Mit Clem und Klaus in den schwedischen Westschären

Sonnabend, 12. Juli 2008

Die Sonne scheint, die Lufttemperatur beträgt ca. 18° Celsius. Gestern abend wurde noch bis spät ohne Ende geräumt und Ordnung geschaffen. Um 10.40 Uhr verlassen wir Nya Varvet und damit Göteborg mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Wir haben uns doch sooo aneinander gewöhnt.

Die anfänglich 1-2 Knoten Wind aus West taugen beim besten Willen nicht zum segeln. Unser Tagesziel ist mit der 12 sm entfernten Insel Rörö und dem uns empfohlenen Fischerhafen nicht wirklich weit. Wir müssen uns ja auch erst wieder eingewöhnen.

Ein Gewitter zieht auf

Nach vier Seemeilen können wir dann doch zum ersten Mal für gut fünf sm die neuen Segel setzen, bevor uns ein starkes Gewitter einen Strich durch die Rechnung macht. Als wir um 13.20 Uhr im erstaunlich vollen Hafen den Heckanker fallen lassen, ist der Spuk bereits wieder vorbei, die Sonne läßt sich erneut blicken.

Fischereihafen auf der Insel Rörö

Klaus auf einem heißen Stein

Sogar ein W-Lan-Netz ist vorhanden. Super. Dadurch können nach längerer Zeit einmal wieder ein Videotelefonat mit Schwester/Schwager und Kinder/Enkelkinder führen.

Hier wird das Abendessen zelebriert

Gegen Abend nimmt der Wind zu und erreicht Nachts abgelesene 24 kn, vielleicht auch mehr.

 

Sonntag, 13. Juli 2008

Wir stehen spät auf und frühstücken im Cockpit. Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel, es ist angenehm warm. Wir entschließen uns, noch einen weiteren Tag auf Rörö zu bleiben und teilen uns auf. Bettina und Clem verschwinden bis zum späten Nachmittag zum Strand (Wassertemperatur 20°), Klaus liest und ruht, ich sitze am Laptop und bringe mein "Büro" in Ordnung, telefoniere, bearbeite und versende Emails. Eine gute Arbeitsteilung!

Gegen 16.30 Uhr gehts gemeinsam zum Eisessen...  

und wenig später ... schon wieder Essen

Anschließend wird ein längerer Inselrundgang gestartet.

Montag, 14. Juli 2008

Das Wetter ist durchwachsen, die Sonne kommt nur gelegentlich zum Vorschein, es ist aber nicht kalt. Wir holen unseren Heckanker um 10.40 Uhr auf und ... haben Ankersalat. Das war beinahe zu erwarten. Das Durcheinander wird aber bald gelöst. Genau zwei Stunden sind wir anschließend nach Marstrand unterwegs, der Wind bläst kräftig und zunehmend aus SW-W mit 5 bis 6 Bft, genau wie vom DWD vorhergesagt. Wir liegen immer wieder stark auf der Backe.

In Marstrand ist am späten Mittag kaum noch ein Liegeplatz zu bekommen. Wir versuchen einen gerade noch freien Außenplatz zu belegen. Bei dem starken Querwind gelingt es trotz mehrerer Anläufe nicht, die Mooringleine aufzunehmen und nach hinten zu führen. Immer wieder treibt das Heck kurz vor dem Stillstand querab. Bei einem unserer Versuche fällt Clem auch noch ins Wasser! Da sie ordungsgemäß ihre Automatikweste trägt, wird dies jedoch zum Glück nicht zum Problem. Bettina zieht sie mit Hilfe eines von von seinem Boot "herbeigeklopften" Schweden aus dem Wasser. Clem ist putzmunter und ihre Kleidung läßt sich trocknen. Wir finden dann doch noch einen Platz auf der Marstrand-Ostseite. Zwar haben wir hier einen enormen Winddruck auf das Boot, reichlich Fender lösen aber auch dieses Problem.

Nachmittags machen wir mit unseren Fahrrädern einen Ausflug und setzen dabei mit der Fähre auch auf die Festungsseite von Marstrand über.

 

 

Dienstag, 15. bis Mittwoch 16. Juli 2008

Wir bleiben bei unseren bisherigen kleineren Etappen und bekommen dadurch mehr Freiraum, die besuchten Orte auch tatsächlich kennen zu lernen. Erst um 11.40 Uhr legen wir in Marstrand ab. Die Sonne wechselt sich mit Wolkenphasen ab, der Wind kommt böig mit 4-6 Windstärken aus SW. Die 16 Sm bis Stenungssund legen wir mit achterlichen Winden bequem in knapp drei Stunden zurück. Es gibt keine freien Liegeplätze. Wir legen deshalb auf einem gesperrten Privatplatz an und hoffen, dass sich der Platzinhaber mit seinem Boot auf großer Fahrt befindet. Um 19.00 Uhr steuert uns eine 35 Fußyacht so zielgerichtet an, dass kein Zweifel bestehen kann. Wir haben Pech gehabt. Bettina und ich sind zu diesem Zeitpunkt allein und wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um das Boot startklar zu machen, während das wartende Boot Kreise dreht. Die Schweden würdigen uns keines Blickes! Wir verlegen Aquamarin 100 Meter weiter in die nächste Privatbox und haben dort Glück, bis zur Weiterfahrt am Donnerstag läßt sich hier kein Mensch blicken.

Aquamarin in Stenungssund

 

Donnerstag, 17. bis Freitag 18. Juli 2008

Um 11.00 Uhr geht es bei überwiegend heiterem Himmel überschaubare 22 SM weiter nach Uddevalla, wo wir ebenfalls zwei Tage bleiben. Wir erfahren uns auch hier die Stadt und ihre Umgebung, u.a. auch Gustavsberg, das älteste schwedische Seebad.

Uddevalla Gästehavn

Uddevalla Stadtansichten

Ausflug nach Gustavsberg, dem ältesten schwedischen Seebad

 

 

Sonnabend, 19. Juli 2008

Von Uddevalla aus fahren wir um 11.35 Uhr Richtung Ellös. Hier hat Hallberg-Rassy seine Werft und einen eigenen Auslieferungs-hafen. Und den wollten wir eigentlich sehen. Unterwegs haben wir angesichts dunkler Wolken am Horizont eine andere Idee: Wir steuern Henän an, dort ist die Najad-Werft zu Hause, und die tut es auch. 13 nur teilweise segelbare SM reichen ja auch.

In Henän bekommen wir keinen der offiziellen Plätze und legen deshalb in einem an Bavaria vermieteten Teil des Najadhafens an und können dort auch bleiben. Der Platz ist in Ordnung, außerdem sogar kostenlos (direkt nebenan 340.- SEK/Nacht). Auch hier machen wir wieder die Gegend mit unseren unsicher. Am Abend und Nachts regnet es dann in Strömen. Das hatten wir während unserer gesamten Reise in dieser Form noch nicht kennengelernt.

 

Sonntag, 20. bis Montag 21. Juli 2008

Nach einer deutlichen Wetterbesserung entschließen wir uns am späten Sonntag-Nachmittag spontan zur Weiterfahrt. Ziel ist eine ca. 3 SM entfernte Ankerbucht auf der Insel Hjälton. Um 17.00 Uhr fällt dort der Heckanker auf neun Meter Tiefe, unsere Vorleinen machen hilfsbereite badende Kinder an einem Baum fest. Die Sonne scheint und die neueste Wetterprognose sagt eine beginnende Hochsommerphase voraus. Die Stimmung ist deshalb hervorragend. Am Abend machen wir einen langen und wunderschönen Inselspaziergang.

Abendlicher Inselrundgang

Montag wird ein richtiger Sommertag. Klar, dass wir noch einen weiteren Tag hier bleiben. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen, Bastelarbeiten am Boot, baden und mit Spaziergängen.

 

 

Dienstag, 22. bis Freitag 25. Juli 2008

Wir stehen (einmal mehr) spät auf, baden und frühstücken dann anschließend im Cockpit. Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel, es ist angenehm warm. Um 11.00 Uhr geht es weiter. Die Sonne sticht, das Barometer steigt unaufhaltsam. Nach viereinhalb Stunden und 22 schönen SM kommen wir im Inselhafen von Smögen an. Wir haben Glück. Der Hafen ist um 15.30 Uhr bereits brechend voll, der Hafenmeister veranlasst jedoch einen Norweger mit einer 31-Fuß-Bavaria seinen Platz für uns zu räumen und anschließend an unserer Außenseite festzumachen. Das geht problemlos und ohne Groll, wir sind angekommen.

In Smögen brummt der Bär ...

 

... gleichzeitig gibt es aber auch viel ruhige Plätze

Smögen muss man gesehen haben. Der Ort sprüht vor Leben. Er ist voller Boote aus ganz Europa, es ist ein einziges Kommen und Gehen. Die gesamte 600 Meter lange Wasserfront des Hafen mit ihren kleinen, roten Fischerhäuschen ist mit Boutiken, Kiosken und Restaurants vollgestopft. Ein nie abreißender Strom von Schaulustigen promeniert bis spät in die Nacht hinein, sehen und gesehen werden ist hier das Motto. Der gesamte Ort ist Sommerfrische.

und hier wieder das Kontrastprogramm

Am Mittwoch feiern wir den Geburtstag Bettinas. Es kommen viele Anrufe und Emails, nachmittags wird gemeinsam im Cockpit Kaffee getrunken, Clem hat dem Kuchen Lichter angesteckt, und am Abend stimmt eine norwegische Gruppe auf dem Nachbarboot ein Geburtstagslied für Bettina an. Das Geburtstagsgeschenk von Clem und Klaus, ein Boulespielsatz für zwei Personen wird sicherlich häufig zum Einsatz kommen. Die Regeln haben wir uns jedenfalls sofort aus dem Internet besorgt.

Meeresfrüchte satt

 

Die norwegische Nachbarcrew gibt ein Geburtstagsständchen

Einer der norwegischen Sänger zu später Stunde noch auf der Aquamarin

Vielleicht liegt es am Alkoholkonsum des Vorabends. Am Donnerstag stehen wir spät auf und entschließen uns dann, doch noch einen weiteren Tag in Smögen zu bleiben und eine Schärenwanderung zu unternehmen. Klaus versucht dabei sein Anglerglück und hat Erfolg. Die beiden von ihm geangelten Fische landen abends in der Pfanne. Sie schmecken spitzenmäßig. Morgen werden Clem und Klaus von Smögen aus per Bus nach Göteborg starten und dort die Nachtfähre zurück nach Kiel nehmen.

Es ist sehr warm. Wir haben am Freitag Morgen bei ICA unsere inzwischen knappen Vorräte erneuert, Clem und Klaus haben klar Schiff gemacht und ihre Sachen gepackt. Die 15 Tage gingen wie im Flug vorbei. Um 12.15 Uhr ist es dann so weit. Eine kurze herzliche Verabschiedung und dann heißt es Leinen los. Wenige 100 Meter weiter rollen wir unser Großsegel aus und lassen uns von dem schwachen Wind in eine nur sechs Seemeilen entfernte Ankerbucht treiben. Dort treffen wir auch das holländische Seglerehepaar wieder, das in Smögen zwei Nächte lang mit ihrem Boot an unserer Seite gelegen hat. Ein neues Kapitel beginnt.

 

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