 aufstehen. Leider ist es nach wie vor für die Jahreszeit viel zu kühl. Der Wind weht aus WSW mit guten fünf Windstärken. Zwischdurch fallen immer noch starke Böen ein. Die See ist, nachdem wir den Windschatten von Rügen seiner Kreidefelsen verlassen haben, zwei Meter hoch. Wir legen wie geplant um 08.45 in Saßnitz ab und rollen noch im Hafen unser Großsegel, stark gerefft, aus. Unmittelbar nach der Hafenausfahrt nehmen wir die Genua, ebenfalls stark gerefft, hinzu. Mit Kurs 41° geht es an den 130 Meter hohen Kreidefelsen von Rügen vorbei in Richtung Bornholm.

Wir haben uns den 60 Seemeilen entfernten Hafen von Hasle als Tagesziel vorgenommen. Der raume Wind fällt mit etwa 120° ein. Es wird eine sehr bewegte und vor allen Dingen, trotz der Sonne, kalte Überfahrt. Die hohen und vielfach brechenden Wellen laufen annähernd quer zu unserer Fahrtrichtung. Die unter uns durchlaufenden Wellen lassen uns immer wieder stark zur Seite krängen, fast stürzen. Wir müssen uns im Cockpit regelrecht verkeilen, um nicht durch die Gegend zu fallen.

Dabei sind wir trotz unser stark reduzierten Segelfläche sehr schnell. Bei Spitzenwerten um 9,5 Knoten über Grund schaffen wir die gesamten 60 Seemeilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas über 7 Knoten. Um 17.30 liegt Aquamarin bereits fest vertäut im Hafen von Hasle. Wir sind froh, diese Überfahrt hinter uns zu haben. Zur Belohnung gönnen wir uns im Hafengrill jeder ein halbes Hähnchen, Fritten rot weiß und ein großes Bier.

Aquamarin im Hafen von Hasle/Bornholm

 

Montag, 15. Juni 2009

Die Sonne strahlt wieder am blauen Himmel, es ist sogar ein wenig wärmer. Der Wind bläst immer noch mit um die fünf Windstärken aus WSW. Auch Böen fallen immer wieder ein. Wir haben keine große Meinung heute die noch fehlenden 70 Seemeilen bis zur schwedischen Küste direkt dranzuhängen und besichtigen erst einmal den Ort um dann gegebenenfalls am frühen Nachmittag nur um die Nordwestspitze von Bornholm zu gehen. Den großen Schlag wollen wir auf alle Fälle mindestens auf den Dienstag verschieben.

Um 14.50 verlassen wir den Hafen von Hasle. Der Wind hat etwas nachgelassen, wie am Vortag setzen wir auf stark gereffte Segel. Mit 6-7 Knoten Fahrt geht es flott an der Westküste Bornholms entlang. Zwei kurz hintereinander durchlaufende hohe und brechende Wellen legen Aquamarin dermaßen stark auf die Seite, dass in der Achterkabine sämtliche Bücher aus den Regalen fallen. Ein heilloses Durcheinander!. Bereits um 15.40 passieren wir mit der exponierten Burgruine Hammerhus eine der größten mittelalterlichen Burgen Skandinaviens. 1980 haben wir auf Bornholm unseren ersten Urlaub mit unseren beiden Kindern und der befreundeten Familie Altena verlebt und dabei auch diese Burgruine besichtigt. Das ist nun fast 30 Jahre her! Niemals hätten wir uns damals träumen lassen, dass wir einmal mit einem Segelboot und noch dazu auf eigenem Kiel unterhalb dieser Burg vorbei segeln würden.

Nach nur kurzen 11 Semeilen machen wir um 16.40 im kleinen zauberhaften Hafen von Allinge fest. Wir gehen einkaufen, machen einen Spaziergang durch den hübschen Ort und gönnen uns dann ein Anlegebier im Hafenrestaurant. Am Abend führen wir noch Telefongespräche mit Sohn und Schwiegersohn über Skype und aktualisieren unsere Internetseite. Ein gutes und kostenloses Hafen-WiFi-Netz macht das möglich.

Aquamarin im Hafen von Allinge

Dienstag, 16. Juni 2009

Wir stehen für unsere Verhältnisse früh auf. Um 06.30 drehen wir uns normalerweise nochmals um. Die Sonne scheint auch heute wieder von einem strahlend blauen Himmel. Es ist allerdings nicht nur wegen der morgendlichen Stunde viel zu kühl für Mitte Juni. Nach dem Früstück, heute mit Internetzeitung, und dem Einholen der Wettervorhersagen, verlassen wir den Hafen von Allinge und Bornholm um 07.40 und nehmen Kurs 39° auf die schwedische Süd-Ost-Küste. Der Wind weht erst mäßig, mit drei Windstärken aus NW. Wir fahren mit 40° zum scheinbaren Wind und motoren deshalb erst einmal, um angesichts der langen Überfahrt nicht gleich zum Beginn Zeit zu verplempern. Der Wind legt langsam auf 4-5 Windstärken zu und dreht rück. Um 10.00 stellen wir den Motor ab. Mit vollem Groß und 100% Genua fahren wir jetzt auf immer gleichem Kurs mit 75° zum scheinbaren Wind. Mit leichter Schräglage machen wir knapp sieben Knoten Fahrt über Grund.

Dieser Containerfrachter hat uns mit 21,5 Knoten (AIS) und knapp 100 Meter Abstand überholt

Bis zum Nachmittag hat der Wind immer weiter auf SW gedreht, wir steuern annähernd vor dem Wind und sind nur noch zwischen fünf und sechs Knoten schnell. Als wir die äußerste schwedische Schäre Utklippan erreichen, drehen wir ab, betrachten unser Tagessoll als erfüllt und steuern den kleinen Naturhafen an. Hier machen wir um genau 16.00 fest. Wir haben genau 56 Seemeilen zurückgelegt, das reicht uns für heute.

Utklippan voraus

Ein erster Spaziergang über das kleine Eiland wird von aufgebrachten Möwen begleitet, die Scheinangriffe gegen uns fliegen. Dann sehen wir auch den Grund: Durch das hohe Gras wackeln graubraune Möwenjunge und suchen vor uns Deckung. Wir haben bisher noch niemals Möwenküken gesehen. Wir verlassen die Brutzonen um die Vögel nicht weiter zu beunruhigen.

Im Laufe des Nachmittags und bis in den späten Abend hinein, wird der Naturhafen von immer mehr Booten angelaufen. Dabei ist der Hafen fest in deutscher Hand. Es wird in Zweier- und Dreierpäckchen festgemacht. Wir können uns gut vorstellen, wie es hier in der Hochsaison zugeht. Bereits um 22.00 liegen wir heute in unseren Kojen.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Wir stehen um 9.00 auf. Es ist ein strahlend schöner Tag. Nach dem Frühstück verlassen wir Utklippan um 10.15 und segeln an der Schwedischen Ostküste entlang. Der Wind kommt aus West mit um die 12 Knoten. Das reicht erst für 6-7 Knoten Fahrt. Als der Wind langsam nachläßt und auf SW dreht sind es dann über längere Zeit auch nur um die drei Knoten. Nachmittags ziehen dann doch noch Regenwolken auf und es kommt zu einigen kurzen Schauern. Schade, der Tag hätte schöner enden können. Um 16.50 machen wir nach 32,5 Seemeilen im hübchen und sehr gepflegten Hafen von Bergkvara fest. Nach den Hafenformalitäten machen wir einen Fahrradausflug ins 8 km entfernte Städtchen Torsäs, um schwedische Kronen am Bankautomaten zu holen und einzukaufen.

Am Abend steht für Bettina Wäsche waschen und für mich ein langer Kampf mit T-Online Email an. Mehr als zwei Stunden bemühe ich mich, unterbrochen durch mehrere Wutanfälle, meine Email mit Rechnungen, Schreiben etc. abzurufen. Erst nach Mitternacht gehts in die Fallen.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Erst um 10.00 stehen wir auf. Der Himmel ist dunkel, es stürmt, es regnet und es ist kalt. Da dreht man sich lieber nochmals um. Schade, dass wir gestern keine Fotos von und in dem hübschen Ort und seinem Hafen gemacht haben. Im Regen läßt sich das heute schlecht nachholen. Nach dem Frühstück trödeln wir herum. Der Wind soll zum Nachmittag hin etwas nachlassen. Wir wollen dann weiter nach Kalmar. So stehen nochmals Internet/Email Aktivitäten an. Kurz vor 12.00 können wir ein längeres Skype-Gespräch mit unserer Tochter führen. Um 13.15 verlassen wir Bergkvara. Im Nieselregen wählen wir die Nordpassage durch ein Felsenlabyrinth. Der Wind kommt aus Süd-West mit durchschnittlich die 15 Knoten. Nachdem wir das Fahrwasser erreicht haben müssen wir erst mit 52° für 3,5 Seemeilen einen fürchterlichen Schaukelkurs direkt vor dem Wind fahren. Danach können wir 20° anlegen, wir segeln jetzt viel stabiler. Gegen 15.00 kommt die Sonne hervor und es wird warm. So macht das Segeln Spaß.

Der raume Wind schiebt uns immer wieder im Surf über hohe Wellenberge, wir hören Musik, während unser Boot uns unaufhaltsam nach Kalmar trägt. Kurz vor unserem Ziel fallen auf einmal hammerartige Böen mit über 30 Knoten ein. Aquamarin läuft dabei kurzzeitig über 9 Knoten.

Um 17.05 machen wir nach genau 20 Seemeilen ohne Probleme im Gästehafen von Kalmar fest. Wir erledigen die Hafenformalitäten, lassen uns den Internetcode geben und gehen dann erst einmal Eis essen. Anschließen kaufen wir in der Innenstadt für unser Abendessen ein.

 

 

 

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