11. August bis 10. September 2006

Urlaubsbeginn

Am Donnerstag, 10. August 2006, starteten wir um 20:00 Uhr in Göttingen und kamen gegen 22:30 Uhr in Lübeck an. Einräumen und Sortieren waren angesagt.

Freitag wurde der Großeinkauf getätigt, also wieder Einräumen und Sortieren. Das Wetter zeigte sich leider nicht von seiner besten Seite. Allerdings gab es kaum Wind. Eigentlich war nun geplant, den ersten Segeltag in Angriff zu nehmen. H.-J. machte als ordentlicher Skipper seine Runde über das Deck und musste zu seinem Entsetzen sehen, dass die vor Wochen bestellten Rutscher für das Großsegel noch nicht wieder angebracht waren. Nun begann eine schwierige Odyssee, um einen verantwortlichen Mitarbeiter bei der Segelwerkstatt Stade zu erreichen. Zu allem Unglück waren dort bis zum folgenden Montag noch Betriebsferien. Irgendwann gelang es jedoch, einen Kontakt herzustellen und für den Samstag wurde uns der zuständige Kollege avisiert. Noch mal Glück gehabt.

Den Abend verbrachten wir sehr feucht-fröhlich wieder einmal bei unseren lieben Stegnachbarn Heidi und Michael samt Dackeln. Der folgende Morgen war entsprechend. Gegen 9:00 Uhr wurden die Rutscher geliefert und angebracht. Mit Hilfe einiger starker Männer ließ sich H.-J. in die Mastspitze ziehen, um Bastelarbeiten vorzunehmen. Anschließend Reinigung des Decks, Abendbrot, lesen, schlafen.

 

Sonntag, 13. August

Endlich hieß es alle Leinen los! Um 11:30 Uhr starteten wir unter Motor bis nach Travemünde. Dann wurden die Segel gesetzt und ab ging es in Richtung Insel Poel, wo dann gegen 17:30 Uhr der Anker geworfen wurde. H.-J. ging todesmutig ins doch noch recht kühle Wasser und säuberte das Unterwasserschiff, die Schraube, Ruder und Logge. Zitternd vor Kälte kam er nach 1,5 Stunden an Bord und wurde von mir mit einer leckeren heißen Fischsuppe aufgepäppelt. Um 20:00 Uhr regnete es sehr stark – umso gemütlicher ist es dann an Bord.

 

Montag, 14. August

Lange geschlafen – herrlich. 12:13 Uhr Anker auf und bei Wind 15 – 30 kn. aus SSW nach Kühlungsborn. Leider immer noch Regen. Trotzdem einen Spaziergang in den Ort gemacht und Kaffee getrunken.

 

Dienstag, 15. August

Der Wind hatte zwar ordentlich aufgefrischt. Wir segelten deshalb bei achterlichem Wind nur unter der 76m²-Genua in Richtung Warnemünde. Trotz der Schaukelei und bei permanent zunehmendem Wind ein angenehmer Törn, jedenfalls nachdem eine deutliche Segelverkleinerung vorgenommen wurde. Wir steuerten die neue sehr großzügige Marina Hohe Düne in Warnemünde an. Unmittelbar in das Anlegemanöver hinein steigerte sich der Wind mit Spitzenböen bis auf 52 kn, so dass sich unsere Aquamarin bei wenig Fahrt kaum noch steuern ließ. Mit Leinenhilfe eines anderen Seglers ist es dann jedoch im zweiten Anlauf irgendwie doch noch gut gegangen. Bettina fühlt sich ein wenig heldenhaft, dieses Anlegeabenteuer überstanden zu haben. Nachdem das Schiff aufgeklart wurde, setzten wir dann mit der Fähre in den alten Teil der Stadt über und machten noch einen schönen Bummel. Abends gingen wir bei einem sehr gut besuchten „Italiener“ lecker essen. Danach lud H.-J. mich zu einem Cocktail in eine vornehme Hotelbar ein. Ach wie geht`s uns gut. Ein wunderschöner Tag ging zu Ende.

  • Das Kreuzfahrtschiff Europa verläßt Warnemünde

 

 

Mittwoch, 16. August

Wieder lange geschlafen. Kaum noch Wind. Unter Groß und Genua langsam Richtung Stralsund gesegelt. Um 21.30 Uhr - bereits in der Dämmerung - erreichten wir den Ankerplatz Reede Bock vor Barhöft. Ungebetene stechende Gäste bevölkerten unser Boot. Warum stechen eigentlich nur die Mückenweibchen? Mit Mordlust in den Augen gingen wir auf die Jagd und erlegten einige mit unserem Blut gefüllte Viecher.

 

Donnerstag, 17. August

Lange geschlafen, um 11.40 Uhr den Anker gelichtet und unter Motor bei schwachem Wind endgültig nach Stralsund gefahren. Bummel durch die wunderschöne alte Hansestadt, die leider unter einer sehr hohen Arbeitslosigkeit und Fluktuation leidet. In einem liebevoll gestalteten Fischgeschäft am Hafen eine Kleinigkeit gegessen. Anschließend Besuch des Meeresmuseums. Gegen 20:00 Uhr kommen Clemm und Klaus Hoffmann zu einer gemeinsamen Segelwoche an Bord.

Gegen 21:30 Uhr erst zum "Italiener" später in die nächstgelegene und bis auf den letzten Platz besetzte Hafenkneipe auf "einige" Bierchen. Um 1:00 Uhr geht es dann in die Kojen.

 

Freitag, 18. August

Durch Hoffmanns mitten in der Nacht – also gegen 9:00 Uhr – mit leckerem Frühstück aus der Koje geworfen worden. Dann fahren Klaus und Bettina zum Großeinkauf. Gegen 12:30 Uhr Leinen los Richtung Schaprode/Rügen. Im Fahrwasser dieses Mal kein Hilferuf (wie 2005) mit anschließender Lebensrettung, sondern eine Segelyacht, die außerhalb des Tonnenstrichs auf Grund gelaufen war. Das hieß für uns natürlich Segel runter, Motor an, wenden, Leinen vorbereiten und – Pustekuchen – keine Rettung, der Segler hatte sich bereits aus eigener Kraft befreit. Dann unter Motor in den niedlichen Schaproder Hafen eingelaufen und angelegt. In der Hafenkneipe trinken Bettina und Hans-Joachim erst einmal ein großes Bier, H.-J. ißt dazu noch ein Schnitzel (roch und schmeckte wie bei Muttern). Abends aber dann die Krönung: Klaus hatte eine sehr leckere Fischmahlzeit bereitet. Und so klang ein schöner Tag auch noch gemütlich aus. Was gab es sonst noch: Bettina hat sich die Blase erkältet und sich deshalb früh und mit Wärmflasche ins Bett verzogen. Mücken machten uns zu schaffen und ein in den Nachrichten angekündigtes Unwetter, hatte außer Regen und mäßigem Wind nichts Bemerkenswertes an sich.

 

Samstag, 19. August

Wieder ein (strahlend) schöner Tag: Hoffmanns holten früh Brötchen und die Zeitung. Gemeinsames und gemütliches Frühstück mit ungebetenen Gästen (Wespen und Mücken) im Cockpit. Als Clem und Bettina den Müll wegbrachten bemerkten sie, wie von einem Fischkutter aus fangfrischer Fisch verkauft wurde. Also Geld geholt und üppig eingekauft. Nun wäre eigentlich die Zeit zum Ablegen gekommen. Aber H.-J. hatte sich in ein Computer-Problem verbissen, das geraume Zeit und reichlich Flüche beanspruchte. Das bedeutete, dass für die übrige Besatzung sonnenbaden und faulenzen angesagt war. Ein netter Schnack mit Clementines "Liebhaber" aus dem letzten Jahr verkürzte uns dann die Zeit bis zum Ablegen.

Ablegen ist eigentlich ein völlig normaler und gut eingespielter Vorgang. Heute jedoch nicht: H.-J. sprang auf den wackligen Schwimmsteg und bat Clem, die hintere Leine zu halten. Er zog auf der anderen Seite ohne zu bedenken, dass die Leine nicht mehr am Boot befestigt war. Zack, lag er voll bekleidet im Wasser. Keiner wagte zu lachen. Bettina flüstere Clem nur zu, wenigsten ein Foto zu machen. Wie ein geölter Blitz tauchte H.-J. jedoch aus den Fluten auf. Aus dem Foto wurde deshalb nichts, oder nichts so richtig verwertbares.

Um 12:50 Uhr ging es dann aber endgültig los. Der anfangs noch brauchbare Segelwind ließ am Nachmittag immer mehr nach, bei herrlichem Sonnenschein stellte sich dann jedoch um kurz vor vier Uhr die Flaute ein. Es hieß deshalb Segel runter und Motor an und nach der Rundung des Kap Arcona ging es Richtung Lohme. Und das war gut so. Ein süßer kleiner Hafen, mit viel Atmosphäre, einfach schön. Anlegen kein Problem. Schnell entschlossen wir uns, ein Anlegebierchen (oder zwei?) in dem hübschen kleinen Gasthaus oberhalb des Hafens einzunehmen. Am Abend verwöhnte uns Klaus wieder mit einem leckeren Fischgericht, das im Cockpit bei Kerzenschein eingenommen wurde. Tolle Stimmung am Ende eines sehr schönen und sonnigen Tages.

  • Na dann Prost!

 

Sonntag, 20. August

Nachdem es die Nacht über mehrfach geregnet hatte, brach ein sehr schöner Morgen mit viel Sonne und wenig Wind an. Spät aufgestanden und nach einem –wie üblich- ausgiebigen Frühstück wurde in Lohme um 12:15 Uhr unter Motor in Richtung Sassnitz abgelegt. Nach 15 Minuten meldete sich der Wind zurück, so dass mit Groß und Genua 1 (Fock) gesegelt wurde. Da Kurs Bornholm angelegt werden konnte, wurde kurzzeitig dieses Ziel diskutiert. Ein bis dahin unbemerkter Schaden am Profistag der Rollfock, die Verbindung zweier Elemente hatte sich gelöst, ließ uns dann jedoch wenden und Kurs auf Sassnitz nehmen. Da sich auch noch ein Gewitter näherte, wurden -um nicht noch zusätzliche Schäden zu provozieren- wenig später die Segel geborgen und anschließend unter Motor weiter gelaufen. Um 15:05 Uhr legten wir unmittelbar vor Beginn des Regens im Sassnitzer Innenhafen an. Nach den üblichen Aufräumarbeiten war dann gemütliches Kaffeetrinken angesagt, während draußen die Blitze zuckten. Gegen 18:00 Uhr gingen wir bei inzwischen wieder fast blauem Himmel spazieren und anschließend in ein rustikales Fischrestaurant (gut) essen. Gegen 21:30 Uhr schloss ein Rundgang durch Sassnitz einen auch vom Wetter her akzeptablen Tag ab. Anschließend ging es in die Kojen, für H.-J. noch an die Homepagebearbeitung.

Montag, 21. August

Bettina um 7:15 Uhr (das gibt es nur in den neuen Bundesländern!) zur Internistin wegen einer Nierenbeckenentzündung: Fünf Tage Schonung und Antibiotikaeinnahme sind angesagt. Frühstück um 10:30 Uhr. Wetter: Himmel bedeckt, trocken, um 20°, etwas ungemütlich. Wind etwa 15-20 Kn, böig. Noch etwas zu stark, um den Schaden am Vorstagprofil in 15m Höhe zu begutachten. Clem läßt 30 Euro in Scheinen ins Sassnitzer Hafenwasser flattern, springt aber geistesgegenwärtig sofort hinterher und rettet damit Ihr Vermögen! Da sich wettermäßig etwas Lustlosigkeit breit gemacht hat und sich gegen Mittag Sonne, Wolken und Schauer beständig abwechseln, wird ein Hafentag für Sassnitz beschlossen. Damit stehen erst einmal -je nach Facon- Bummeln, Schlafen, Essen und Lesen auf dem Programm.

Reparaturarbeiten am Vorstagprofil werfen ihre Schatten voraus: Gegen 18:30 Uhr ging es bei nur noch 12 Kn Wind und gesichert durch Klaus und unseren hilfsbereiten Bootsnachbarn aus Hannover "nach oben":

  • Kletterpartie bis zum Masttop und dann am Vorstag abwärts.

  • In 14m Höhe Profilstag aufgebohrt, Gewinde geschnitten, durch Verschraubung und Locktite gesichert.

  • Es ist vollbracht: Das Profilstag der Rollfock ist (besser als original) repariert!

Nach dem Abendessen noch lange im Cockpit von Aquamarin mit einer aus St. Petersburg kommenden Crew zusammen gesessen und Erfahrungen ausgetauscht.

 

Dienstag, 22. August

11:00 Uhr Ablegen in Sassnitz mit Kurs auf Peenemünde. Sonne und Wolken wechselten sich ab. Mäßiger Wind, volle Beseglung, wunderbares Segeln. Allerdings gerieten wir in eine Regen/Wolkenwand und der Wind verstärkte sich innerhalb von Minuten von 16 kn. auf 32 Kn, was zu mächtiger Schräglage und hektischer Betriebsamkeit führte. Doch das alles war es natürlich wert, da wir drei von der Größe her ebenbürtige Segelyachten überholten, die deutlich vor uns aus dem Hafen ausgelaufen waren. Die Männer fühlten sich in ihrem Element, Clem und Bettina verzogen sich in den Salon und überließen den Seebären die Arbeit. Bei wechselnden Winden, zwischendurch auch Regenschauern, musste "hoch am Wind" die Genua geen die Kreuzfock getauscht werden. Um 15.45 Uhr liefen wir in den Yachthafen des Marine Segelvereins am „Peenemünder Haupthafen“ ein und machten fest. Dieser kleine Hafen besticht noch durch den besonderen Charme der früheren DDR. Man fühlt sich mindestens um 20 Jahre zurückversetzt.

 

Eine kurze Erkundungstour durch den Ort mit seinen alten verrotteten Anlagen der Hitler-Zeit machte den Tag komplett. Für morgen Vormittag ist ein Besuch des ehemaligen Raketenversuchsgeländes (heute Museum) geplant. Mit einem gemeinsames Abendessen (Fischplatte, gut zubereitet) in einem netten Lokal am Hafen wird der schöne Tag beendet.

 

Mittwoch, 23. August

Heute ist Clem verpflichtet worden, einen Bericht zu schreiben.

Peenemünde 8:oo Uhr. Auf unsere Koje pladdert der Regen wie eine Dusche. Wetter zum Weiterschlafen. Nein, heute auf Wunsch des Kapitäns Besuch der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Wind und Regen mit beeindruckendem Wolkenfeld begleiten uns auf dem Weg dorthin. Die verfallene Ortschaft mit dem Charme der alten DDR verwandelt sich zunehmend in ein belebtes Viertel. Viele Besucher strömen ein. Das große Heizkraftwerk – ein Backsteinbau – beeindruckt durch eine moderne sachliche Architektur und die Wohnviertel durch ihren Landhausstil. Als nicht besonders kenntnisreich über die deutsche Geschichte war diese Ausstellung für mich sehr informativ und beeindruckend. Dass diese so friedliche Landschaft für die Entwicklung der militärischen Raketentechnik benutzt und missbraucht wurde, kann man heute kaum fassen.

Zurück auf Aquamarin setzten wir die Genua, um die Peene südwärts Richtung Wolgast und danach weiter bis Rankwitz zu segeln. Ich sehe zu, nicht im Wege zu stehen und genieße bei achterlichem Wind die traumhaft schöne Landschaft, den breiten Strom, den begleitenden Schilfgürtel und die schöne Stimmung. Zum Glück kam sogar die Sonne raus.

Im Rankewitz-Hafen zeigte unser Kapitän auf engstem Raum ein imposantes Wendemanöver. Sogar die Möven klatschen Beifall. Enzückt über diese kleine charmante Landung genossen wir bei schönstem Sonnenuntergang Bettinas leckeren Heringssalat mit Pellkartoffeln. Leider waren die Kartoffeln doch nicht so reichlich bemessen, wie der Magen der Passagiere. H.-J. schielte schon zum gegenüberliegenden Fischlokal und bestellte einen Tisch für den nächsten Abend.

 

Donnerstag, 24. August

Sonne pur! Heute interessiert uns kein Windwetterbericht, denn Fahrradfahren ist angesagt. Nach opulentem Frühstück um 11:00 Uhr Abfahrt Richtung Kaiserbäder. Auf Bettinas Gesundheit sollte Rücksicht genommen werden...! Davon später nochmals.....

Bei wunderbaren Wetterbedingungen erreichten wir fast wie der Wind die alten schönen Badeorte von Usedom: Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Prachtbauten an der Seepromenade, wo der Kaiser schon seinen Tee genossen hatte, Badegästehäuser – alles wurde genossen und kritisch beäugt. Die Fahrradtour wurde von allerlei Schleckereien begleitet. Von Alsterwasser, Eiskaffee, Bratwurst und warum nicht noch nach all dem auf der Seebrücke in Heringsdorf ein Dorschfilet mit Bratkartoffeln? Sogar die Möven hatten ihre Freude, weil sie mit den Resten gefüttert wurden. Nach einem Fototermin in Ahlbeck, der sich als schwierig herausstellte – ich fotografierte entweder das „alte schöne Paar“ oder das alte schöne Gebäude mit seinem Text „Die älteste Seebrücke Deutschlands“. Mir war das erste wichtiger. Wir verließen die Sonnenanbeter am Strand und nach 2 km waren wir fast allein auf Usedoms schönen Radwegen. Ein beruhigend liebliche und hügelige Landschaft ließen das Radeln wirklich leicht fallen. Bis an die polnische Grenze, denn da verloren unsere Männer ein wenig die Nerven (obwohl sie sich natürlich nicht verfahren hatten) und die Orientierung. In der Einöde fanden wir zum Glück noch ein sehr nettes Lokal mit einem ganz knuffigen Hund, der unsere Gemüter aufbaute und die etwas angespannte Stimmung wegbellte. Mit neuem Schwung und einem Rucksack voller Tomaten und Kartoffeln erreichten wir endlich um 18:20 Uhr nach immerhin 65 km bergauf und bergab unseren Heimathafen. Ein Lob an Bettina, die diese Strecke problemlos und genussvoll mitmachte, wobei sogar H.-J. sich ein kleines Lob abrang.

Wir landeten um 19:00 Uhr planmäßig in dem schönen Hafenrestaurant „Zur alten Fischräucherei“, wo wir mit einem üppigen Dinner den schönen Tag ausklingen ließen.

Um 23:00 Uhr wurde dieser Bericht über die letzten beiden Tage in Kladde erstellt. Er wird morgen von Bettina in den PC übertragen.

Clem

 

Freitag, 25. August

Um 10:30 Uhr verlassen wir bei Flaute, Sonne, bereits sehr warm, den niedlichen Hafen Rankwitz und motoren die rd. 10 sm in Richtung Wolgast. Dort haben wir dann um 13:00 Uhr für ca. 40 Minuten im Stadthafen festgemacht um auf die Brückenöffnung zu warten. Nach der Brückenpassage nutzten wir eine aufkommende leichte Briese, um zuerst langsam, später dann zunehmend flotter Richtung GreifswalderBodden und weiter nach Rügen zu schippern.

  • Freitag/Sonnabend: Rankwitz - Wolgast - Having/Rügen - Lauterbach

Um 18:00 Uhr fällt nach 32 sm der Anker in der Having vor Seedorf auf 2,50 m Wassertiefe. Der Himmel hatte sich zwischenzeitlich verdunkelt und sah jetzt recht bedrohlich aus: Aus der Ferne näherte sich ein Gewitter. Es ist unser letzter gemeinsamer Abend und ich (Clem) reiße mich regelrecht um die Berichterstattung. Der Wind in den Pappeln am Ufer unterstützt das Geräusch der Wellen. Mein Schreibplatz in der Kuchenbude ist sehr gemütlich. Jetzt pladdert es. Rotwein im Glas als Abschlusstrunk für die gelungenen Segeltage oder als Aperitiv zum köstlichen Heringssalat mit Pellkartoffeln von Bettina? Wie fast selbstverständlich eine friedliche Stimmung. Jeder tut das Seine. Während die Männer über den Tag noch fachsimpeln, genießen wir beiden Frauen die Ruhe mit einem guten Buch und Gesprächen. Melancholie macht sich breit. Schon wieder geht ein herrlicher Segeltörn mit Perks zu Ende. Wind und Wetter stimmten. Auch privat lief alles wie immer glatt! Wir werden dieses Mal in Lauterbach/Rügen mit neuen Segelerkenntnissen von Bord gehen. Es wurden neue Träume entwickelt. Als Schreibunterlage dient mir die „Yacht, Europas größtes Segelmagazin. Wie wäre es, zum 24. Hochzeitstag ein Abo für diese Zeitschrift an Klaus zu verschenken, damit wir gemeinsam träumend über die langen Wintermonate kommen und uns schon auf den nächsten Törn auf der Aquamarin freuen können.

 

Sonnabend, 25. August

Nach nächtlichen Regengüssen wurden wir auf unserem Ankerplatz in der Having/Rügen wieder einmal von der Sonne geweckt. Das erste Mal in dieser Woche konnten wir uns von der Badeleiter aus direkt in die Ostsee „stürzen“. Da schmeckte das anschließende Frühstück dann noch mal so gut. Nach dem Lichten des Ankers machten wir noch eine kurze Besichtigungsfahrt durch den sehr lauschigen Hafen von Seedorf.

Kaum Wind. Dennoch hissten wir die Segel und bewegten uns sehr gemächlich mit ca. 3 kn nach Lauterbach. Anlegen um 12:00 Uhr, wie immer perfekt, na klar. Klaus machte sich mit der Bimmelbahn auf den Weg nach Stralsund, um den „Wohni“ zu holen. Bettina und Clem fuhren mit den Rädern einkaufen, H.-J. hatte wie immer zu pusseln.

Wie schade, daß Clem mit ihrem sonnigen und stets optimistischen Wesen uns jetzt nicht mehr mit lustigem Geplauder erfreut. Wie hat sie uns mit ihren merkwürdigen Wortschöpfungen zum Lachen gebracht.

Kurz nachdem die beiden vom Bord gegangen waren, kamen Andrea und Robert an Bord. Wir machten einen kleinen Spaziergang und beendeten den Abend auf Einladung von Robert mit einem Restaurantbesuch.

 

Sonntag, 27. August

Mit neuer Mannschaft – Andrea und Robert – um 12:10Uhr in Lauterbach/Rügen abgelegt und bei kräftigem Wind und trübem Wetter Richtung Wieck, einem Vorort von Greifswald, gesegelt. H.-J. musste das Großsegel zwei mal reffen und das später auch noch das Vorsegel verkleinern, da der Wind bis auf 32 Kn zunahm und wir „hart am Wind“ starke Schräglage hatten.

Um 15:10 Uhr legten wir nach 17,5 sm im Stadthafen von Wieck an. Nach dem Anlegen haben sich Bettina, Robert und Andrea den kleinen hübschen Ort angesehen. Leider fing es dabei so heftig zu regnen an, dass der Spaziergang nicht ausdehnt werden konnte. Also zurück zum Boot und schnell alles dicht gemacht, da wir wieder einmal von Mücken angegriffen wurden.

 

Montag, 28. August

8:30 Uhr aufgestanden. Robert und Andrea hatten schon Brötchen geholt. Nicht zu glauben nach dem Wetter vom Vortag: Die Sonne schien strahlend, auch wenn es noch recht frisch war. Einkaufen, einräumen und um 11:45 Uhr abgelegt.

Unter gereffter Genua segelten wir vor dem Wind erst Richtung Südostspitze Rügen, dann Richtung Peenemünde/Usedom. Auch im Peenestrom und sogar bis in den Hafen von Karlshagen/Usedom blieben die Segel (Fock) gesetzt. Ein wirklich angenehmer Segeltag. Festgemacht wurde dort nach 21,2 sm genau um 16:00 Uhr. Diesen neuen und sehr gut ausgestatteten Hafen kannten wir bisher noch nicht. Es lohnt sich, ihn anzulaufen. Man merkt jedoch, dass die Saison zu Ende ist. Alles wirkt ein wenig verschlafen und herbstlich.

 

Dienstag, 29. August

Was macht man bei schlechtem Wetter? Robert und Andrea mieteten sich Räder und fuhren mit der Usedomer Bäderbahn nach Ahlbeck, an das südliche Ende der Insel. Dort erwartete sie leider strömender Regen. Wir hingegen wirtschafteten noch etwas am Boot und machten dann direkt von Karlshagen aus eine Fahrradtour auf zum Teil wunderschönen Waldwegen entlang der Küste Richtung Süden, und zwar bei ansprechenden und vor allen Dingen trockenen Wetterverhältnissen. Nach guten zwei Stunden und nach etlichen Seebädern erhielten wir einen Anruf von Robert, der von den Regengüssen in den Kaiserbädern berichtete. Das überzeugte uns sofort, nicht weiterzufahren, sondern mit der UBB von Ükeritz aus die Heimfahrt anzutreten. Da Karten auch im Zug gelöst werden können warteten wir bis Zinnowitz auf die Kontrolle, ohne dass etwas geschah. Um unser zufälliges Glück nicht unnötig zu gefährden, stiegen wir dort vorzeitig aus und fuhren die restlichen acht Kilometer mit unseren Bordfahrrädern zurück. Das war aufregend! Die eingesparten ca. 20 Euro legte H.-J. noch in Zinnowitz in einen drahtlosen Tachometer für sein Fahrrad an. Danach waren wir der Meinung, dass uns außerdem ein dickes Eis zustehen würde, was auch direkt in die Tat umgesetzt wurde.

Robert und Andrea kamen erst gegen 19:00 Uhr von ihrem Ausflug zurück, so daß es nicht mehr lohnte, die Leinen zu lösen. Die beiden zauberten ein köstliches Abendessen und wir saßen noch lange gemütlich im Salon unserer Aquamarin zusammen.

 

 

Mittwoch, 30. August

9:30 Uhr aufgestanden und gefrühstückt. Robert und Andrea fuhren mit unseren Bordfahrädern Nach Peenemünde und besuchten dort das Informationszentrum der ehemaligen Raketenversuchsanstalt, wir machten einen Spaziergang durch Karlshagen und am Ostseestrand dieses Badeortes.

  • Am Strand von Karlshagen/Usedom

Um 15:40 Uhr legen wir dann doch noch ab. Die Sonne scheint, wegen eines starker und böiger Nordwestwindes macht das Segeln kaum Sinn. Außerdem ist lediglich beabsichtigt, den nächsten Hafen anzulaufen. Kurz hinter Peenemünde sehen wir ungewöhnlich große Vögel langsam und elegant ihre Kreise ziehen: Bettina vermutet Seeadler, was zunächst vom Rest der Crew für unwahrscheinlich gehalten wird. Als wir näher kommen, wird es jedoch zur Gewissheit. Mit dem bloßen Auge und natürlich noch viel besser mit dem Fernglas lassen sich vier Seeadler deutlich erkennen. Ein tolles und für alle bisher einmaliges Erlebnis.

Bereits um 16:40 Uhr, nach lediglich 4,9 sm, machen wir in dem romantischen Fischerhafen Freest fest. Eine gute Wahl. Nach einem ausführlichen Spaziergang, geht es in eine urige Gastwirtschaft zum gemeinsamen Abendessen. Da das Lokal gut besucht war, setzten wir uns zu einem Krefelder Seglerehepaar, mit dem wir dann sehr lustig und sehr angeregt fachsimpeln konnten. Ein netter Tagesabschluss.

  • Der letzte Wikinger in Freest

  • Eine Mannschaft, die Sturm und Wellen trotzt

  • Andrea beim Äppelklau

 

Donnerstag, 31. August

12:05 Uhr in Freest abgelegt. Es wurde eine stürmische Fahrt über den Greifswalder Bodden auf einem Kreuzkurs hart am Wind mit Böen bis 36 kn! Mit zwei Reffs im Groß und der leicht gerefften Genua I ging es trotzdem recht flott in Richtung Rügen, zum neuen Hafen von Gager in der Hagensche Wiek. Dort legten wir um 15:50 Uhr bei Sonnenschein an. Der freundliche Hafenmeister erwartete uns am Steg und nahm die Leinen entgegen. Solchen Service hat man natürlich gerne. Wenige Stundenvorher war dieser Hafen durch den Wirtschaftsminister von Mac Pom offiziell eingeweiht worden. Deshalb fand dort kleines Hafenfest statt, das wir nach einem Spaziergang auf die höchste Erhebung des Ortes mit herrlichem Rundblick über die schöne Landschaft besuchen wollten. Also schnell gekocht und los ging es ins Vergnügen. Gestärkt mit etlichen Bierchen schwangen wir bis zum Ende der Veranstaltung um 23:30 Uhr das Tanzbein, unsere Jugend blieb lieber an Bord. Der Festtag wurde dann mit einem Höhenfeuerwerk sehr schön und endgültig beendet.

 

  • Unser "liebes" Paar Andrea und Robert

  • Das Boot kämpft sich durch den Greifswalder Bodden

  • Blick auf den neuen Hafen Gager

    • Wenn das keine tolle Stimmung ist?

 

Freitag, 1. September

Um 11:05 Uhr verlassen wir den Hafen Gager bei Sonne und tropischen Temperaturen von ca. 22 ° Celsius. Perfektes Segeln mit angenehmer leichter Schräglage und gutem Wind zwischen 15 und 20 Knoten. So macht
Segeln Spaß. Wir liefen an der Küste Rügens entlang Richtung Sassnitz. Kaum hatten wir dort um 15:30 Uhr nach insgesamt 23,8 sm angelegt und unsere Kuchenbude installiert, ging ein Platzregen los, den wir diesmal jedoch gemütlich in unserem Salon bei Kaffee und Kuchen "abwettern" konnten.

  • Noch mal Glück gehabt, Sassnitz im Regen

Robert und Andrea machen einen langen Spaziergang durch Sassnitz. Am Abend werden wir alle von Andrea zum Essen eingeladen. Wir wählen auf Bettinas Empfehlung ein Restaurant direkt am Hafen und treffen eine gute Wahl. Alle sind mit ihrem Essen sehr zufrieden und so geht wieder ein schöner Tag zu Ende.

 

Sonnabend, 2. September 2006

Regen und eine Schlechtwetterprognose, die es in sich hat, lassen uns umdisponieren: Statt, wie ursprünglich geplant mit Robert und Andrea Rügen nördlich zu umsegeln, heuern die beiden junge Leute ab und nehmen den Zug 11:03 Uhr Sassnitz - Hannover. Damit stehen Bettina und ich allein vor der Entscheidung: Wie geht es weiter? Da laut Nachrichten für Seefahrer der Nothafen Darsser Ort nur noch bis 1,40 m Tiefgang angelaufen werden kann, scheidet dieser Hafen als Zwischenstation nach Westen für uns aus. Der nächste Hafen wäre dann Warnemünde in ca. 90 sm Entfernung von Sassnitz. Zu weit, um ihn vor Mitternacht zu erreichen und da soll es bereits mit 8 Bft blasen. Deshalb entscheiden wir uns, Rügen südlich zu runden und im Schutz der Boddengewässer wenigstens soweit nach Westen zu gelangen, wie es ohne Risiko geht. Um 12:50 Uhr legen mit Kurs Süd ab und -oh Wunder- die Sonne scheint, es wird sommerlich. Die Ruhe vor dem Sturm? Die ersten 20 sm motoren wir bei Flaute, um dann den Greifswalder Bodden 10 sm Richtung Strelasund bei leichten Winden aus Süd segelnd zu queren.

  • Kurse Sassnitz bis Barhöft

Um 19:45 Uhr machen wir im Hafen von Neuhof, ca. 5 sm vor Stralsund fest. Kurz vorher hatte sich der Himmel bedrohlich verdunkelt und die ersten Blitze zuckten am Horizont. Kaum war unsere Kuchenbude (eine unserer besten Investitionen) aufgebaut, konnten wir im sicheren Schutz und vor allen Dingen trocken das herannahende Unwetter genüsslich betrachten. Ein atmosphärisch gelungener Abschluss eines insgesamt doch noch sehr schönen Tages.

 

Sonntag, 3. September 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Wetterprognose für Sonntag, 3. September 2006

Wir stehen bereits um 7:30 Uhr auf, Frühstücken und starten bei noch bedecktem Himmel um 8:30 Uhr Richtung Stralsund. Um 9:35 Uhr passieren wir, noch unter Motor und nach ca. 10 Minuten Wartezeit, mit weiteren Booten die Ziegelgraben Klappbrücke.

  • Geöffnete Ziegelgrabenbrücke, im Hintergrund die im Bau befindliche neue Rügenbrücke

  • Blick auf Stralsund im Vorbeifahren

Nach der Brückenpassage können wir bei blauem Himmel und stetig zunehmendem WSW-Wind die letzten zehn Seemeilen bis Barhöft mit zwei Reffs im Groß und einer verkleinerten Genua I gut aussegeln. In der Rinne kurz vor Barhöft liegen wir bei 38 Knoten Wind allerdings bereits stark auf der Backe. Das Anlegen zwischen Mooringboje und Steg ging, wie eigentlich immer bei unserem eingespielten Team, um 11:00 Uhr problemlos vonstatten.

Nach einem gemütlichen Gammelnachmittag mit nun wieder vielen Regenschauern ging es dann um 19:00 Uhr per Service-Fahrdienst zur Lindenwirtin ins ca. 3 km entfernte Solkendorf, wo wir mit einem älteren Seglerpaar aus Osterode (kamen gerade aus Königsberg/Russland) einen vergnüglichen Abend verbrachten.

Ein Nachteil hat unser neuer Aufenthaltsort: Wir befinden uns in einem GPRS- und UMTS-Loch. Handygespräche sind störanfällig, Internet reine Illusion. Ob wir das aushalten?

 

Montag, 4. September 2006

Lange geschlafen. Der Wind pfeift inzwischen stetig mit 7-8 Bft aus West. Auf der nur wenige Kilometer entfernten Insel Hiddensee werden laut NDR 1 Böen mit 11 Bft, dass sind Windgeschwindigkeiten von 56 bis 63 Kn, oder über 100 km/Std. Im Hafen zerrt Aquamarin an den Festmacherleinen und krängt in Böen beachtlich!

An eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Macht nichts: Eine zwar mit gelegentlichen Regenschauern gewürzte jedoch sehr schöne mehrstündige Radtour durch die umgebende Boddenlandschaft entschädigt uns reichlich. Längeres Telefongespräch mit Bruder Peter, der heute 69 Jahre alt wird und sich zur Zeit in der Nähe von Oslo befindet. Es wird ein bisschen am Boot herumgepusselt, ansonsten viel gelesen. Die Zeit vergeht wie im Fluge.

  • Die hier noch als Trittstufen zweckentfremdeten Fischkisten lagen später alle im Hafenbecken

 

Dienstag, 5. September 2006

Immer noch Starkwind, so dass wir auch heute nicht aus Barhöft auslaufen können. Im Unterschied zu gestern haben wir jedoch einen strahlend blauer Himmel. Daher nochmals lange geschlafen und getrödelt, um dann gegen 15:00 Uhr zu einer Fahrradtour aufzubrechen. Nach 5 km hat Bettina einen platten Hinterreifen! Noch auf dem Steg hatten wir über die Absicht gesprochen, Flickzeug mitzunehmen! H.-J. fährt zurück und holt seinen halben Werkzeugkasten. Nach einer knappen Stunde geht es endlich weiter. Es werden dann doch noch 27,2 km.

Um 19:50 Uhr bestätigt DP 07 über Funk die Windwarnung des Deutschen Seewetterdienstes für die westliche Ostsee, sagt jedoch gleichzeitig für Mittwoch abnehmende Winde um 4 Bft aus W bis SW voraus, Für uns heißt das: Morgen geht es früher als sonst bei uns üblich weiter.

 

Mittwoch, 6. September 2006

Aufstehen ganz gegen unsere Gewohnheit bereits um 6:00 Uhr. Kurze Zeit später steht der Himmel in Flammen, die Sonne geht auf. Bettina hält diese schöne Stimmung (würde Clem wohl sagen) im Bild fest.

 

Schnell frühstücken und um 6:55 Uhr legen wir bereits ab. Die ersten fünf sm werden gemotort. Einerseits fehlt der Wind, andererseits ist die Fahrrinne im nördlichen Strelasund und im westlich der Insel Hiddensee gelegenen Gellenstrom sehr schmal und gefährlich. Anschließend folgt ein kurzer Segelversuch, nochmals fünf Seemeilen Motoreinsatz. Dann legte der Wind so zu, dass wir bei idealen Witterungsbedingungen annähernd 60 sm am Stück ausschließlich unter Segeln bis kurz vor Warnemünde aufkreuzen konnten. Traumsegeln! Um 21.14 Uhr, bereits in der Dunkelheit, starteten wir 3 sm vor dem Yachthafen Hohe Düne den Motor, da der Wind mittlerweile einzuschlafen drohte, wir auch genug gesegelt waren und uns im übrigen auch "unsere" Hotelbar magisch anzog. Von Bettina als erste bemerkt gaben Motor, Welle oder Propeller ein undefinierbares, schepperndes Geräusch von sich, was höhere Drehzahlen vorsorglich ausschloss und uns ernsthafte Sorgen bereitete. Aus diesem Grund war "Schleichfahrt" zum Hafen angesagt, was unsere Ankunft bis 22:15 Uhr verzögerte. Aber dann geht die Post ab: Klamotten an und im Laufschritt an die Bar. Um kurz nach Eins ging es dann nach einem schönen, langen und ereignisreichen Tag in die Koje.

 

7. September 2006

Aufgestanden gegen 9:00 Uhr und Wetterbericht von DP 07 abgehört.

H.-J. startet anschließend bei 18,5° Celsius Wassertemperatur zu einem ersten Inspektionstauchgang mit Schnorchel und Taucherbrille um die Schiffschraube zu kontrollieren. Schnell ist klar, dass kein größerer Schaden vorliegt. Vielmehr hat sich "nur" die an der Welle befestigte Opferanode gelöst. Bei 2000 Motor- und untersetzt 800 Wellenumdrehungen pro Minute erzeugt das die von uns gestern abend festgestellten beunruhigenden Geräusche. Immer wenn H.-J. unter Wasser den Schraubenzieher im Schlitz der Schraube und den Schraubenschlüssel an der Mutter angesetzt hat, geht ihm die Luft aus. Da er so nicht weiterkommt, wird erst einmal gefrühstückt und dann ein erneuter Tauchgang -jetzt im strömenden Regen- mit der mitgeführten Druckluftflasche, Tauchjacket und Bleigürtel unternommen. Diesmal klappt es sofort. Die Opferanode sitzt wieder fest. Bei dieser Gelegenheit werden auch gleich die Kielsohlen und alle Wassereintrittsöffnungen von Seepocken befreit. Sowohl die Kühlwasseransaugung als auch der Spühlwassereintritt für die Toilette sind fast dicht. Hier wären die nächste Probleme vorprogrammiert gewesen, wobei ein Kühlwasserausfall nicht gerade spaßig ist. Aber, et hät ja noch mal jut jegange, wie der Kölner sagt. Total durchgefroren kommt H.-J. nach ca. 40 Minuten zurück an Bord und wird dort mit einem heißen Cappuccino wieder aufgetaut.

  • Froschmann beim Einsatz

  • Herbstlich Stimmung im fast leeren Hafen Hohe Düne/Warnemünde

Um 13:00 Uhr, es regnet immer noch, legen wir in Warnemünde ab. Die Wettervorhersage kündigt W bis NW 4 Bft, zunehmend 6 Bft., Böen von 8 Bft. und See 1,5 Meter an. Für uns keine sehr günstige Prognose, denn unsere Richtung ist West. Motor, Schraube und Welle arbeiten normal, die Reparatur war erfolgreich. Aus Zeitgründen laufen wir dicht an der Küste entlang, zum Teil hart in die Wellen einsetzend bis hinter Kühlungsborn, inzwischen im Sonnenschein. Wir gehen eine zeitlang, Wellen und Wind günstiger nehmend, auf einen Kurs nach Großenbrode, um dann aber doch in Richtung der deutlich näher liegenden Wismar Bucht abzudrehen. Durch einen Windreher ist es uns sogar möglich, ca. 7 sm zu segeln. Hart am Wind, der inzwischen auf kräftige 7 Bft. aus West mit permanenten Böen von 8 Bft. aufgefrischt hat, entscheiden wir uns erneut für eine Motorunterstützung, um nicht die Gefahr einer Nachtfahrt unter schwierigen Verhältnissen zu provozieren.

Um 19:00 Uhr machen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit nach insgesamt 36 sm und nach etlichen vorbereitenden Hafenrunden, permanent begleitet von Sturmböen, im kleinen Hafen von Timmendorf auf der Insel Poel fest. Es war höchste Zeit. Um 20:30 Uhr sitzen wir erleichtert und entspannt beim Abendessen im Restaurat zu Leuchtturm in Timmendorf.

 

Freitag, 8. September 2006

Nach einer unruhigen Sturmnacht mit langsam auf NW drehenden Winden um 40 kn (gute 8 Bft), mit beobachteten Spitzen von knapp 50 kn (gut 9 Bft. oder fast 100 km/Std.), begann der neue Tag zwar strahlend schön, aber immer noch heulendem Starkwind. H.-J. war nachts vier mal draußen, um Fender neu zu plazieren, schlagende Fallen zu bändigen und nach dem Rechten zu sehen. DP 07 sendet um 9:50 Uhr wieder die inzwischen schon fast obligatorische Windwarnung für die westliche Ostsee, sagt aber langsam abnehmende und bis morgen früh auf 5-6 Bft zurückgehende Winde aus NW voraus.

Heute sollte unser letzter Urlaubstag sein. Um 20:00 Uhr wollten wir bereits in der Neuen Flora in Hamburg das Musical Dirty Dancing, ein Geschenk unserer Kinder zu Bettinas Geburtstag, genießen. Wir hatten uns sehr darauf gefreut. Bis 12:00 Uhr, allenfall bis spätestens 13:00 Uhr, müssen wir ausgelaufen sein, wenn wir gerade noch rechtzeitig unsere Plätze im Theater einnehmen wollen. Aber der Wind macht überhaupt keine Anstalten nachzulassen, vielmehr pendelt er sich -im Hafen- bei konstant 25 bis 36 kn ein, das sind 7-8 Windstärken. Ein noch lösbares Problem für den Skipper, aber die Mannschaft meutert. Bei einem raumen Kurs hätte H.-J. Bettina sicherlich für ein Auslaufen gewinnen können. Aber fast gegenan und bei ruppiger Welle? Schweren Herzens geben wir der Vernunft den Vorrang erzwingen nichts und entschließen uns, das Beste aus verzwickten Situation zu machen, d.h. hier, eine sehr schöne Fahrradtour rund Poel (einschließlich Eisbecher).

Wo bleibt den nun mein Eis?

Während diese Zeilen geschrieben werden, es ist Freitag Abend 20:30 Uhr, ist es sehr gemütlich im Salon, auf dem Herd kochen die Kartoffeln. Draußen heult der Wind unverändert stark, als wolle er überhaupt nicht klein beigeben. Unsere Entscheidung von heute Mittag war sicherlich richtig. Seit gestern ist das Barometer von 1010 auf jetzt 1025,8 hp gestiegen! Wir sind gespannt, ob der kommende Tag wenigstens hält, was der Wetterbericht verspricht.

Hafen Timmendorf

 

9. September 2006

Der Himmel ist grau in grau, der Wind ist in der Nacht abgeflaut. Wir stehen spät auf, frühstücken ausgiebig und in Ruhe, lesen wie fast jeden Tag die FAZ und hoffen, dass die Sonne herauskommt. Die tut uns diesen Gefallen nicht! Um 12:10 Uhr legen wir in Timmendorf ab. Der anfangs mit NW 4 noch gut brauchbare Wind, zeitweilig segeln wir unter Groß und Fock mit 8 kn, flaut immer stärker ab. Als uns Hartmut und Birgit Brückner auf ihrem Hackepeter in ca. 0,5 sm Abstand passieren, beträgt unsere Fahrt noch 3,5 - 4 kn, eine halbe Stunde später nur noch 1,5 kn. Wir geben auf und motoren die restlichen 12 sm bis zu unserem Heimathafen in Lübeck-Schlutup. Dort machen wir um 17:10 Uhr nach unseren letzten 27 Urlaubsseemeilen fest. Der Himmel ist immer noch bedeckt, so wenig kann man sich auf Wettervorhersagen verlassen. H.-J. macht im Boot Ordnung, schaut im Firmennetz schnell mal nach dem Rechten (ging es wirklich vier Wochen lang ohne ihn?), beantwortet dort E-mail-Anfragen und Bettina fährt schnell noch einkaufen. Um 19:30 Uhr ist die Paella fertig, als "Vorspeise" verdrückt H.-J. eine ganze Packung Edle Tropfen in Nuss!

Wir sind traurig, dass dieser schöne Urlaub wie im Fluge vergangen ist. Viel Zeit zum Segeln werden wir in diesem Jahr nicht mehr haben. Die Gedanken kreisen schon um die Überführung ins Winterlager nach Fehmarn. Aber eins ist sicher: Ein nächster Sommer wartet schon auf uns!

 

10. September 2006

Der Sonntag beginnt immer noch recht trübe, mausert sich aber im Verlauf des Vormittags zu einem wirklich schönen Sommersonnentag. Das Schiff wird klar gemacht und herausgeputzt, die Wassertanks bereits für den nächsten Aufenthalt auf unserem Boot aufgefüllt, das Auto zur Rückfahrt auf das Hafengelände geholt (stand vier Wochen unter einem Pflaumenbaum und sieht unglaublich aus) und um 13:00 Uhr starten wir Richtung Heimat. In Göttingen treffen wir kurz vor 17:00 Uhr ein, gehen noch zur Kommunalwahl und besuchen dann unsere Tochter Sibylle, ihren Mann Christian und unsere Enkelkinder in Klein Lengden. Damit ist unser diesjähriger Urlaub nun endgültig vorbei.

Heidi von der SY-Baramundi Bettina Heidi mit Kapitän Michael Jasper oder Hooki, das ist hier die Frage? Yachthafen Hans-Joachim, Clem, Bettina, Klaus in Stralsund Clementine, Hafen Schaprode/Rügen Schaprode Dorf Hafen Lohme Im Hafenrestaurant Aquamarin im Hafen Lohme Ein schöner Tag geht zu Ende Klaus an der Fischpfanne, Bettina bei der Homepagebearbeitung Im Cockpit Hafen Sassnitz Vor der großen Bädertour Promenade in Ahlbeck Das hat doch Stil Der süße Rankenitz-Hafen Ein schöner Tagesabschluss Hier ist Frühstück angesagt Wolgast Klappbrücke Ankern vor Seedorf/Rügen Warten auf das Abendessen Anker auf ... ... und Deck gewaschen Bettina am Steuerrad Stippvisite in Seedorf Robert und Andrea Andrea Bettina H.-J. am Strand von Karlshagen Bettina Im Hafen Freest Sonnenaufgang in Barhöft Hafen Timmendorf/Poel