In den schwedischen Westschären, Teil 2

Freitag, 25. bis Montag, 28. Juli 2008

Es ist weiterhin sehr warm. Wir haben am Morgen bei ICA in Smögen unsere inzwischen knappen Vorräte erneuert, Clem und Klaus haben auf Aquamarin klar Schiff gemacht und ihre Reiseutensilien gepackt. Die 15 gemeinsamen Tage gingen wie im Flug vorbei. Um 12.15 Uhr ist es dann so weit. Eine kurze herzliche Verabschiedung und dann heißt es für uns Leinen los. Wir wollen auch die kommenden Wochen noch im sommerlichen Bohuslän verbringen. Ein neues Kapitel beginnt.

Impressionen von unterwegs

sonnenhungrigen Schweden auf heißen Schären, ein typischer Anblick

Kurz nach dem Hafen rollen wir unser neues Großsegel aus und lassen uns dann von dem schwachen Wind mit ca. drei Knoten Fahrt in die Karlsvig,  58° 20,761N, 011° 22,530E, eine nur sechs Seemeilen von Smögen entfernte Ankerbucht im Süden der Halbinsel Härnäs, treiben. Zusammen mit den Inseln Sladholmen und Grötö bildet sie einen phantastischen und bei allen Winden sicheren Naturhafen. Dort treffen wir auch das holländische Seglerehepaar wieder, das die zwei Nächte zuvor mit ihrem Boot an unserer Seite gelegen hat.

Später umkreist uns Thorsten, den wir in Nya Varvet/Göteborg kennengelernt haben, mit seinem Segelboot. Er hat Aquamarin erkannt und macht laut rufend auf sich aufmerksam. Wir haben später noch Gelegenheit uns mit ihm zu unterhalten.

Die Karlsvig mit ihrem geradezu karibischem Flair ist gut besucht. Am Nordende befindet sich ein schöner Sandstrand mit einer von Blumen übersäten Wiese dahinter, bevor die mit Heidekraut bewachsenen Felsengärten beginnen. Das gesamte Gebiet steht unter Naturschutz. Es schließt sich ein Mischwald aus Ulmen, Linden, Birken und Eichen an, die im Schutze der hohen Felsen bis zu 30 Meter hoch gewachsen sind.

Wir installieren unser Sonnensegel und baden dann erst einmal ausgiebig. Wir sind uns sofort einig, hier mindestens das bevorstehende Wochenende zu verbringen.

Auf dem Weg zum Landgang

Blick zurück auf die Karlsvig

Im Naturschutzgebiet

 

Montag, 28. bis Mittwoch, 30. Juli 2008

Um 12.00 Uhr verlassen wir die Karlsvig Richtung Süden. Ein leichter Seewind läßt uns unter Groß und Genua eine schnelle Fahrt machen. Teilweise erreichen wir mehr als 8,5 Knoten, in abgedeckten Bereichen sind es dann wieder nur um die vier Knoten. Unser eigentliches Tagesziel, Lysekil ist überfüllt. Wir weichen in das atmosphärisch viel ansprechendere Fiskebäckskil aus und bleiben dort zwei Tage. Am zweiten Tag machen wir per Fähre einen Ausflug nach Lysekil.

Der Lysekil-Stadthafen ist total überfüllt, hier bekommen wir keinen Platz

Lysekil Panorama

Im zwei Seemeilen entfernten Hafen von Fiskebäckskil werden wir dafür vom
Hafenmeister per Boot zu einem freien Liegeplatz geleitet

Kirche von Fiskebäckskil

Fiskebäckskil, ein wirklich malerischer Ort

Mittwoch, 30. Juli bis Sonntag, 3. August 2008

Heute früh hatten wir ein kurzes Gewitter. Zum Frühstück schien dann jedoch bereits wieder die Sonne, wie in den Tagen zuvor. Um 11.35 Uhr verlassen wir den schönen Hafen Fiskebäckskil und begeben uns mit einer leichten achterlichen Brise wieder auf Nordkurs. Es wid ein herrlicher Segeltag. Kurz nach Hunnebostrand am Eingang zum Sotekanal, dem Ort statten wir einen kurzen Besuch ab, kommt uns Stefan Breyme aus Göteborg mit seinem Segelboot entgegen und macht durch Rufe auf sich aufmerksam. Leider haben wir keine Möglichkeit, uns wenigstens für einen Moment zu unterhalten. Vielleicht ergibt sich auf der Rückreise ja noch einmal die Gelegenheit. Im etwa 5 km langen Sotekanal herrscht zu diesem Zeitpunkt ein (Schiffs-) Verkehr wie auf dem Kudamm.

Im Sotekanal

Um 16.00 Uhr lassen wir unseren Anker für heute in einer Ankerbucht zwischen den Inseln Alvö und Persholmen auf der Position 58° 27,850 N, 011°17,221E, fallen. Wenig später, während eines Spaziergangs auf den die Bucht umgebenden hohen Schären, sehen wir eine schräg auf einem nur wenige Zentimeter aus dem Wasser ragenden Felsen liegende große Segelyacht. Dieses kaum sichtbare Unterwasserhindernis hatten wir gerade vor einer guten Stunde passiert! Ein Rettungskreuzer war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, voll Speed fahrende Motorboote von einer unmittelbaren Passage der Unfallstelle abzuhalten, da der dabei produzierte Schwell die Segelyacht unweigerlich immer höher auf den Felsen heben würde. Unser Mitgefühl mit der Crew ist riesig. Wir haben die eigentliche Rettungsaktion nicht weiter verfolgt, die benachbarten Schären waren inzwischen voller Zaungäste, oft mit Ferngläsern bewaffnet, hoffen aber, dass dieser Unfall letzten Endes doch noch einiger Maßen glimpflich ausgegangen ist.

Unser Ankerplatz zwischen den Inseln Alvö und Persholmen

Schärenwanderung

Am nächsten Morgen, es ist Donnerstag, der 31. Juli, holen wir nach unserem üblichen morgendlichen Bad und dem Frühstück um 11.20 Uhr unseren Anker auf und lassen uns von den lediglich schwachen südwestlichen Winden, mit manchmal nur 2-3 Knoten Fahrt, 11 SM weiter (einschließlich Ansteuerungsumweg), in den wunderschönen Naturhafen Gluppö 58° 34,882 N, 011°12,880E, etwa drei Seemeilen westlich von Fjällbacka, treiben. Hier fällt der Anker auf 11,6 Meter Wassertiefe, wir stecken gut 40 Meter Kette.

Naturhafen Gluppö

 

In Fjällbacka

Freitag wird nochmals ein weiterer Hochsommertag. Leider sagt der Wetterbericht für Sonnabend das vorläufige (?) Ende dieser Schönwetterperiode voraus. Wir würden gern noch einen weiteren herrlichen Tag in Gluppö genießen, sind aber nicht sicher, ob wir am Sonnabend, wenn dann viele Boote wegen eines Wetterwechsels die Schären verlassen, einen Hafenplatz bekommen. Die Häfen sind hier ohnehin während der Ferienzeit bereits am frühen Nachmittag voll. Wir wollen auf Nummer sicher gehen, holen den Anker auf und motoren, es herrscht Flaute, die kurzen 3,5 Seemeilen bis Fjällbacka. Dort bereiten wir unseren Heckanker vor, fahren nochmals einen Kreis und schwupps schiebt sich ein kleiner Motorkreuzer vor und wir sind Nase. Uns bleibt in diesem großen Hafen um 11.00 Uhr am Vormittag nur noch ein unruhiger Außenliegeplatz. Selber Schuld!

Fjällbacka

Fjällbacka ist ein malerischer Sommer-Sonnen-Ferienort, der sich an den 74 Meter hohen Vetteberget anschmiegt, der das gesamte Landschaftsbild bestimmt. Die vielen farbigen Holzhäuser direkt über dem Hafen, das sommerliche geschäftige Treiben der Feriengäste, die vielen Restaurants, Cafes, Kioske und Boutiken geben ein beeindruckendes Bild ab.

Übrigens: In dem bezaubernden alten Fischerdorf in Bohuslän tritt man buchstäblich in die berühmten Fußstapfen der Hollywooddiva Ingrid Bergman. Die Schauspielerin liebte Fjällbacka, seine kleinen Straßen und seinen malerischen Hafen mit den beeindruckenden Schären so sehr, dass Ihre Asche, Ihrem Wunsch entsprechend, am 5. Juni 1983 in der Nähe ihrer Lieblingsinsel Dannholmen, in den äußeren Schären vor Fjällbacka liegend, auf See verstreut wurde. Zuvor war sie symbolisch auf dem Norra Begravningsplatsen (Nordfriedhof) in Stockholm beigesetzt worden. Heute erinnert ein Denkmal auf dem nach ihr benannten zentralen Marktplatz in Fjällbacka, dem Ingrid Bergman Torg, an diese große Schauspielerin. Der Blick ihrer Büste ist auf die Insel Dannholmen gerichtet. Sie ist von einer Anpflanzung von Rosen umgeben, die an diesem Tag ihren Namen erhielten: "Ingrid Bergman".

Der Vetteberget wird von uns noch am selben Abend bestiegen und auf dem Weg auch die etwa 200 Meter lange, tiefe Felsspalte Kungsklyftan durchklettert. Hier wurden Teile des Films Ronja Räubertochter gedreht. Gut, dass die riesigen Felsbrocken oben geblieben sind. Oben angekommen, entschädigt uns ein wunderbarer Rundblick über das weite Skagerak und die umgebenden Schären für unsere Aufstiegsmühen. Beim Sonnenuntergang kündigt sich der bevorstehende Wetterwechsel mit einem leuchtend blutroten Himmel an.

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Ohne Fleiß keinen Preis

Sieht doch bedrohlich aus, oder?

Aber der Ausblick lohnt die Mühe

Ein faszinierender Sonnenuntergang kündigt die Wetterveränderung an

Am Sonnabend Morgen regnet es! Später kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Sie wechselt sich mit Wolken ab. Es bleibt den Tag über trocken und durchaus auch noch angenehm warm. Die Wassertemperatur hält sich auch noch bei 23,5° Celsius. Auch am Sonntag ist es wechselhaft und es bleibt trocken. Da der Wind deutlich zugenommen hat und sich nach der Vorhersage auf 14m/s (7 Bft.) aus W-SW einpendeln soll, hängen wir noch einen Fjällbacka-Tag an und machen erst einmal einen längeren Ausflug in die Umgebung.

Montag, 4. bis Dienstag 5. August 2008

Heute sind wir etwas früher als sonst aufgestanden. Seit gestern Nachmittag hatten wir Starkwind, der in der Nacht langsam von West über Südwest, Süd bis auf Ost drehte und deutlich abnahm. Durch unsere exponierte Außensteglage tanzte unser Boot stundenlang wie wild. Dabei können wir jedoch gut schlafen. Der Wind wird heute weiter bis auf Nord drehen, eine kurze Atempause einlegen und sich dann bis zum Abend zum Sturm aufschaukeln, so lautet jedenfalls die Prognose. Gut wenn man dann im Hafen ist.

Kurz vor 10.00 Uhr verlassen wir Fjällbacka mit Nordkurs. Es herrscht trübes Wetter aber keine trübe Stimmung. Unser heutiges Ziel ist Grebbestad, nur sieben Seemeilen entfernt, wo wir bereits um 11.30 Uhr an der letzten freien (und begehrten) Heckboje direkt vor der Hafenpier festmachen. Bis auf das Ab- und Anlegen haben wir unseren Motor nicht gebraucht, sondern konnten hoch am Wind segeln.

In Grebbestad können wir den avisierten Sturm jetzt komfortabel und gelassen abwarten. Die Handelsstadt hat einen großen natürlichen Hafen und ist ein gefragter und quirliger Touristenort mit vielen Boutiquen und Restaurants auf der langgestreckten Ostpier. Im Törnführer für die schwedische Westküste heißt es: Der Hafen ist sowohl bei den Schweden als auch bei den Norwegern sehr beliebt. Er verfügt über viele Gastliegerplätze. Trotzdem ist die Nachfrage oft größer als das Angebot. Am besten läuft man deshalb bereits zwischen 11.00 und 13.00 Uhr ein! Wir haben uns an diese Empfehlung gehalten. Um 15.00 Uhr fängt es an zu regnen und wir machen es uns in unserem Salon gemütlich. Eine dicke Welt am Sonntag, seit Tagen die erste deutsche Zeitung, wird uns erst einmal die Zeit vertreiben.

Die ganze Nacht über regnet es in Strömen. Der Wind pfeift in den Wanten, aber ist hier offensichtlich nicht so stark, wie angekündigt. Am Dienstag ist das Wetter durchwachsen, ab und zu kommt auch einmal die Sonne durch. Der Wind ist deutlich schwächer geworden, kommt aber noch aus nördlicher Richtung. Wir wollen die vorhergesagte E-S-Drehung abwarten und morgen weiter segeln.

Grebbestad

 

Mittwoch, 6. bis Sonnabend 9. August 2008

Um 11.00 Uhr verlassen wir Grebbestad und machen uns auf den Weg zu den Kosterinseln. Sonne und Wolken wechseln sich ab, der Wind kommt aus SE bis E, langsam N-drehend. Die ersten 1,5 sm motoren wir, dann holen wir das Großsegel und die Genua heraus. Mit Anfangs 3-4, später knapp 6 Knoten Fahrt geht es nach Norden. Vor Sydkoster schlängeln wir uns durch ein Felsenlabyrinth, schauen uns im Minihafen Kyrkosund um, wo wir nur noch im Päckchen liegen könnten und starten sofort zum nächsten Kosterhafen Ekenäs durch. Der gefällt uns deutlich besser, bietet jedoch ebenfalls keinen brauchbaren Platz mehr. Schade. Deshalb geht es auch dort direkt weiter in den 4-5 sm entfernten Hafen von Strömstad, wo wir gegen 16.00 Uhr im Södra Hamn ankommen und keinerlei Platzprobleme haben. Während des nachfolgenden Stadtbummels lassen wir uns Frisörtermine für Freitag mittag reservieren

Vor Heckanker in Strömstadt

Am Donnerstag kann ich endlich mein Fahrrad zur Reparatur bringen. Wir machen einen großen Spaziergang bis zur Strömstad-Marina und kommen mit der Crew der Reinke 13 M Clara ins Fachsimpeln, die am Nachmittag aus Norwegen kommend eingelaufen ist. Am späten Abend kommen Herbert und Silvia von der Clara zu uns an Bord. In der Nacht regnet es ohne Ende.

Am Freitag wechseln sich Regenschauer mit kleineren Aufheiterungen ab. Bettina verpasst ihren Frisörtermin, weil sie irrtümlich im falschen Frisörsalon wartet. Ich kann meinen Termin gerade noch wahrnehmen. 295 SEK und Trinkgeld summieren sich zu 34.-Euro, da bleibt einem die Luft weg.

Bettina ist Nachmittags auf der Clara, ich hole mein Fahrrad von der Reparatur ab und erledige einige kleinere Dinge am Boot. Abends treffen wir uns mit Herbert und Silvia, suchen uns ein Restaurant und sehen uns dort (ungeplant) die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking an. Gegen Mitternacht gehts zurück aufs Boot.

Am Sonnabend verlassen wir gegen 11.30 Uhr Strömstad Richtung Süden. Wir haben uns nun doch wegen des anhaltend schlechten oder besser durchwachsenen Wetters entschlossen, für dieses Jahr auf einen Besuch Norwegens zu verzichten. Der Wetterbericht spricht von NW auf SW drehenden Winden, zunehmend von 3-7 auf 11-15 m/s, also Starkwind. Tatsächlich erleben wir dann nur schwache Winde, bis hin zur Flaute. Wir müssen bis auf wenige Seemeilen die meiste Zeit motoren und fahren deshalb nur rund 20 sm bis Grebbestad, wo wir Anfang der Woche schon einmal Station gemacht haben. Im Hafen ist diesmal viel Platz, die Norweger, deren Ferien an diesem Wochende zu Ende gehen, fehlen. Auch für die Schweden gehen die Sommerferien in der kommenden Woche zu Ende, dann wird es in allen Häfen schlagartig leer sein. Das Saisonende in Schweden und Norwegen steht unmittelbar bevor, wir werden uns in aller Ruhe auf den Heimweg machen.

 

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