Von Laesö bis Deutschland

 

Sonntag, 17. August 2008

Die Überfahrt von der vor Göteborg gelegenen schwedischen Insel Öckerö zur 37 Seemeilen entfernten dänischen Kattegattinsel Laesö dauerte 6,5 Stunden. Die ersten 7 Sm mussten wir mangels Wind motoren. Unmittelbar nach der Außenschäre Vinga konnten wir die Segel setzen, Anfangs lediglich mit drei Knoten Fahrt, nachdem dann der Wind zugelegt hatte, mit bis zu sieben Knoten, vor dem Wind und mit einem guten Knoten Gegenstrom. Am späten Mittag setzte sich dann auch noch die Sonne, die sich anfangs nur gelegentlich einmal am ansonsten grauen Himmel gezeigt hatte.

Die Ansteuerung des östlichen Inselhafens Österby war unproblematisch, der Hafen nur mäßig gefüllt, auch hier ist die Saison bereits vorbei. Ich war mit unseren Kindern bereits einmal, anfang der 90iger Jahre hier. Für Bettina ist die Insel neu.

Nach der Ankunft machen wir uns mit dem Hafen, seinen Einrichtungen und der unmittelbaren Umgebung vertraut. Abends gehen wir zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder in ein Restaurant zum Essen.

Montag, 18. August 2008

Es ist sonnig und warm. Wir frühstücken im Cockpit und erkundigen uns anschließend im Infobüro nach geführten Inseltouren. Die große Inselrundfahrt ist ausgebucht. Wir buchen deshalb für Mittwoch zwei Plätze für eine vierstündige "Rönnerfahrt" durch ein im Süden der Insel gelegenes Naturreservat. Anschließend starten wir zu einer mehrstündigen und insgesamt über 52 km führenden Radwanderung, die uns die Schönheiten dieser Insel näher bringt und uns u.a. auch nach Österby, auf die Ostseite, führt. Die Insel ist Gottseidank flach und besitzt ein gut ausgebautes und Fahrradgeeignetes Straßen- und Wanderwegenetz.

Dienstag, 19. August 2008

Heute ist es regnerisch und kühl. Die Sonne läßt sich nur selten blicken. Wir verbringen den Tag mit Lesen, Aufräumen, kleineren Reparaturen am Schiff und den Fahrrädern und schon ist der Tag rum!

Mittwoch, 20. August 2008

Es beginnt ein besonderer Tag. Wir sind in der Nacht zum dritten Mal zu Großeltern gemacht worden. Wir gratulieren unserer Tochter und dem Schwiegersohn freuen uns mit ihnen riesig. Die kleine Julica ist bestimmt das süßeste Baby der Welt.

Unsere Enkelkinder Jonas, Lasse und jetzt auch Julica

Daneben verblassen natürlich die sonstigen Tagesereignisse, wie z.B. unsere 4 stündige Exkursion in das Naturreservat Rönnerne, ein mehr als 200 ha großes Salzwiesengebiet.

Fahrt nach Byrum, dem Ausgangspunkt unserer Exkursion, mit dem (kostenlosen) Inselbus

Oldtimertreffen in Byrum

Byrum-Kirche aus dem 12. Jahrhundert

Unterwegs mit dem Rönnerbus ...

... auf Salzwiesen und im Wattengebiet

In der Laesö-Salzsiederei

 

Donnerstag, 21. August 2008

Eigentlich wollte wir heute Laesö verlassen und ca. 40 Seemeilen weiter, zur Insel Anholt, segeln. Der SW-Wind ist uns jedoch mit 5-7 Bft. einfach noch zu stark. Wir entscheiden uns, noch einen weiteren Tag zu bleiben und vertreiben uns die Zeit mit Lesen und einem dreistündigen Spaziergang. Später nehmen wir eine Decke und lassen uns in den Sanddünen, vor dem Wind geschützt, von der Sonne braten. Unseren letzten Abend auf dieser schönen Insel genießen wir mit Bier, gebratenem Hähnchen und Pommes auf der Terrasse des Hafenrestaurants.

Freitag, 22. August 2008

Um Punkt 10.00 Uhr legen wir in Oesterby/Laesö ab, umrunden das ausgedehnte und der Insel vorgelagerte Flach und setzen nach fünf Seemeilen die Segel. Es ist wolkenlos, der Wind kommt mit 3-4 Windstärken immer noch aus SW. Wir segeln hart am Wind mit ca. sechs Knoten durchs Wasser, über Grund jedoch lediglich 4 - 4,5 Knoten. Nach 1,5 Stunden disponieren wir um. Wir fallen ab und lassen das Schiff laufen. Bei 123° macht Aquamarin beständig zwischen 7 und 8,5 Knoten Fahrt durchs Wasser, durch den Gegenstrom sind es dann 6-6,5 Knoten über Grund, bei deutlich angenehmerer Lage. Das neue Ziel, Falkenberg, nun doch wieder in Schweden, liegt gut 50 Seemeilen voraus, bis unmittelbar vor der Hafeneinfahrt können wir jetzt die Hände in den Schoß legen. Nach 8,5 Stunden und insgesamt 64,5 Seemeilen legen dort um 19.30 an. Unser Schnitt 7,6 Kn (durch Wasser)! Unsere Leinen werden von Susen und Michael übernommen, die mit ihrem Boot aus San Franzisko/USA kommen. Um 20.30 Uhr sind wir mit unseren Fahrrädern Richtung Innenstadt unterwegs und stürmen dort zum Abendessen erst einmal eine Würstchenbude.

Sonnabend, 23. August 2008

Es hat Nachts zu regnen angefangen. Wir wollen gar nicht aus den Federn. Erst um 10.50 Uhr legen wir bei leichtem NE und im Nieselregen ab. Es ist diesig, schnell verschwinden die Landkonturen aus dem Blickfeld. Mit 185° nehmen wir kurs auf das 47 Seemeilen entfernte Gilleleje auf der dänischen Hauptinsel Seeland. Der Wind dreht langsam auf Nord und verstärkt sich kontinuierlich. Als wir "Platt vor dem Laken" segeln, drehen wir das Groß in den Mast. Eine einfache Übung. Nur mit der Genua kommt etwas mehr Ruhe ins Schiff, ohne dass sich die Geschwindigkeit von 6-7,5 Knoten verringert, heute überGrund. Gegen 16.00 Uhr, es regnet inzwischen ohne Unterbrechung in Strömen, wir sind nass und durchgefroren, hat der (wahre Wind) auf 24 Knoten zugelegt. Die Welle wird immer höher und unser Schiff "geigt" kräftig. Wir disponieren deshalb auch heute um. Mit stabileren 150° nehmen wir Kurs auf Mölle Hamn in Schweden und verkürzen unseren heutigen unangenehmen Segeltag auf nur 39 Seemeilen und um ca. 1,5 Stunden. Um 17.30 ist unser Boot festgemacht.

Die Entscheidung war sicher richtig. Mölle wurde schon 1907 vom deutschen Kaiser besucht und hatte sogar schon einmal eine Zug-Direktverbindung nach Berlin. Da dürfen wir natürlich nicht fehlen. Soweit wir das im Dauerregen sehen können, ein wirklich schöner Ort.

Wir wollten eigentlich Essen gehen. Kurz vorher beschäftige ich mich mit unserer Bilge, aus der ich gestern über 100 Liter Süßwasser geschöpft habe, ohne dass ich der Ursache über diverse Vermutungen hinaus wirklich auf den Grund gekommen bin. Ich schaue kurz nach, die Bilge ist wieder gut gefüllt! Jetzt gibt es kein halten mehr. Das halbe Schiff wird ausgeräumt, es sieht aus wie auf dem Schlachtfeld. Irgendwann wird dann auch ein gerissener Druckwasserschlauch und zusätzlich eine tropfende Muffe gefunden. Um 23.30 Uhr kann dann Erfolg gemeldet werden. Die Schäden sind behoben, alles ist wieder in Ordnung und auch staubtrocken. Anschließend können wir auch zu Abend essen. Das Restaurant hat inzwischen natürlich geschlossen.

Sonntag, 24. August 2008

Heute ist es warm, die Sonne scheint und wir haben einen kostenlosen Internetanschluss. Zum Frühstück kann unser Göttinger Käseblatt gelesen werden und anschließend nutzen wir wieder einmal Skype für ein längeres Ferngespräch mit unserer Tochter. Wir wollen noch bis Morgen früh in Mölle bleiben, das schöne Wetter nutzen und uns hier umsehen.

Mölle war das erste schwedische Seebad, in dem Männer und Frauen gemeinsam baden durften. Dieser Skandal war ungeheuer werbewirksam und zog insbesondere die damalige Schickeria magisch an. Das führte dann zu einem Direktzug von Berlin nach Mölle. Unglaublich, aber wahr!

Um 13.30 Uhr machen wir uns erst mit dem Fahrrad und dann zu Fuß auf den Weg zum Kullaberg, einem bis zu 187 Meter hohen Bergrücken. Seine roten Felsen bilden vielfältige Einschnitte, Grotten und Schluchten die bis zu 70 Meter senkrecht zum Meer hinabfallen. Auf der nordwestlichen Huk befindet sich das bekannte und hellste Leuchtfeuer Skandinaviens Kullen aus dem Jahr 1900. Aber: Auf Kullaberg hat es bereits seit mehr als Tausend Jahren Leuchtfeuer gegeben! Das gesamte Gebiet ist ein geschütztes Naturreservat und von sehr schönen und landschaftlich beeindruckenden Wanderwegen durchzogen, die teilweise sehr stark an Gebirgswanderwege erinnern. Inmitten des Naturreservates befindet sich ein 18-Loch Golfgelände, wunderbar in die Landschaft integriert und als Bereicheung und nicht als Störung empfunden. Das wäre in Deutschland sicher nicht möglich, ich erinnere nur an das Projekt Kerstlingroder Feld in Göttingen, stattdessen würden bei einem vergleichbaren Vorhaben bei uns die Ideologen mit der Kommissarsarmbinde einmal mehr Schaum vor dem Mund bekommen.

Wir wählen einen Küstenwanderweg, der uns etwa 8 km durch einzigartges Gelände führt. Wir brauchen gute vier Stunden für unseren Rundkurs und wissen danach, dass wir hier nicht das letzte Mal gewesen sind. Nachfolgend dazu eine Fotoauswahl.

Die erste Etappe wurde mit dem Fahrrad absolviert

Anschließend ging es zu Fuß durchs Unterholz

Und auch ab und zu über den angesprochenen Golfplatz

Erinnert an das Allgäu, hier allerdings mit Meerblick

Vorsicht, nicht auf den Schwanz treten

Für diese Pfade braucht man das richtige Schuhwerk!

Leuchtturm Kullen

Blick auf Mölle

 

Montag, 25. August 2008

Um 11.15 Uhr legen wir in Mölle ab. Unser Tagesziel ist Hälsingborg. Bei schwachem SW und starkem Gegenstrom aus dem Sund segeln wir nur etwas über fünf Seemeilen, als wir uns nur noch mit 1,5 Kn über Grund bewegen, motoren wir lieber die restliche Strecke. Um kurz vor drei Uhr kommen wir im Nordhaven von Helsingborg an. Schien anfangs noch die Sonne, ist der Himmel jetzt bedeckt, nur noch von kurzen Aufheiterungen unterbrochen. Fast schon herbstlich. Wir machen direkt an der Promenade fest, auf der bei sommerlichen Temperaturen sicherlich der "Bär los ist". Jetzt ist es eher ein ruhiger Liegeplatz, nur wenige Meter von der lebhaften Innenstadt und von der Fussgängerzone entfernt.

Nordhafen Helsingborg

 

Dienstag, 26. August 2008

Es ist diesig, der frische Wind kommt genau aus Süd und verursacht eine stark nordwärts laufende Strömung im Sund zwischen Schweden und Dänemark. Wir sind unschlüssig, was wir im Augenbilck tun sollen. Weiter segeln oder noch bleiben?

Um 14.30 Uhr entscheiden wir uns doch für Kopenhagen und legen ab. Der Wind hat inzwischen auf WSW gedreht und an Stärke leicht hachgelassen. Wir messen 4-5 Bft, in Böen gute 6. Die ersten 3,5 SM motoren wir nach Westen, um erst einmal quer durch das Verkehrstrennungsgebiet zu gelangen. Dann werden das Groß und die Fock gesetzt und mit einem moderaten Amwind-Kurs geht die Post Richtung Kopenhagen mit bis zu 9,2 Knoten Fahrt ab.  Nach einer knappen Stunde kommt überraschend die Sonne zum Vorschein. Sie macht das Segelvergnügen perfekt. Um 18.35 Uhr machen wir nach 28 Seemeilen in Kopenhagen fest. Der Schnitt von genau 7 Knoten, einschließlich ab- und anlegen kann sich sehen lassen.

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Kurz vor dem Hafen Langelinie in Kopenhagen werden die Vorleinen klar gemacht

Aquamarin im Hafenrondell Langelinie ...

... in unmittelbarer Nachbarschaft großer Kreuzfahrtschiffe

Mittwoch, 27. August 2008

In der Nacht hat es zu regnen begonnen. Ab dem späten Vormittag gibt es dann längere Regenpausen. Wir machen uns mit unseren Fahrrädern auf eine längere Stadttour. Der Hafen Langelinie liegt ca. 1,5 km von der Stadtmitte entfernt, mit Fahrrädern überhaupt kein Problem. Im Zentrum lassen wir die Räder jedoch immer wieder mal stehen und bewegen uns dann per Pedes.

Donnerstag, 28. August 2008

Wir haben uns entschlossen, noch einen weiteren Tag zu bleiben (für morgen sind sehr gute Segelverhältnisse vorhergesagt), uns jedoch in den direkt in der Innenstat gelegenen Nyhavn zu verholen. Den Ortswechsel nehmen wir um 11.00 Uhr vor. Auslöser ist die stolze Hafengebühr in Langelinie, ohne eine adäquate Leistung (mäßige Sanitäreinrichtungen, zugeteilter und extra zu bezahlender Strom, kein Internet usw.). Offensichtlich muss hier die Lage unmittelbar am Kopenhagener Wahrzeichen, der kleinen Meerjungfrau, bezahlt werden. Keine Leistungen können wir jedoch auch im Nyhavn bekommen. Den Preis wird auch nicht höher sein.

Aquamarin im Nyahavn Kopenhagen

Nachfolgend einige Kopenhagen-Schnappschüsse

Im Hintergrund die Sundbrücke zwischen Kopenhagen und dem schwedischen Malmö

Das lange Pflastertreten macht durstig

Freitag, 29. August 2008

Heute lacht die Sonne vom blauen Himmel. Das Baromether steigt. Der Wind kommt aus NW mit guten 4 Windstärken. Um 10.00 Uhr legen wir im im Nya Havn ab. Nach Hafengeld hat uns niemand gefragt. Unser Tagesziel ist das ca. 30 Sm entfernte Rödvig. Es läuft jedoch so gut, mit bis zu 9,8 Kn Fahrt , dass wir sehr schnell auf das 55 Sm entfernte Klintholm auf Mön umdisponieren. Als wir telefonisch von Hartmut und seinem Hackepeter hören, dass er morgen mit seinem Hackepeter in Warnemünde sein wird, legen wir nochmals nach und als endgültiges Tagesziel den kleinen Fischerhafen Heasnäs. Dort legen wir dann um 20.30 Uhr, nach 71 Sm und einem sehr schönen Segeltag an.

Mit dem letzten Büchsenlicht erreichen wir Haesnäs

Sonnabend, 30. August 2008

Das Baro steht auf 1022,2 hp und die Sonne strahlt, als wir für uns beachtlich früh, um Punkt 7.00 Uhr in Heasnäs ablegen. Die 1-2 Windstärken aus Nord reichen nicht aus, um uns platt vor dem Laken über 1,5 Kn hinaus voran zu bringen. So bleibt nur der Motor. Mit 184° nehmen wir direkt Kurs auf Warnemünde, wo wir nach 40 Seemeilen um 13.00 Uhr im Yachthafen Hohe Düne festmachen.

Am Nachmittag lassen wir uns mit einer kleinen Hafenbarkasse auf die andere Seite der Warnow in den alten Strom übersetzen und verbringen dann die größte Zeit am Strand.

Zurück auf unserem Boot trudeln gegen 19.00 Uhr Hartmut mit seinem Hackepeter und den Freunden Klaus und Werner ein. Ein weiterer Klaus wird eine Stunde später noch per Bahn zu dieser Crew stoßen. Den Abend verbringen wir gemeinsam erst bei da Mario beim Essen und später in der Pianobar der Hafenhotelanlage.

Sonntag, 31. August 2008

Hackepeter verläßt den Hafen um 10.00 Uhr mit Ziel Nystedt/Dänemark. Wir wollen gegen Mittag Richtung Wismar Bucht starten.

 

 

 

 

 

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